Krankenkassen-Chef: Aufstockung auf 30.0000 Tests ist zu ambitioniert

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In Tschechien stiegen die Zahlen der positiven Tests auf das Coronavirus seit Monatsbeginn sprunghaft an. Den 503 Fällen vom Dienstag folgte am Mittwoch der neue Rekordwert von 650 Fällen, die ein positives Ergebnis in Bezug auf den Covid-19-Erreger hatten. Parallel gehen diese Zahlen aber auch mit der steigenden Zahl an Tests einher, am Mittwoch waren es fast 11.000. In den Inlandsendungen des Tschechischen Rundfunks wurde daher nachgefragt, ob die dauerhaften Tests noch finanzierbar seien.

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In den tschechischen Labors wurden seit Beginn der Corona-Pandemie über 900.000 Tests auf den Erreger durchgeführt. 13 Prozent davon wurden durch die Testpersonen selbst gezahlt, der Rest wurde von der Krankenkasse getragen. Im Rundfunkgespräch informierte der Präsident des Verbandes der Krankenkassen, Ladislav Fridrich, über die Höhe der Ausgaben:

„Wenn ich von den Zahlen ausgehe, die uns bisher vorliegen, dann liegen die Kosten, die die Allgemeine Krankenkasse bisher für die Tests aufbringen musste, bei drei bis vier Milliarden Kronen. Im zweiten Halbjahr dieses Jahres aber werden diese Ausgaben natürlich noch steigen.“

Die Aussage Fridrichs, dass die kommenden Kosten die bisher aufgebrachten 150 Millionen Euro übersteigen werden, hängt auch damit zusammen, dass die Testkapazitäten vergrößert werden sollen. Nach Vorstellung von Gesundheitsminister Adam Vojtěch (parteilos) sollen die durchschnittlich 7000 Tests pro Tag auf rund 15.000 verdoppelt werden. Ist das für die Krankenkasse bezahlbar? Ladislav Fridrich:

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„Das Jahr 2020 ist für die Krankenkasse atypisch, weil der Rückgang der Wirtschaft beträchtlich ist und uns daher fest eingeplante Einnahmen fehlen. Auf der anderen Seite hat der Staat die Gehälter seiner Bediensteten ziemlich rasant erhöht. Von daher reichen die Reserven, aus denen wir derzeit schöpfen können, immer noch aus.“

Dies sei auch der Fall, wenn die Anzahl der Tests die momentane Kapazität von 10.000 dauerhaft übersteigt, so Fridrich. Eine jüngst vom Senat gestellte Forderung zielt indes darauf, dass die Testkapazitäten vor der zu erwartenden Grippewelle im Herbst bis auf 30.000 aufgestockt werden. Ist auch das machbar?

„Ich denke, 30.000 sind eine sehr optimistische Einschätzung. Wenn wir auf die aktuellen Zahlen schauen, dann kommen wir an Tagen, wo relativ viel getestet wird, auf etwa 10.000. Ich sehe kein Problem darin, die Kapazität der Labors weiter aufzustocken. Der gegenwärtige Engpass aber liegt bei der Zahl der Abnahmestellen. Es ist sicher richtig, die Zahl dieser Teststellen zu erhöhen. Doch dass sie binnen kurzer Zeit verdreifacht werden können, halte ich für ein ziemlich ambitioniertes Ziel.“

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Mit der Fokussierung auf das Coronavirus und seine möglichen Folgen aber hat sich zugleich die Gewichtung im tschechischen Gesundheitswesen geändert. Und dies sollte man nicht aus den Augen verlieren, mahnt Fridrich an:

„So wie man die Hygienemaßnahmen im Zuge der Corona-Pandemie verschärft hat, so sind die Patientenbesuche bei ihren  Ärzten gesunken. Bestimmte medizinische Leistungen wurden zurückgefahren. Ein gewisser Bedarf an ärztlichen Behandlungen wurde verschoben, und das könnte sich im nächsten Jahr bemerkbar machen.“

Genau aus diesen Gründen sei es gegenwärtig schwer, das Aufkommen der medizinischen Leistungen, die durch die Krankenkasse finanziell abgedeckt werden müssen, richtig einzuschätzen. Man habe keine Planbarkeit. Es sei erforderlich gegen alle Unabwägbarkeiten Reserven zu bilden, unter anderem mit staatlicher Hilfe, sagt Fridrich. In einer Angelegenheit aber wollen die Krankenkassen schon jetzt Druck machen – beim Preis eines Covid-19-Tests. Der liegt derzeit offiziell bei 1750 Kronen (66,80 Euro), doch private Labors verlangen einiges mehr, informiert Fridrich:

„Der Preis für Selbstzahler bewegt sich heute immer noch bei rund 3000 Kronen. Doch es gibt auch Labors, die ihre Dienstleistung preiswerter anbieten. Wir werden logischerweise darauf drängen, dass mit einer steigenden Zahl an Tests dieser Preis reduziert wird. Ich bin da optimisstisch.“