Last-Minute-Hilfe: Stadt Ostrau kauft Stadion des verschuldeten FC Baník

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Wenn ortsfremde Tschechen über die nordmährische Stadt Ostrava / Ostrau sprechen, dann nennen sie häufig auch den Namen des dortigen Fußballvereins Baník Ostrava. Das sagt jedenfalls der Ostrauer Oberbürgermeister Petr Kajnar, mit Hinweis auf eine entsprechende Umfrage. Und weil Baník im Erscheinungsbild der Stadt offenbar eine wesentliche Rolle spielt, hat der Stadtrat am Montag auch eine für den Verein wichtige Entscheidung getroffen: Die Stadt wird Baník das Stadion Bazaly abkaufen und dem hochverschuldeten Verein damit vermutlich die Insolvenz ersparen.

Baník Ostrava wurde vor etwas über 90 Jahren gegründet und gilt in Tschechien als der traditionsreichste Verein aus dem mährischen Landesteil. „Die Knappen“, wie man sie auf Deutsch nennen könnte, wurden viermal Meister und achtmal Pokalsieger. Im erfolgreichsten Kapitel ihrer internationalen Auftritte haben sie sich mit zwei deutschen Clubs duelliert: Im Viertelfinale des Europacups der Pokalsieger schaltete Baník im Frühjahr 1979 den 1. FC Magdeburg aus, scheiterte dann aber eine Runde später an Fortuna Düsseldorf.

Diese Glanzzeiten sind längst vorbei, und heute hat der Verein ganz andere Sorgen. Ihn drückt vor allem eine Schuldenlast von 170 Millionen Kronen (ca. 6,5 Millionen Euro), der Verband hat ihm deswegen keine Erstliga-Lizenz für die kommende Saison erteilt. Bis zum Dienstag konnte Baník gegen dieses Urteil in Berufung gehen, musste dafür aber auch ein klares Konzept zur Entschuldung des Vereins vorlegen. Letzter Rettungsanker auf dem Weg dorthin war die Stadt Ostrau. Der Stadtrat hatte sein ursprüngliches Vorhaben, den 100-prozentigen Kauf der Aktien des Unternehmens Bazaly, zwar im April verworfen, doch dafür zeigte er sich bereit, die dortige Liegenschaft, also das Stadion Bazaly zu übernehmen. Der Wert des Stadiongeländes wurde per Gutachten auf umgerechnet fast 4,5 Millionen Euro fixiert – eine Summe, die für Baník überlebenswichtig ist.

Martin Pulpit (Foto: tommi86, Wikimedia Commons Free Domain)
Am Montag kam es dazu im Ostrauer Rathaus zur Abstimmung. Zunächst stimmten nur 27 der 55 Stadtvertreter für den Kauf – eine Stimme zu wenig, um die erforderliche Mehrheit zu erreichen. Baník-Trainer Martin Pulpit war geschockt:

„Es rumorte in mir. Ich bin sehr traurig über die Entscheidung. Für Ostrau ist das einer der schwärzesten Tage der Stadtgeschichte.“

Keine Viertelstunde später aber passierte das Unvorhergesehene. Oberbürgermeister Kajnar ließ die Abstimmung wiederholen. Und die fiel in der Tat ganz anders aus:

„Für den Antrag stimmten 29 Stadtvertreter“, verkündete der Oberbürgermeister, womit der Kauf des Stadions besiegelt wurde. Für Kajnar ein guter Beschluss:

Petr Kajnar (Foto: Tomáš Adamec, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
„Ich bin froh darüber, dass dem Antrag zugestimmt wurde. Mir bedeutet der Fußball zwar nicht alles wie manch anderem, aber ich verstehe es so: Er ist ein untrennbarer Bestandteil des Lebens in der Stadt.“

Die generöse Entscheidung des Stadtrats hat dem FC Baník nun etwas Luft verschafft, um seinen Verpflichtungen nachzukommen. Am Dienstag legte der Verein beim nationalen Fußballverband Berufung ein, und Vorstandschef Petr Šafarčík ist wieder optimistisch:

Stadion Bazaly (Foto: ČTK)
„Wenn die Gläubiger sehen, dass ein Vertrag zum Eigentumsverkauf auf dem Tisch liegt, dann werden sie, so denke ich, auch eine Ratenzahlung unserer Verbindlichkeiten ihnen gegenüber akzeptieren. Die Abkommen, die wir dabei treffen, sollten garantieren, dass uns der Verband die Lizenz erteilt.“

Die endgültige Entscheidung über die Lizenzvergabe an Baník Ostrava wird eine dreiköpfige Lizenzierungskommission bis Ende des Monats fällen.

Autor: Lothar Martin
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