Kommentar zu österreichischen Schülerprotesten

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Die Blockade dreier Grenzübergänge durch österreichische AKW-Gegnern, an der sich neuerdings auch Schulkinder beteiligen, kommentierte der Publizist und Redakteur des Tschechischen Rundfunks Ivan Hoffmann am Donnerstag Morgen folgendermassen.

"Das Bild der österreichischen Schulkinder, die an Grenzübergängen Anti- Temelin Parolen zum Besten geben, wirkt peinlich. Der Gründer der überparteilichen oberösterreichischen Anti-Atom-Initiative behauptet zwar, es handle sich dabei um Ersatzunterricht im Geiste politischer Erziehung. Aber was kann ein Schüler auf einer vom Staat nicht nur gebilligten, sondern sogar mitorganisierten Demonstration schon lernen. Selbstbewusstsein des Bürgers? Freiheitlichen Ausdruck seiner eigenen Meinung ? Oder erhält er Unterricht in kollektiver Psychose? Kritik an der Atomlobby und an atomarer Willkür kann man begreifen. Schlecht lässt sich aber eine solche Kritik von Schülern annehmen. Realistisch gesehen hilft das Demonstrieren den Kindern politisch nicht, es beschädigt sie aber auch nicht psychisch. Die Schüler sind froh, dass sie schulfrei haben und diese Freude ähnelt jener die wir erlebten, als man anstelle von Unterricht in einen sowjetischen Film ging oder zur Kariesprävention. Die These österreichischer Erwachsener, dass die Kernspaltung in einem Reaktor politisch schlecht ist, werden die Kinder im Rahmen eines Generationenkonflikt vielleicht einmal widerlegen. Es würde unserer Reaktion auf die politische Erziehung zum sozialistischen Denken entsprechen. Das Resultat war das die Jugend die kommunistische Partei zu verachten begann. Der österreichische Bundeskanzler verspricht den Schülern, dass er sie nicht mit Polizeigewalt auseinandertreiben lassen wird. Das ist gut so. Uns hat die Polizei auch nicht angegriffen, als wir am 1.Mai den Verkehr blockierten."

Autor: Ivan Hoffmann
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