Lustiger, trauriger und spontaner Präsident: Fotoausstellung über Václav Havel

Foto: ČTK

Seit dem Tod von Präsident Václav Havel ist fast ein halbes Jahr vergangen. Eine einzigartige Fotoausstellung erinnert nun an Havel als unkonventionellen Staatsmann und Menschen mit Sinn für Humor. Zu sehen sind Schnappschüsse von Fotoreportern der Nachrichtenagentur ČTK.

Petr Mlch (Foto: ČTK)
Es sind mehrere Gesichter von Václav Havel, die man in der Ausstellung erkennen kann. Da ist der ernsthafte Staatsmann bei einer offiziellen Militärparade, aber auch der sich amüsierende und etwas schüchterne Schriftsteller. Fünf Monate lang haben die Fotoreporter im Archiv nach den gelungensten Fotos gesucht. Aus insgesamt 14.000 Aufnahmen wurden schließlich 100 Bilder zusammengestellt. Der Weg dahin sei aber nicht einfach gewesen, sagt Petr Mlch, Chef der Fotobank von ČTK:

„Wir haben oft darum gekämpft und gestritten, ob ein bestimmtes Foto in die Ausstellung mit einbezogen werden soll oder nicht. Aber diese Kämpfe um die einzelnen Bilder hatten ein gutes Ende. Wir präsentieren nun eine Mischung von Fotos von Havel als Staatsmann und von Fotos, die entweder aus dem Privatbereich stammen oder den Blick hinter die Kulissen bieten. Es sind Bilder, die nicht langweilen und über die sich die Leute amüsieren werden.“

Foto: ČTK
Die Fotos stammen von 20 Fotografen. Zu ihnen gehört auch Michael Doležal:

„Havel war ein unglaublich freundlicher Mensch, mit dem man alles zum Thema Fotografieren im Voraus besprechen konnte. Aber wenn es dann zum Fotoshooting kam, hat er immer etwas geändert oder etwas verpatzt. Es war darum praktisch unmöglich, ein stilisiertes, geplantes Foto von ihm zu machen. Deswegen musste man geduldig warten und dann den Augenblick einfangen. Es war besser, wenn er nicht mitbekam, dass man ihn fotografiert. Er war nämlich als Regisseur gewöhnt, eher auf der Seite des Beobachters und nicht des Beobachteten zu stehen.“

Foto: ČTK
Dass Václav Havel schwierig zu fotografieren war, können auch Dolezals Kollegen bestätigen. Doch das wog der Ex-Präsident durch andere Vorzüge auf, wie Milan Krumphanzl meint:

„Er war nicht dazu veranlagt, einen Star zu spielen. Ich glaube, dass er das Fotografieren nicht besonders liebte. Andererseits war er ein sehr dankbares Objekt für die Fotografen. Viele Fotos sind gelungen, weil er sich nicht verstellt hat. Er war dadurch ein Mitschöpfer der Fotos und hat mit uns zusammengearbeitet.“

Auf einem von Krumphanzls Fotos tanzt Václav Havel mit einem grünen Kranz auf dem Kopf mit einer Eingeborenen auf den Osterinseln. Der Fotograf:

Foto: ČTK
„Das war eine besondere Situation damals auf den Osterinseln. Es wurde ein Programm vorbereitet, bei dem die Eingeborenen uns Tänze vorführten. Präsident Havel saß im Gras, als eine Tänzerin zu ihm kam und ihn zum Tanz aufforderte. Sie zog ihm die Schuhe aus und dabei auch eine Socke. So begannen sie zu tanzen. Das war spontan, ich glaube nicht, dass es geplant war.“

Die Ausstellung mit dem Titel „Präsident“ ist im Altstädter Rathaus in Prag bis 6. Juli zu sehen.