LET Kunovice vor dem Konkurs?

Der tschechische Flugzeughersteller Let Kunovice, bekannt durch die zuverlässigen Kleinflugzeuge L 410 und L 610, steckt in Schwierigkeiten. Obwohl das Unternehmen einen strategischen Partner aus den USA bekommen hat, kommt das Produktionsprojekt des Transportflugzeugs Loadmaster, das der Fabrik eigentlich einen Weg aus den Schwierigkeiten hätte bahnen sollen, nicht vom Fleck. Mehr dazu von Rudi Hermann.

Noch vor einigen Jahren gehörte das Unternehmen Let Kunovice zu den Prunkstücken der tschechischen respektive früher tschechoslowakischen Industrie und figurierte unter den weltweit bedeutenden Produzenten für kleine Verkehrsflugzeuge. Inzwischen kreisen über der Fabrik allerdings nicht neue Flugzeugtypen, sondern der Pleitegeier. Und dies, obwohl Let Kunovice mit der amerikanischen Ayres Corporation einen auf den ersten Blick soliden strategischen Partner erhalten hat, und obwohl das Unternehmen als einziges bisher erfolgreich einen gerichtlichen Vergleich zur Lösung seiner Probleme absolviert hat. Die amerikanischen Mehrheitsaktionäre hätten das Unternehmen restrukturieren und neue Absatzkanäle erschliessen sollen. Die Verbindung mit Ayres hätte ferner die tschechische Ingenieurskunst mit der Fähigkeit der Amerikaner, Geldgeber zu finden, kombinieren sollen. Diese hätten dann die dringend nötigen Finanzen gebracht, damit Let Kunovice das als zukunftsträchtig eingestufte Projekt des Transportflugzeugs Loadmaster hätte zu Ende führen können. Doch die Maschinen des Typs Loadmaster stehen nach wie vor in den Hangars, obwohl sie eigentlich schon seit einem halben Jahr am Himmel zu sehen sein sollten. Nach Angaben des Generaldirektors von Let Kunovice, Turner Bostwick, hat das Unternehmen für den Loadmaster einen Auftrag des Kurierkonzerns Federal express. Aussenstehende Beobachter zweifeln allerdings an dieser Aussage, denn wäre ein Auftrag vorhanden, würde sich wohl auch ein Geldgeber finden lassen, heisst die Argumentation. Trotzdem soll das Loadmaster-Projekt den Flugzeughersteller in Kunovice aus der Misere ziehen. Im Umfeld des Unternehmens wird nämlich davon gesprochen, dass der multinationale Konzern BAE Systems Interesse an der Produktion dieses Flugzeugs habe. BAE Systems wolle sich zwar nicht am Aktienkapital von Let Kunovice beteiligen, könne aber wichtige Erfahrungen einbringen. Im Gespräch als möglicher Interessent oder Partner ist auch die israelische Firma Israel Aircraft Industry. Der Pleitegeier ist damit allerdings noch nicht vertrieben, denn vielleicht warten potentielle Interessenten auch auf eine Konkurserklärung, um sich so billiger in dieses tschechische Unternehmen einkaufen zu können.

Autor: Rudi Hermann
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