„Licht für Fugau“: Happening zur Erinnerung an das verschwundene Dorf in Nordböhmen
Vor genau 65 Jahren verschwand das nordböhmische Dorf Fukov (Fugau) von der Landkarte. Am Samstag will eine Initiative mit einem Happening vor Ort an die Gemeinde erinnern.
Fukov lag nahe Šluknov, im Norden des Böhmischen Niederlands, nahe der Grenze zu Sachsen. 1945 gab es dort den Archivdokumenten zufolge noch über 140 Häuser, in denen rund 800 Menschen lebten. Die deutschsprachigen Bewohner wurden nach dem Kriegsende gezwungen, ihre Häuser zu verlassen. Zudem war ein Teil der Fugauer nicht aus dem Krieg zurückgekehrt. Über 100 Häuser blieben daher unbewohnt. Zu einer Neubesiedlung wie an anderen Orten Böhmens kam es in Fukov aber nicht. Ein Teil der Gebäude wurde im Laufe der Jahre abgerissen. Und 1960 wurde Fukov endgültig von der Landkarte gelöscht.
Žaneta Strohová gehört zur Initiative, die mit dem Happening „Licht für Fugau“ an die verschwundene Gemeinde erinnern will. Gegenüber Radio Prag International hob sie den speziellen Genius Loci des Ortes hervor und merkte an:
„Ich habe schon an der weiterführenden Schule in Šluknov damit begonnen, mich mit Fukov zu beschäftigen. Zu unserer Initiative gehören derzeit mehrere Bewohner der Stadt. Eine der Kolleginnen arbeitet im Denkmalschutzinstitut in Ústí nad Labem. So ist ein Team von scheinbar recht unterschiedlichen Menschen entstanden, die eines gemeinsam haben, und zwar, dass sie der Ort aus irgendeinem Grund anzieht.“
Die Initiative hat sich monatelang darum gekümmert, Zeitzeugen aus dem früheren Fukov zu finden und anzusprechen. Dies sei gelungen, sagt Žaneta Strohová.
„Wir haben ein Team zusammengestellt, das mit den Zeitzeugen in Verbindung steht und von ihnen Informationen sammelt und bearbeitet. Einige Kollegen besuchen in Deutschland lebende Zeitzeugen und zeichnen ihre Erinnerungen auf. Wir sind sehr froh, dass wir diese Möglichkeit haben.“
Wie Strohová erzählt, werden am Samstag an jenen Stellen in Fukov, an denen früher Häuser standen, Fotografien der abgerissenen Gebäude gezeigt. Die Initiative arbeitet zudem mit einer Grundschule in Šluknov zusammen. Einige Schülergruppen waren laut der Expertin auch schon vor Ort, wo einst Fukov stand. Aufgrund ihrer Eindrücke und Informationen haben die Schüler eigene Kunstwerke geschaffen, die beim Happening zu sehen sein werden. Strohová betont:
„Uns ging es darum, dass sich ein möglichst breites Spektrum von Institutionen, Vereinen und Einzelpersonen der Initiative anschließt. Wir haben auch grenzüberschreitend Menschen angesprochen. Das Kulturprogramm werden wir am Samstag in Zusammenarbeit mit den Bläsern von der Forstschule in Šluknov eröffnen. Anschließend werden wir aus den Erinnerungen einiger früherer Bewohner von Fukov lesen. Ich denke, der Tag wird viel Interessantes bieten.“
Als letztes Gebäude in Fukov sei die aus dem 18. Jahrhundert stammende Wenzelskirche gesprengt worden, sagt Žaneta Strohová.
„Und wir treffen am 65. Jahrestag der Sprengung dieser Kirche in Fukov zusammen. Die Sprengung wurde damals um 20 Uhr durchgeführt. Am Samstag um 20 Uhr werden daher die Glocken in mehreren Kirchen der Umgebung läuten, auch auf deutscher Seite. Wir haben sogar eine Audio-Aufzeichnung mit dem Klang der Glocken aus Fukov gefunden. Diese Aufnahme wird vor Ort zu hören sein.“
Das Gebiet des früheren Fukov gehört derzeit zu Šluknov. Beide Orte liegen laut Žaneta Strohová etwa fünf Kilometer voneinander entfernt. Sie empfiehlt aber auch einen kürzeren Weg, der von deutscher Seite in den Ort führt. An die verschwundene Gemeinde erinnert heute ein Kreuz. Und dort, wo sich früher der Friedhof befand, wurde vor etwa zehn Jahren ein Gedenkort geschaffen.
Das Happening „Licht für Fugau“ findet am Samstag, 27. September, statt. Das Programm vor Ort beginnt um 15 Uhr.







