Kinderprostitution in Cheb - erfunden oder wahr?

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Eine der augenfälligsten Erscheinungen im tschechisch-deutschen Grenzgebiet ist bekanntlich die Prostitution. In den vergangenen zwei Jahren hat sie vor allem in der Umgebung der westböhmischen Grenzstadt Cheb/Eger das Aufsehen der deutschen Medien auf sich gelenkt, die die steigende Kinderprostitution beklagten. Von tschechischer Seite hingegen wurden die Berichte der deutschen Medien vielfach als übertrieben zurückgewiesen. Das Tschechische Innenministerium hat jetzt einen abschließenden Bericht zu der Thematik der Kinderprostitution in Cheb herausgegeben. Silja Schultheis berichtet.

Insgesamt 125 Artikel sind nach Angaben des Tschechischen Innenministeriums in den vergangenen zwei Jahren in der tschechischen wie internationalen Presse zum Thema Kinderprostitution in Cheb und Umgebung erschienen. Insgesamt ergibt sich daraus ein ziemlich düsteres Bild der Situation im Grenzgebiet: Nicht nur die Zahl der Fälle von Kinderprostitution steigt den Medien zufolge kontinuierlich an, sondern die tschechischen Behörden schließen vor diesem Problem auch noch die Augen.

Diese Darstellung ist nach Meinung des tschechischen Innenministeriums nicht nur bewusst verzerrt, sondern auch ein mögliches Hindernis auf dem Weg der Tschechischen Republik in die Europäische Union. Das Innenministerium sah sich daher veranlasst, in Zusammenarbeit mit unabhängigen Organisationen und der deutschen Polizei eine Untersuchung durchzuführen, deren Ergebnisse es jetzt in einem Bericht zusammenfasste. Darin wird die Berichterstattung der Medien - die sich dem Innenministerium zufolge überwiegend auf Angaben der nichtstaatlichen Organisation KARO stützt - der tatsächlichen Situation gegenüber gestellt.

Einige Beispiele:

Mitarbeiter von Karo konstatieren, dass sich Cheb zu einer "Hochburg der Kinderprostitution" entwickelt habe. Die Untersuchungen des Innenministeriums haben hingegen keinen einzigen solchen Fall feststellen können.

Weiter: Karo zufolge verhält sich die tschechische Polizei bei der Überwachung der Straßenprostitution gleichgültig.

Das Innenministerium führt demgegenüber an, dass allein in den Jahren 1999 und 2000 im Kreis Cheb über 10.000 Prostituierte von Straßen Patroullien kontrolliert worden sind.

Wie lassen sich diese konträren Angaben bewerten? Steht hier Aussage gegen Aussage?

Bleibt abzuwarten, wie unabhängige Organisationen wie KARO u.a. auf den Bericht des Innenministeriums reagieren werden.