„Kölle Alaaf“ an der Moldau: Ein Gymnasium in Prag feiert Karneval
Bunte Kostüme, Tanzmariechen, ausgelassene Stimmung und die Machtübernahme durch die Schülerinnen und Schüler – das alles gehört zum Karneval des Christian-Doppler-Gymnasiums in Prag. Doch hinter diesem bunten Treiben steckt mehr als nur Feierlaune. Was als kleines Projekt im Deutschunterricht begann, hat sich inzwischen zu einem jährlichen Höhepunkt für die gesamte Schule entwickelt.
In der Turnhalle des Christian-Doppler-Gymnasiums herrscht am Donnerstagmorgen ausgelassene Stimmung. Die Schulleiter sind in Häftlingskleidung und werden von den Schülern in die Halle abgeführt. Kinder in bunten Kostümen tanzen zu deutschen Schlagern, und immer wieder erklingt der fröhliche Ruf „Kölle Alaaf!“. Man könnte fast meinen, mitten in der Domstadt zu sein.
Schon zum dritten Mal wird hier eine Schulstunde lang Karneval nach Kölner Vorbild gefeiert. Die Deutschlehrerin Věra Kirschner hat dieses Jahr zusammen mit der Klasse 5M das Programm des Doppler-Karnevals auf die Beine gestellt. Ursprünglich war es als Teil des Deutschunterrichts gedacht, um den Kindern und Jugendlichen die Kultur der deutschsprachigen Länder näherzubringen. Mittlerweile ist das ausgelassene Treiben zu einer Tradition geworden, bei der die ganze Schule mitfeiert. Věra Kirschner:
„Angefangen haben wir mit einem kurzen Programm in der Turnhalle. Dann ist uns eingefallen, dass es eigentlich schön ist, wir das noch ein bisschen bunter gestalten könnten und das Programm wirklich mit einer Geschichte verbinden.“
Lehrer und Schüler tauschen an diesem Tag die Rollen, denn im Mittelpunkt der Geschichte stehen die Schüler, die für 45 Minuten die Macht an der Schule übernehmen. Die Programmpunkte und die Machtübernahme knüpfen an die Traditionen des Kölner Karnevals an. Lehrer und Schüler haben diese dann gemeinsam für das Gymnasium angepasst.
„Weiberfastnacht ist bei uns so, dass die Tanzmariechen den Direktoren die Krawatten abschneiden. Bei der Verhaftung kriegen die Schulleiter Häftlingsanzüge, eine Kugel an den Fuß, und diesmal wurden sie sogar gekreuzigt. Wir haben eine Funkengarde, die tanzt, und auch zum Abschluss dann die traditionelle Polonaise in der Turnhalle“, so Kirschner.
Jedes Jahr wird eine neue Klasse zum Organisationsteam des Doppler-Karnevals ernannt. Es wird geplant, geprobt und dekoriert, bis die Turnhalle einer bunten Festhalle gleicht. Neben all den vielfältigen Programmpunkten ist das Highlight für die Schülerinnen und Schüler jedoch die Verhaftung der Schulleitung. Symbolisch werden ihnen Fußfesseln angelegt, und unter lauten Applaus werden sie durch die Schule in die Turnhalle abgeführt, wo dann das Programm stattfindet. Moderiert hat die Veranstaltung dieses Jahr Marek Dohnal aus der Klasse 5M. Auch er fand es toll – wenn auch nur kurz –, die Kontrolle über die Schule zu übernehmen:
„Am meisten hat es mir Spaß gemacht, durch die ganze Schule zu rufen, dass die Direktion eine Aristokratie ist und eine Diktatur, die wir stürzen wollen.“
Auch Friederike Grube hat mitgefeiert. Sie ist Studentin aus Hamburg und absolviert gerade ein Praktikum am Doppler-Gymnasium...
„Der Karneval hier am Doppler-Gymnasium hat mir sehr gut gefallen. Ich habe es das erste Mal so erlebt. Auch bei mir in Deutschland an der Schule habe ich noch nie so Karneval gefeiert, so traditionell auf Kölner Art. Und ich finde, dass die Klasse, die das organisiert hat, das richtig toll gemacht hat. Ich glaube, wir hatten alle viel Spaß, die ganze Schule“, sagt Grube.
Das Projekt findet nicht nur Anklang bei den Schülerinnen und Schülern, sondern auch bei deren Eltern. Diese haben sich sogar dazu entschieden, den Karneval mitzufinanzieren, erzählt Věra Kirschner:
„Bei der Klasse, mit der ich das das letzte Mal gemacht habe, habe ich auch wirklich eine positive Rückmeldung von den Eltern im Rahmen eines Elterntreffens bekommen. Ich glaube, es zeigt sich vor allem dadurch, dass wir finanzielle Unterstützung von dem Verein der Eltern kriegen. So können wir unsere Krapfen, Berliner, alle Süßigkeiten kaufen, dadurch kommt also das ganze Material zusammen, und wir können das einfach alles bezahlen.“
Die Klasse, die nächstes Jahr den Karneval organisiert, ist schon bestimmt. Frau Kirschner wünscht sich, dass die Veranstaltung ein fester Bestandteil in der Schule wird...
„Ich hoffe sehr, dass es auch weitergeht. Die Klasse Quarta dieses Jahr weiß schon, dass sie nächstes Jahr den Karneval in eigene Hände übernimmt und dass sie dann selbst bestimmen kann, wie das Programm aussieht. Hoffentlich bleibt es eine lange Tradition an unserer Schule“, so die Deutschlehrerin.







