Kaum Frauen in der IT-Branche: Stereotype bleiben bestehen

Foto: Joonspoon, CC BY-SA 4.0

In Tschechien mangelt es an Frauen in der IT-Branche. Männer dominieren sowohl beim Informatik-Studium als auch später in den IT-Berufen.

Foto: Joonspoon, CC BY-SA 4.0
Der Frauenanteil unter den IT-Studierenden ist hierzulande der fünftkleineste in der EU. Noch schlimmer sieht es mit den Tschechinnen in den IT-Berufen aus. Mit einem Anteil von knapp zehn Prozent Frauen liegt Tschechien auf dem letzten Platz. Zum Vergleich: Etwa in Bulgarien und Rumänien sind die Frauen mit mehr als 25 Prozent in Berufen wie Programmiererin, Webdesignerin und Datenanalytikerin vertreten.

Die 26-jährige Anna Mai hat Tschechisch studiert. Die Bohemistin beherrschte am Computer nur die notwendigsten Grundlagen. Vor hat sie sich zu einem IT-Kurs eingeschrieben:

„Heutzutage reicht es nicht mehr, nur Microsoft Office, Word oder Excel zu kennen. Als ich mich um verschiedene Arbeitsstellen beworben habe, habe ich festgestellt, dass die Chefs mehr verlangen.“

Anna Mai (Foto: Archiv von Anna Mai)
Anna hat bisher fünf eintägige Schulungen hinter sich. Für jede hat sie etwa 13 Euro bezahlt. Sie will künftig als Webdesignerin oder Webgraphikerin arbeiten:

„Ich gehöre zu jenen Frauen, die Gefallen haben an kreativen Aufgaben. Ich finde die Produktion und Gestaltung von Webseiten mittels der Programmiersprache HTML interessant. Man sieht sofort das Ergebnis seiner Arbeit und kann es sich besser vorstellen, als wenn man ausschließlich mit Codes programmiert.“

Der Anteil der Absolventinnen eines IT-Studiengangs steigt stetig in Tschechien, allerdings langsamer als in anderen Ländern Europas. 2013 waren 14 Prozent der Studierenden weiblich, zwei Jahre später waren es 18 Prozent. Der Verein Czechitas bietet verschiedene Umschulungskurse im Bereich Computer-Arbeit. Miroslava Čechová vertritt die Organisation:

„Obwohl die Zahl der Informatik-Absolventinnen steigt, erhöht sich der Anteil der beschäftigten Frauen in IT-Berufen nicht. In der Gesellschaft spielen Stereotype immer noch eine große Rolle. Von Frauen wird primär erwartet, dass sie sich um die Familie kümmern. Daher gehen sie eher in Pflegeberufe wie Krankenschwester oder Lehrerin.“

Viktor Bajgar (Foto: Archiv von Viktor Bajgar)
Dies bestätigt auch der Computer-Graphiker Viktor Bajgar. In seinem Team arbeiten vier Männer und eine Frau:

„Die Männer basteln gerne an ihren Autos, sie reparieren ihre Motorräder und genauso reparieren sie auch Computer. Sie haben dazu eine engere Beziehung. Ich bin aber der Meinung, dass Frauen und Männer in dieser Branche gleich gut sein können.“

Miroslava Čechová will gegen diese Stereotype kämpfen. Sie organisiert unter anderem eine Programmier-Sommerschule für Frauen:

„Wir zielen auf Bereiche wie Webgestaltung, Graphik, Programmieren, Sicherheit oder Datenanalysen. Außerdem machen wir Kurse für Grund- und weiterführende Schulen, wo etwa Computerspiele programmiert werden.“

Das Interesse ist groß. Vor drei Jahren hat Czechitas etwa 40 Kurse organisiert, im vergangenen Jahr waren es schon doppelt so viele.