Krankenkassenangebot ohne Gewähr auf Umsetzung: Zu wenige Hebammen für Nachgeburtsversorgung
Nach der Geburt eines Kindes haben Mütter in Tschechien einen Anspruch auf drei Hausbesuche einer Hebamme. Diese Versicherungsleistung besteht seit Anfang dieses Jahres, kann aber oft nicht gewährleistet werden.
„Wenn man das Krankenhaus mit einem Neugeborenen verlässt, dann weiß man nicht wirklich, wie man mit ihm zu Hause umgehen muss. Ein Angebot, dass die Hebamme erst in etwa einem Monat vorbeikommt, geht am Sinn dieser Dienstleistung vorbei.“
So hat es Barbora aus Prag erlebt. Den Hausbesuch einer Hebamme hatte sie gleich nach der Geburt ihres Kindes bei der Krankenversicherung beantragt. Einen freien Termin gab es dafür aber erst drei Wochen später...
„Als die Hebamme da war, habe ich sie gleich danach gefragt, wie ich den zweiten und dritten Hausbesuch beantragen muss. Sie teilte mir mit, dass es jetzt in den Ferien keine Termine mehr gebe und dass es besser wäre, den Antrag gar nicht erst zu stellen. Ich habe dies mit dem Onlineformular trotzdem getan, aber niemand hat sich daraufhin gemeldet.“
Leistung gilt nur im Wochenbett
Das Wochenbett ist für Barbora nun vorbei, und damit verfällt ihr Anspruch auf die noch ausstehenden beiden Hausbesuche. Seit Anfang des Jahres werden hierzulade insgesamt drei Konsultationen von der Krankenkasse bezahlt, aber nur in den ersten sechs Wochen nach der Geburt. Es gibt allerdings in Tschechien zu wenige Hebammen, um den Bedarf abzudecken. Laut dem Institut für Gesundheitsinformationen und Statistik (ÚZIS) wurden im ersten Halbjahr 2026 landesweit nicht ganz 3000 Hausbesuche absolviert – der Anzahl der Geburten zufolge hätten es aber mehr als 50.000 sein müssen.
Ähnliches zeigt eine Umfrage der tschechischen Hebammenunion unter 100 Frauen, die im ersten Quartal dieses Jahres ein Kind zur Welt gebracht haben. Sie wollten zu fast 90 Prozent das Angebot der Hausbesuche nutzen. Bei rund der Hälfte von ihnen war die Hebamme nur einmal da, und das häufig erst zwei Wochen nach der Geburt. Und etwa ein Drittel der Interessentinnen bekam keinen einzigen Termin für die Konsultation. Dazu sagt Unionspräsidentin Martina Suchardová:
„Es handelt sich um eine halbakute Pflegeleistung. Wenn die Frau nach der Geburt nach Hause kommt, sollte eine Hebamme idealerweise nach drei oder vier Tagen da sein. Dafür gibt es aber bisher keine Kapazitäten. Manche Frauen bezahlen eine Hebamme deswegen aus eigener Tasche, wenn sie dafür einen früheren Termin bekommen.“
An den Kapazitäten für die kostenlosen Hausbesuche werde gearbeitet, betont Martin Balada, der Präsident des Verbandes der Krankenversicherungen:
„Diese Dienstleistung wird jetzt seit knapp acht Monaten angeboten. Es muss eingestanden werden, dass sich das Netz der Anbieter erst nach und nach bildet. Die Krankenversicherungen bemühen sich, das Angebot und die Dienstleister zur Verfügung zu stellen.“
Kritik an zentraler Koordination
Die größte öffentliche Krankenkasse in Tschechien, Všeobecná zdravotní pojišťovna (VZP), habe indes erst zwei Beschwerden wegen fehlender Hausbesuchstermine erhalten, berichtet ihre Sprecherin Viktorie Plívová:
„Aktuell hat die VZP Verträge mit 74 Geburtskliniken und 37 Gemeindehebammen. Falls sich zeigt, dass dieses Angebot nicht ausreicht, ist unsere Krankenversicherung bereit, Verträge mit weiteren Anbietern abzuschließen.“
Die tschechische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe kritisiert das einheitliche System, mit dem die drei Hausbesuche im Wochenbett über die Krankenkassen koordiniert und abgerechnet werden. Das Gesundheitsministerium habe die Regelung Anfang des Jahres eingeführt, ohne dass es eine Übereinkunft mit Ärzten, Kostenträgern und anderen beteiligten Seiten gegeben hätte, betont der Verbandsvorsitzende Marian Kacerovský:
„Hebammen spielen in der Nachgeburtspflege natürlich eine ganz zentrale und nicht zu ersetzende Rolle. Ihre Tätigkeit sollte aber individuell bewertet werden. Sie sollte sich realistisch an den Kapazitäten und den Finanzen orientieren.“
Soll heißen: mehr Autonomie für die Hebammen, auch in der Abrechnung ihrer Leistungen. Martina Suchardová von der Hebammenunion spricht sich aber für die Beibehaltung des derzeitigen Systems aus. Der größte Vorteil der kostenlosen Konsultationen ist ihrer Ansicht nach, dass diese bei der Mutter zu Hause stattfinden und so ein engeres Vertrauensverhältnis zur Hebamme entstehen kann.







