Vogelaufzucht im Safari Park Dvůr Králové: Smarte Eier übermitteln wichtige Daten

Pelikan-Jungvogel mit einem kleinen Fisch

Diese Eier werden den Vögeln untergejubelt, um ihre Nestpflege zu erforschen. Der Safari Park Dvůr Králové nad Labem hat sie im 3D-Drucker hergestellt und mit Spitzentechnologie bespickt.

Es schaut aus wie ein normales Vogelei. Doch es ist künstlich und enthält mehrere Messgeräte. Damit sollen zum Beispiel bedrohte Arten besser geschützt werden können. So zumindest plant es der Safari Park im ostböhmischen Dvůr Králové nad Labem. Der Zoologe Michal Podhrázský ist bei den Säbelschnäblern im Pavillon „Vogelwelt“. Er nimmt eines der künstlichen Eier in die Hand…

Michal Podhrázský | Foto: Jana Myslivečková,  Tschechischer Rundfunk

„Ich öffne jetzt den Deckel des Eis. Innen befindet sich der Datenlogger, der die Temperatur sowie die Lage misst. Letzteres ist dafür wichtig, dass wir wissen, wie der Vogel das Ei wendet“, so der Experte.

Mit dem regelmäßigen Bewegen der Eier verhindern nicht nur die Säbelschnäbler, sondern auch weitere Vögel, dass der Embryo vor dem Schlüpfen an der Schale anhaftet. Diese Bewegungen werden auch per Mini-Kamera aufgezeichnet. Michal Podhrázský:

„Der Grundgedanke dabei war herauszufinden, wie die Vögel die Eier drehen. Denn manche Arten machen dies mit dem Schnabel, andere mit ihren Füßen. Aber es kann auch passieren, dass sie versehentlich gegen das Ei treten. Oder der Baum schwankt im Wind, sodass auch das Nest mit dem Ei bewegt wird. Selbst das lässt sich mit der Kamera sehen.“

Foto: Simona Jiřičková,  ZOO Dvůr Králové

Zudem wird noch ein Sensor unter das Ei gelegt und ein weiterer am Rand des Nests angebracht. So können Temperatur und Luftfeuchtigkeit an beiden Orten erfasst werden.

„Wenn man dort hinüberschaut, sieht man ein komplett nasses Weibchen. Das heißt, die Vögel baden zunächst und gehen dann zu den Eiern. So erhöhen sie die Feuchtigkeit. Und das muss bei der Inkubation von Eiern beachtet werden, damit wir beim künstlichen Ausbrüten richtig vorgehen“, sagt Podhrázský.

 „Vogelwelt“ in Dvůr Králové | Foto: Alžběta Němcová,  Radio Prague International

Denn das Forschungsprojekt soll vor allem dabei helfen, seltene Vogelarten nachzuzüchten. Und das kann sowohl durch natürliches Ausbrüten als auch durch künstliches geschehen. Warum aber werden überhaupt Inkubatoren verwendet, also künstlich ausgebrütet? Das erläutert David Kodet. Er ist Ober-Zoowärter im Safari Park:

„Wir haben viele Vögel hier. Und uns ist es schon passiert, dass andere Vögel das Ei eines nistenden Paares weggerollt oder auch ins Wasserbecken geschmissen haben. Durch das künstliche Ausbrüten verhindern wir den Verlust von Eiern und damit auch von möglichen Jungtieren.“

Deswegen müssen die Zoowärter sehr genau wissen, wie die Nestpflege der jeweiligen Vogelart aussieht. Fünf Inkubatoren stehen im Zoo von Dvůr Králové nad Labem bereit.

„Ich wiege jetzt das Ei und messe seine Dicke, dann lege ich es in den Inkubator zurück. Für den Säbelschnäbler-Nachwuchs haben wir 50 Prozent Luftfeuchtigkeit eingestellt und eine dauerhafte Temperatur von 37,5 Grad“, erläutert Kodet.

Bei der Erforschung der Nestpflege arbeitet der Safari Park mit der Tschechischen Agraruniversität (ČZU) in Prag zusammen, diese wertet die Daten aus.

Autoren: Till Janzer , Karolína Burdová | Quelle: Český rozhlas
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