Kummernummer und Hospiz: NGOs des Jahres gekürt

Foto: Archiv der Stiftung für die Entwicklung der Bürgergesellschaft

Sie helfen Kindern, alleinerziehenden Müttern oder Sterbenden – ohne NGOs stünde das tschechische Sozialsystem vor großen Problemen. Am Dienstag wurden die NGOs des Jahres ausgezeichnet.

Foto: Archiv der Stiftung für die Entwicklung der Bürgergesellschaft

Soňa Petrášková (Foto: ČTK / Roman Vondrouš)
Großen Applaus gab es am Dienstagabend für die Linka bezpečí, also die tschechische „Nummer gegen Kummer“. Vor allem wegen einer großen Kampagne in den Regionen wurde sie in der Prager Konzertkneipe Malostranska beseda mit dem Preis für große NGOs ausgezeichnet. Die Leiterin der Linka bezpečí, Soňa Petrášková, konnte ihr Glück kaum fassen:

„Ich bin schon den ganzen Abend lang furchtbar nervös und habe Herzklopfen. Um mich zu beruhigen, sage ich mir schon durchgehend: ‚Auch wenn wir keine Trophäe bekommen, haben wir trotzdem gewonnen.‘ Die Ehrung hat aber einen unfassbaren Wert für mich persönlich und für unsere Organisation.“

Der Preis „NGO des Jahres“ war für die Linka bezpečí zudem ein kleines Geschenk zum runden Geburtstag. Das Sorgentelefon feiert in diesem Jahr nämlich 25 Jahre seines Bestehens. In dieser Zeit haben die Helfer rund 10,5 Millionen Anrufe von Kindern in Krisensituationen entgegengenommen.

Eva Vondráková (Foto: ČTK / Roman Vondrouš)
In der Kategorie mittelgroße NGOs konnte die Organisation Na počátku / Am Anfang punkten. Sie kümmert sich um Schwangere und alleinerziehende Mütter in Notlagen, wie in einem Spot bei der Preisübergabe erklärt wurde:

„Wir stehen ganz am Anfang des menschlichen Lebens. Eines Lebens, das noch nicht wirklich mit der Welt in Berührung gekommen ist – aber schon ganz nah dran ist an den Problemen der Erwachsenen.“

Für die Chefin von Na počátku, Eva Vondráková, ist die Ehrung eine Art Anerkennung und Werbung zugleich:

„Der Preis ist eine Bestätigung für uns, da wir es nicht leicht hatten am Anfang. Die Auszeichnung macht es uns aber auch einfacher, auf Sponsoren zuzugehen.“

Hospiz des heiligen Jan Nepomuk Neumann in Prachatice (Foto: Matěj Baťha, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)
In der Kategorie „kleine NGOs“ konnte sich überraschenderweise die größte tschechische Turnorganisation Sokol durchsetzen. Konkret erhielt den Preis der Ortsverein in Milovice, er konnte die Jury durch die Vielfältigkeit seiner Mitglieder und durch sein buntes Programm überzeugen.

Den Publikumspreis erhielt wiederum eine Initiative, die sich mit dem Ende des Lebens beschäftigt – es ist das Hospiz des heiligen Jan Nepomuk Neumann in Prachatice / Prachatitz. Der Leiter der Einrichtung, Robert Huneš, betont, wie wichtig die Arbeit von NGOs in Tschechien ist:

„NGOs springen dort ein, wo die Gesellschaft scheitert und sich der Staat nicht mehr um die Schwächsten kümmern kann. Oder wenn es für ihn nicht mehr lukrativ genug ist.“

Der Preis „NGO des Jahres“ wird von der Stiftung zur Entwicklung der Zivilgesellschaft vergeben. Diese besteht seit 26 Jahren und will vor allem soziale und gesellschaftspolitische Initiativen unterstützen. Bisher hat sie 7500 Projekte mit insgesamt 1,8 Milliarden Kronen gefördert.