Materialmangel bremst tschechische Wirtschaft

Lieferschwierigkeiten aufgrund der Corona-Pandemie haben in einigen Wirtschaftszweigen zu Materialmangel geführt. In Tschechien bekommt dies zum Beispiel die Automobilbranche zu spüren.

Kolbenringe | Illustrationsfoto: Jaeyoungchoi77,  Wikimedia Commons,  CC BY-SA 3.0

Es fehlen Plastik, Metall und Computerchips. Manche Unternehmen warten hierzulande sogar mehrere Monate auf neue Lieferungen. Das stört den gesamten Produktionsprozess. So etwa bei Piston Rings Komarov, einem Produzenten von Kolbenringen im mittelböhmischen Komárov. Nachdem ein Metall-Lieferant weggebrochen war, habe man sich auf dem Markt nach Alternativen umgesehen, sagt Firmen-Generaldirektor Petr Mašek:

„Wenn man alternative Materialien verwenden will, muss man den Fertigungsprozess ändern. Das bedeutet in der Folge, erst einmal zu testen und zu validieren, was Zeit und Geld kostet. In den ersten fünf Monaten haben wir dafür einige Hunderttausend Kronen aufgewendet.“

Illustrationsfoto: axonite,  Pixabay,  CC0

Umgerechnet bedeutet das etwa zehntausend Euro und höher. Dem Auto-Zulieferer Continental wiederum fehlen Computer-Chips…

„Wir haben sowohl globale als auch lokale Krisenteams zusammengestellt. Über diese sind wir täglich im Kontakt mit unseren Zulieferern und ebenso mit unseren Kunden. Gemeinsam arbeiten wir daran, dass die negativen Folgen für unsere Produktion und unsere Lieferungen so gering wie möglich sind. Immerhin haben wir keine Lieferungen stornieren müssen“, so der Generaldirektor von Continental Czech Republic, Tomáš Vondrák, in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks.

TPCA | Foto: Pechristener,  Wikimedia Commons,  CC BY-SA 3.0

Beim Automobilhersteller TPCA, dem Gemeinschaftswerk von Toyota, Peugeot und Citroën im mittelböhmischen Kolín, musste wegen fehlender Computer-Chips im März allerdings die Produktion für zwei Wochen unterbrochen werden.

Dabei sind die letzten Zahlen der tschechischen Industrie relativ gut. So stiegen die Umsätze im März um fast 15 Prozent. Allerdings muss man relativierend sagen, dass der Vergleichsmonat des Vorjahres wegen des ersten Corona-Lockdowns ziemlich schwach war. Und so befürchtet man beim Verband der Automobilindustrie in Tschechien bereits negative Folgen wegen des Materialmangels:

Zdeněk Petzl | Foto: Tschechischer Rundfunk

„Insgesamt geht es der Wirtschaft hierzulande nicht so schlecht, wie befürchtet worden war. Aber wir werden derzeit durch Lieferschwierigkeiten gebremst. Das heißt, der Absatz könnte eigentlich noch höher liegen. In diesem Jahr dürfte uns dies einige Prozente an Umsatz kosten“, sagt Verbandschef Zdeněk Petzl.

Seinen Schätzungen nach könnten die Ausfälle zu Umsatzeinbrüchen zwischen fünf und zehn Prozent führen.

Tomáš Vondrák von der Continental AG denkt, dass sich die Lage in der Automobilindustrie erst Anfang kommenden Jahres stabilisieren könnte:

„Das wird nicht nur davon abhängen, wie sich die Nachfrage bei Pkws entwickelt, sondern auch im Bereich der Unterhaltungselektronik. Das heißt zum Beispiel bei Smartphones, Laptops oder etwa Spielkonsolen.“