Ende der Bespitzelung: Tschechoslowakei löst vor 35 Jahren die Geheimpolizei StB auf
Ein Symbol für Terror, Erpressung, Verfolgung und Angst: Das war die kommunistische Staatssicherheit. Vor genau 35 Jahren, am 31. Januar 1990, wurde die Geheimpolizei StB in der Tschechoslowakei abgeschafft. Aber schon vorher hatten die Stasi-Offiziere begonnen, geheime Dokumente zu vernichten.
Auf einem Militärgebiet an der Grenze zwischen den Kreisen Mittelböhmen und Westböhmen sei ein Depot mit geheimen Akten der Staatssicherheit gefunden worden, das berichtete der Tschechoslowakische Rundfunk am 16. Dezember 1989.
Die politischen Veränderungen nach November 1989 kamen schnell, und die Beamten der Staatssicherheit versuchten, heimlich Schriftstücke zu vernichten, die künftig gegen sie verwendet werden könnten. Die Rundfunknachrichten von damals:
„Dazu gehören eine Vielzahl von Aufzeichnungen über Ermittlungen, politische Prozesse und Informationen über Personen, die offenbar mit der Staatssicherheit zusammengearbeitet haben. Die Bezeichnung ‚streng geheim‘ sieht auf dem durchnässten Boden etwas grotesk aus.“
Die tschechoslowakische Staatssicherheit, allgemein bekannt unter der Abkürzung StB, war eine Geheimpolizei, deren Mitglieder keine Uniformen trugen. Im sogenannten Kampf gegen innere und äußere Feinde schreckten sie selbst vor Entführung, Erpressung und Gewaltanwendung nicht zurück. Nach dem Zusammenbruch des Sowjetblocks und dem Übergang vom staatlich verordneten Sozialismus zur Demokratie war es daher nur logisch, dass dazu aufgefordert wurde, die StB abzuschaffen. Michal Macháček ist Historiker am „Museum des Gedächtnisses des 20. Jahrhunderts“:
„Natürlich hatte dies auch eine psychologische und symbolische Bedeutung, denn die Staatssicherheit wurde in den Augen der Öffentlichkeit mit der Regierung der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei in Verbindung gebracht.“
Die endgültige Abschaffung der Geheimpolizei erfolgte am 31. Januar 1990. Der damalige Innenminister Richard Sacher ordnete sie an:
„Nach der Auflösung des sogenannten Inlandsnachrichtendienstes habe ich heute durch meinen Befehl auch die übrigen Bestandteile der Staatssicherheit abgeschafft… Seit heute 9 Uhr werden die Privat- und Dienstwaffen eingezogen.“
Zu dem Zeitpunkt, als Minister Sacher den Befehl erließ, gab es etwa 13.000 StB-Mitglieder. Manche hatten bereits vor Ende 1989 den Dienst quittiert. Historiker Macháček:
„Sie spürten, dass es zu einem großen Umbruch kommen würde. Sie wussten nicht, wie weit er gehen würde, ob es zu irgendwelchen repressiven Maßnahmen gegen sie kommen würde. Einige von ihnen zogen es daher vor, vorzeitig auszusteigen. Dies war für manche eine kluge Entscheidung, denn so konnten sie ihre Rentenansprüche behalten.“
Die Staatssicherheit war in der ehemaligen Tschechoslowakei fast 45 Jahre lang tätig. Die erhaltenen Dokumente wurden 2008 vom Archiv der Sicherheitskräfte für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.







