Legendäres Ausflugsrestaurant in Prag: Barrandov-Terrassen werden bald wieder mit Leben erfüllt

Barrandov-Terrassen, Blick auf die Moldau

Zu Zeiten der Ersten Tschechoslowakischen Republik waren sie ein beliebter Treffpunkt für Künstler und Celebrities, in den letzten Jahrzehnten aber eher ein trauriges Überbleibsel alten Glanzes: Auf den Barrandov-Terrassen im Prager Süden zieht langsam wieder neues Leben ein.

Zeitgenössische Fotos zeigen vollbesetzte Tische sowie beflissene Kellner mit langer weißer Schürze und schwarzer Fliege. Nach seiner Eröffnung 1929 erfreute sich das Ausflugsrestaurant auf den Barrandov-Terrassen in Prag großer Beliebtheit. Der funktionalistische Bau von Max Urban und der abgestufte Außenbereich waren majestätisch auf dem Felsen Habrová über der Moldau platziert und gewährten einen Blick auf das darunterliegende Freibad. Zum Ende des Jahrhunderts wurde das Areal aber seinem Verfall preisgegeben.

Barrandov-Terrassen | Foto: Sabina Vosecká,  Tschechischer Rundfunk

Seit 2016 finden dort allerdings Rekonstruktionsarbeiten statt. Architekt Ondřej Kukral leitet die Sanierung des Restaurantgebäudes. In den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks schwärmte er:

„Mit Barrandov bin ich schon lange Zeit verbunden. Noch als ich auf der Hochschule war, kamen wir oft hierher. Das Gebäude war es immer wert, hier vorbeizuschauen.“

Eine Weile wird es noch dauern, bis in dem Haus wieder ein Restaurant eröffnet werden kann. Ende 2024 soll es laut Kukral soweit sein. Der Architekt erinnert sich an die 1990er Jahre zurück, als die ersten Pläne zur Wiederbelebung des Areals entstanden:

„Dadurch kam ich etwa in Kontakt mit dem damaligen Präsidenten Václav Havel. Bei den sehr herzlichen Begegnungen äußerte er von Beginn an sein Interesse, dass hier etwas passieren sollte. Er begrüßte, als ein neuer Investor hinzukam. Denn schon lange hatte die Familie Havel einen Geldgeber gesucht, was aber immer in einer Sackgasse endete.“

Barrandov-Terrassen während der Bauphase | Foto: Sabina Vosecká,  Tschechischer Rundfunk

Einst gehörte das Objekt Václav M. Havel, dem Vater des ersten demokratischen Nachwendepräsidenten. Dieser bekam es gemeinsam mit seinem Bruder Ivan durch die Restitution 1992 zurück. Und weiter Kukral:

„Noch zu Havels Amtszeit wurde das Areal geschlossen und zu einer Müllhalde. Alles war kaputt und zerbrochen. Oft haben wir Scherze gemacht, ob auf einem der vorhandenen Stühle wohl einst Adina Mandlová gesessen hatte oder Oldřich Nový.“

Die beiden Schauspielerlegenden aus der Zwischenkriegszeit waren nur zwei der regelmäßigen Gäste der Barrandov-Terrassen. Die damalige High Society traf sich etwa in der berühmten „Trilobit“-Bar, die es noch bis 1982 gab. Zu dieser Zeit war etwa das Schwimmbad schon mehr als 15 Jahre geschlossen. Zerfallen und überwachsen gibt es heute immerhin geheimnisvolle Fotomotive ab.

Barrandov-Terrassen,  Blick auf die Moldau | Foto: Sabina Vosecká,  Tschechischer Rundfunk

1988 wurden die Barrandov-Terrassen zum Kulturdenkmal ernannt. Trotzdem dauerte es noch mehr als 30 Jahre, bis sich des Areals angenommen wurde. Ondřej Kukral berichtet, wie die Arbeiten an dem Restaurantgebäude begannen:

„Es zeigte sich, dass die Statik in einem so schlechten Zustand war, dass wir die gesamte obere Hälfte der Konstruktion abnehmen und uns bis auf den Beton vorarbeiten mussten. Diesen haben wir dann saniert.“

Inzwischen ist der Urban-Bau zumindest von außen wieder hergerichtet. Weiß und schlicht ist die Fassade gestaltet, das verglaste Treppenhaus hat seine durch Stahlstreben karierte Struktur behalten. Rechts und links neben der historischen Konstruktion sind zudem zwei Neubauten entstanden. Der eine ist in Schwarz gehalten, hat die Form eines Trapezes und fällt durch einen über den Felsen ragenden langen Balkon auf. Das zweite Gebäude schlängelt sich an den ursprünglichen Terrassen entlang. In beiden wird ein Hotel mit insgesamt 61 Apartments eingerichtet. Schon im Herbst soll der Unterkunftsbetrieb starten.

15
50.0374843195
14.4023204131
default
50.0374843195
14.4023204131
Autoren: Daniela Honigmann , Sabina Vosecká
schlüsselwort:
abspielen