Gold, Silber, zweimal Bronze: Die tschechische Bilanz der Leichtathletik-EM

Vítězslav Veselý (Foto: ČTK)

Die Leichtathletik-EM ist zu Ende. Es waren sechs Tage voller spannender Wettkämpfe im leider etwas verregneten Zürich. 1400 Sportler traten in 48 Disziplinen gegeneinander an – aus Tschechien waren 40 Athleten in die Schweiz gereist. Ihre Bilanz kann sich sehen lassen, vor allem dank der Speerwerfer.

Vítězslav Veselý (Foto: ČTK)
Vitězslav Veselý sorgte am letzten Wettkampftag für die einzige Silbermedaille der Tschechen. Die Freude beim amtierenden Weltmeister im Speerwurf war groß. Nach dem ersten Versuch war der 31-Jährige nämlich gar nicht in den Medaillenrängen, sondern lag hinter einem finnischen Führungstrio. Da kamen schlechte Erinnerungen auf, denn bei der WM 2011 und bei den Olympischen Spielen in London hatte es jeweils nur zum vierten Platz gereicht. Im Tschechischen ist es nicht das Blech, sondern die Kartoffeln, die keiner haben will, auch nicht Vitězslav Veselý:

„Nein, ich sammle keine Kartoffeln. Dann wäre zwar das Trio voll gewesen, aber das wäre doch eine eher unglückliche Sammlung.“

Es blieb nicht bei den Kartoffeln, denn im zweiten Versuch schleuderte Veselý den Speer auf gute 84,79 Meter. Der Titelverteidiger rechnete sich danach sogar eine Chance auf den ersten Platz aus:

„Ich habe natürlich auf Ruskaanen geschaut, aber dann hat er 88 Meter geworfen. Es ist nicht so, dass ich nicht mehr daran geglaubt hätte, aber ich musste wirklich auf Risiko gehen. Es hat nur leider nichts geholfen, denn sein Wurf war wirklich sehr weit. Aber ich bin froh, dass ich die Silbermedaille geholt habe.“

Jan Kudlička (Foto: ČTK)
Silber wäre auch ein Traum für den Stabhochspringer Jan Kudlička gewesen. Bei der Hallen-WM im polnischen Sopot hat er dieses Jahr schon Bronze gewonnen – und die gleiche Platzierung erreichte er auch am Samstag in Zürich. An Weltmeister Renaud Lavillenie war kein Vorbeikommen, der Franzose übersprang als einziger 5,80 Meter. Der zweitplatzierte Pole Pawel Wojciechowski und der Franzose Kevin Menaldo erreichten aber die gleiche Höhe wie Kudlička, nämlich 5,70 Meter. Dass für den Tschechen dann gemeinsam mit Menaldo wieder nur Rang drei heraussprang, war eine kleine Enttäuschung:

„Ich sehe das so: Es ist super, dass ich Bronze gewonnen haben, aber völlig zufrieden bin ich nicht. In Sopot habe ich die 5,80 Meter übersprungen und war glücklich. Jetzt habe ich wieder Bronze um den Hals, aber überglücklich bin ich dieses Mal nicht, weil ich die Chance hatte, Zweiter zu werden. Auf der anderen Seite ist Stabhochsprung eben eine technische Disziplin. Und wie viele Menschen gewinnen schon zwei Bronze-Medaillen in einem Jahr? Im Ganzen war die Saison schon sehr gut.“

Insgesamt haben die tschechischen Athleten damit einen ganzen Medaillensatz plus noch einmal Bronze mit nach Hause gebracht. Zu den Erfolgen vom Wochenende kommen eine Goldmedaille im Speerwerfen durch Barbora Špotáková sowie ein dritter Platz der Geherin Aněžka Drahotová. Im Medaillenspiegel landete Tschechien damit auf dem zehnten Rang. Auch der Cheftrainer der Leichtathleten, Tomáš Dvořák, zeigte sich am Sonntagabend zufrieden mit den Ergebnissen von Zürich:

Barbora Špotáková (Foto: ČTK)
„Ich habe insgeheim mit fünf Medaillen gerechnet, aber zwei haben wir schließlich sehr knapp verpasst. Und auch abseits der Medaillen waren wir sehr gut, die Platzierungen der tschechischen Teilnehmer in den Finals waren sehr schön für uns. Es war eine erfolgreiche EM für uns. Ich freue mich, wenn wir uns bei der Hallen-EM in Prag ähnlich gut präsentieren.“

Im März 2015 steht das Heimspiel in Prag bevor. Dvořák hofft, dass auch die momentan verletzten Topläufer Zuzana Hejnová und Pavel Maslák dann wieder mit dabei sind. Die Speerwerfer können die tschechische Bilanz nächstes Jahr jedenfalls nicht aufpolieren, denn diese Disziplin gibt es in der Halle nicht.

Autor: Annette Kraus
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