Leichtathletik-WM: Tschechien feiert Veselý und Platz 8 der Medaillenwertung

Vítězslav Veselý (Foto: ČTK)

Die 14. Weltmeisterschaften der Leichtathleten sind am Sonntag in Moskau zu Ende gegangen. Es war eine WM, bei der auch die tschechischen Teilnehmer einige Ausrufezeichen gesetzt haben. Sie gewannen zwei Gold- und eine Bronzemedaille, Tschechien belegte dadurch in der Medaillenwertung – gemeinsam mit der Ukraine – einen sehr guten achten Platz.

Vítězslav Veselý (Foto: ČTK)
Vítězslav Veselý, dieser Name ist eigentlich Programm und Verpflichtung zugleich. Denn im Vornamen Vítězslav steckt das tschechische Wort „vítěz“, also „Sieger“, und „veselý“ heißt übersetzt ganz einfach fröhlich. Der fröhliche Sieger also. Und Vítězslav Veselý ist kein anderer als der tschechische Speerwurf-Europameister des vorigen Jahres. Seit dem vergangenen Samstag darf sich der 30-Jährige auch mit dem Weltmeistertitel in seiner Disziplin schmücken. Für ihn ein weiterer Sprung nach oben auf der Erfolgsleiter:

„Aber nur um ein Stückchen. Die Konkurrenz in Europa ist nämlich mit der Weltspitze fast identisch, auch wenn sich gerade in den letzten Jahren außerhalb Europas einiges getan hat. Der Titelgewinn ist aber prima - besonders wenn man berücksichtigt, was ihm alles vorausgegangen ist. Ich bin froh, dass es so ausgegangen ist. Es ist unglaublich.“

Vítězslav Veselý (Foto: ČTK)
Dem goldenen Wurf zum Titel, der eine Weite von 87,17 Meter hatte, waren einige gesundheitliche Probleme bei Veselý vorausgegangen. Nach einem kräftigen Zwacken in der Leiste waren es in den letzten Tagen und Wochen vor allem die Schmerzen im linken Knie, die Veselý zu Trainingspausen oder stark dosiertem Training zwangen. Beim Wettkampf in Moskau half dem Tschechen dann auch eine stramme Kniebandage, um die Konkurrenz durchzustehen. Andererseits hat der Schützling von Dreifach-Olympiasieger Jan Železný in seiner noch relativ kurzen Karriere schon viel dazugelernt. Vor allem taktisch. In Moskau legte er seine ganze Kraft in den ersten Wurf und wurde schließlich dafür belohnt. Auch wenn Veselý am Ende noch um seinen Titel zittern musste, war er hochzufrieden, dass seine Rechnung aufging:

Jan Železný und Vítězslav Veselý (Foto: ČTK)
„Zum Ende des Wettkampfs haben meine Beine der Belastung nicht mehr so recht standgehalten, was auch zu sehen war. Ich konnte einfach nicht mehr zulegen. Ich wusste aber vorher, dass ich bei meinen ersten zwei Würfen zumindest einen sehr guten ´raushauen´ muss, und ich bin froh, dass mir das gelungen ist.“

Die andere Goldmedaille für Tschechien hatte schon am Donnerstag 400-Metetr-Hürdenläuferin Zuzana Hejnová gewonnen. Die Bronzemedaille geht auf das Konto von Hammerwerfer Lukáš Melich. Damit haben tschechische Athleten insgesamt bereits 32 Medaillen (16 x Gold, 9x Silber, 7x Bronze) bei Weltmeisterschaften erobert. Aber auch unterhalb der Podestplätze war zu sehen, dass die Tschechen weiter im Kommen sind. Dafür sprechen gleich sechs weitere Finalteilnahmen, die mit zwei fünften, zwei siebten und zwei achten Rängen abgeschlossen wurden. Von ungefähr kommen diese Leistungen und besonders die Titel von Hejnová und Veselý freilich nicht. Der frischgebackene Speerwurf-Weltmeister hat dazu diese Meinung:

„Ich denke, auch Eltern, die ihre Kinder mit viel Engagement erziehen und ihnen alles geben, was in ihren Kräften steht, tragen dazu bei, dass ihre Sprösslinge im Leben noch einiges bewegen werden. Im Rahmen des Sports läuft das jedenfalls super.“

Zuzana Hejnová (Foto: ČTK)
Und super bis nahezu unbeschreiblich ist letztlich auch das Gefühl, etwas Großes erreicht zu haben. Zuzana Hejnová kann es dabei noch kaum begreifen, von nun an zu den Großen ihres Sports zu zählen:

„Noch immer kommt mir das Ganze so unwirklich vor. Mir ist der Erfolg wohl noch gar nicht so richtig bewusst. Das Gefühl des Siegers aber ist einfach toll.“

Autor: Lothar Martin
schlüsselwort:
abspielen