Kommunistische Geheimdienstler vor Gericht

Zbyněk Dudek und Vratislav Brabenec (Foto: ČTK / Vít Šimánek)

Nach 40 Jahren stehen fünf ehemalige Angehörige des kommunistischen Geheimdienstes StB vor Gericht. Sie sind angeklagt, Dissidenten mit physischem und psychischem Druck zur Emigration gezwungen zu haben. Am Donnerstag begann die Verhandlung vor dem Amtsgericht für den ersten Prager Stadtbezirk.

Archiv des kommunistischen Geheimdienstes StB (Foto: Tschechisches Fernsehen)

Jaroslav Jeroným Neduha (Foto: Veronika Hlaváčová, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
„Aktion Asanace“ war der Deckname der Operation des kommunistischen Geheimdienstes StB. In ihrem Rahmen versuchte das Regime Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre unbequeme Personen zur Emigration zu zwingen. Die Opfer waren vor allem Unterzeichner der Bürgerrechtspetition Charta 77. Sie wurden von den Stasi-Mitgliedern schikaniert und bedroht. Einer der vier Geschädigten in diesem Gerichtsprozess ist der Musiker Jaroslav Jeroným Neduha. Im Vorfeld der Verhandlung schilderte er gegenüber dem Tschechischen Rundfunk, wie ihm gesagt wurde, dass er entweder emigrieren solle oder ins Gefängnis wandere.

„Ich wurde drei oder vier Stunden lang verhört. Beim letzten Verhör wurde mir mitgeteilt, dass ich für achteinhalb Jahre eingesperrt würde. Als einzige Alternative sagten sie, ich sollte nach Wien gehen. Ich habe das Land nicht freiwillig verlassen. Als ich ins Exil ging, stand ich unter Stress, ich habe die ganze Zeit gezittert.“

Zbyněk Dudek und Vratislav Brabenec (Foto: ČTK / Vít Šimánek)
Die StB-Mitglieder zwangen auch Vratislav Brabenec von der bekannten Undergroundband „The Plastic People of The Universe“ zur Emigration. Der Saxophonist erinnerte sich vor kurzem daran im Tschechischen Fernsehen:

„Beim Verhör behaupteten sie, dass sie meine zweijährige Tochter entführt hätten. So etwas lässt sich schwerlich vergessen.“

Auch Vratislav Brabenec ging schließlich ins Exil, und zwar nach Kanada.

Die zuständige Staatsanwältin hat zwar schon im Oktober 2018 die Klage gegen die fünf ehemaligen kommunistischen Geheimdienstler eingereicht. Sie wirft ihnen Amtsmissbrauch vor. Die Hauptverhandlung konnte jedoch erst am Donnerstag angefangen werden. Zuvor musste der Prozessbeginn mehrmals wegen der Abwesenheit eines der Angeklagten vertagt werden. Auch diesmal sind nicht alle fünf Beschuldigten erschienen. Einer von ihnen, Zbyněk Dudek, wies die Anschuldigungen zurück. Er habe nie so etwas gemacht und Brabenec auch nicht gekannt, sagte er.

Foto: ABS
Dies ist nicht der erste Gerichtsprozess hierzulande gegen ehemalige Stasileute, die Dissidenten im Rahmen der „Aktion Asanace“ schikaniert haben. Im Oktober vergangenen Jahren mussten sich zwei andere Ex-Geheimdienstler dazu verantworten. Sie sollen einer Familie gedroht haben, dass es zu einem „Unfall“ kommen werde, falls sie nicht emigriert. Die Familie mit drei Kindern ertrug den Druck nicht mehr und ging ins Exil nach Frankreich. Einer der Angeklagten, Milan Kopinec, sagte gegenüber dem Tschechischen Fernsehen.

„Wie hat das die Familie überhaupt beeinflussen können? Die Verfolgung war doch geheim. Ich werde nichts mehr dazu sagen.“

Historiker Petr Blažek vom Institut für das Studium totalitärer Regime bemerkte dazu:

Petr Blažek (Foto: ČT24)
„Ich würde die Haltung des Angeklagten als die Banalität des Bösen bezeichnen. Er sagt entweder, er erinnere sich an nichts mehr oder aber er habe nichts Schlechtes getan.“

Das kommunistische Regime zwang letztlich im Rahmen der Aktion „Asanace“ insgesamt 280 Unterzeichner der Charta 77 zur Emigration.

Auch die anderen Beschuldigten haben mittlerweile die Anschuldigungen von sich gewiesen. Die Gerichtsverhandlung soll im Februar fortgesetzt werden, hieß es.