MEDIENNACHRICHTEN

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Sie hören das Medienmagazin auf Radio Prag, in dieser Woche ausnahmsweise wieder mit den Mediennachrichten, den letzten vor der Sommerpause. Am Mikrophon sind Jitka Mladkova und Danilo Höpfner.

Wie abhängig ist das Tschechische Fernsehen?

Beim öffentlich-rechtlichen Fernsehsender Ceska televize (CTV) spitzt sich die Situation weiter zu. Der Fernsehrat wies zunächst alle Beschwerden über das Vorgehen von Nachrichtenchef Jiri Hodac zurück. Der wollte in den Hauptnachrichten einen langen Text einer offiziellen Erklärung des Fernsehens veröffentlichen, der sich auf einen Artikel in der Tageszeitung Mlada Fronta Dnes bezieht, in dem die politische Unabhängigkeit des Senders in Frage gestellt wurde. Chefredakteur Zdenek Samal lehnte dies allerdings ab und legte seinen Posten nieder, was zu einer Petition führte, in der sich die Nachrichtenredakteure hinter Samal stellten. Schon kurz zuvor hatte das tschechische Fernsehen einen seiner Moderatoren gehen lassen. Roman Prorok, Moderator der sonntäglichen Politdebatte "V prave poledne" musste gehen, weil seine Fragen während der Sendung bei seinen Gästen Vaclav Klaus und Milos Zeman Unstimmigkeiten hervorgerufen haben. Offizieller Entlassungsgrund lautete Unfähigkeit in der Gesprächsführung. Sowohl Zeman als auch Klaus sollen sich nach der Sendung telefonisch über den Moderator beschwert haben.

Derzeit werfen andere Medien die Frage auf, ob im Hause des öffentlich-rechtlichen Fernsehens gerade eine Säuberung unbequemer Mitarbeiter erfogt. Senator Michael Zantovsky ist davon überzeugt. Der offene Druck von Vertretern der ODS, der Demokratischen Bürgerpartei, auf die Führung des Fernsehens, die gerade laufende Säuberung unter den Nachrichtenredakteuren und die Erhebung von Parteiexponenten der ODS in Schlüsselfunktionen, stellen eine tödliche Bedrohung der Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Fernsehens und der Redefreiheit in der Tschechischen Republik dar, sagte Zantovsky.

Deutsche Medien sollen sich verständlicher ausdrücken

Besseres und verständlicheres Deutsch hat die Gesellschaft für deutsche Sprache von Medien und Behörden gefordert. Das Vordringen der spontan gesprochenen Sprache in den Medien habe eine "starke Veränderung der Sprachkultur" bewirkt, sagte der Sprachwissenschaftler Horst Dieter Schlosser in Frankfurt während einer Diskussionsrunde zur Aktion "Besseres Deutsch". Beeinflusst sei die deutsche Sprache vor allem von der zunehmenden Verwendung von englischen Wörtern. Die Vorliebe, international verständliche englische Bezeichnungen zu nutzen, sei an sich nicht verwerflich. Jedoch sollte immer geprüft werden, ob es nicht ein passendes deutsches Wort gebe, meinte Schlosser. Insbesondere offizielle Stellen sollten lieber deutsche Ausdrücke benutzen. Manchmal seien englische Wörter jedoch so weit ins Deutsche integriert, dass es unsinnig wäre, sie zurück zu übersetzen. Als Beispiel nannte der Germanistik-Professor die Begriffe "Design" und "Slogan". Für wenig verständlich und unattraktiv hält Schlosser insbesondere die Ausdrucksweisen von Juristen, Finanzbeamten und Medizinern. Gerade diese Berufszweige hätten große Probleme, sich bei Laien auf Anhieb verständlich zu machen. Eine wichtige Rolle bei der Pflege der Sprache kommt nach Meinung von Horst Dieter Schlosser auch den Schulen zu: Bei seinen Studenten stelle er immer wieder "sprachliche Defizite" fest, die darauf zurückzuführen seien, dass die Schulen die sprachliche Ausbildung und die Förderung der "sprachlichen Kreativität" der Schüler vernachlässigten.

Fremdenfeindliche Äusserungen auf TV NOVA

In der Talkshow "Kotel" (der Kessel) des privaten Fernsehsenders TV NOVA ist es im Juni zu rassistischen Entgleisungen der Fernsehmoderatorin Michaela Jilkova gekommen. Wörtlich sagte Jilkova: "Die vietnamesische Gemeinde in Zelezna Ruda/Markt Eisenstein im Böhmerwald ist entartet". Wie die Tageszeitung Lidove noviny dazu berichtet, sei es der Moderatorin nicht aufgefallen, dass sie die Vietnamesen allein deshalb verurteilt, "weil sie fremd und anders sind." Wie das Blatt weiterschreibt, sei dies ein fremdenfeindlicher Standpunkt, der für die Tschechen nicht ungewöhnlich ist. Ungewöhnlich sei aber, dass die Moderatorin dies vor Millionen von Zuschauern gesagt hat.

Vivendi, Canal+ und Seagram wollen fusionieren

Die kanadische Seagram-Gruppe fusioniert mit dem französischen Vivendi-Konzern und dessen Pay-TV-Firma Canal+ zum zweitgrößten Unterhaltungs- und Kommunikationskonzern der Welt. Die neue Einheit wird künftig unter dem Namen Vivendi Universal firmieren, kündigten alle drei Unternehmen in einer in Paris verbreiteten Erklärung an. Vivendi ist mit 49 Prozent an Canal+ beteiligt. Durch die Dreierfusion von Vivendi, Canal+ und Seagram entsteht ein Unternehmen mit 65 Milliarden Dollar Umsatz und einem Börsenwert von 100 Milliarden Dollar. Vivendi erhält durch Seagram die weltgrößte Musikfirma Universal Music Group und das Hollywoodstudio Universal Studios sowie Freizeitparks. Der französische Konzern übernimmt damit für die eigenen Unterhaltungs-, Fernseh-, und Internet-Aktivitäten ein riesiges Musik-, Film- und Fernsehprogrammangebot.

Beschwerde gegen tv3-Werbekampagne

Die Schiedskommission des tschechischen Werberates AK RPR gab im Juni einer Beschwerde gegen eine Werbekampagne des neuen privaten Fernsehsenders tv3 in Prag statt.

Eine von vier Grossleinwandanzeigen hat die Kommission als bedenklich eingestuft. Das Plakat zeigt eine Fotomontage, auf der ein Boxer schwarzer Hautfarbe auf dem Boden eine Boxringes liegt. Über ihm stehen zwei Soldaten weisser Hautfarbe mit Waffen in der Hand, die auf den Boxer herabschauen. Der Beschwerde zufolge könnte dieses Bild, auf dem tv3 mit dem Slogan "Infotainment" wirbt, den Eindruck erwecken, dass die beiden Soldaten den schwarzen Boxer soeben erschossen haben. Der Zuschauer erkenne nicht auf den ersten Blick den am Boden liegenden Boxer als Unterhaltungselement. Dies unterstütze rassistische Gewaltakte, so der Werberat. tv3 und die Werbeagentur LBA, die die Kampagne im Auftrag des Senders erstellte, wiesen die Vorwürfe zurück.

Kreml will gefügigen NTW-Direktor

Nach der Festnahme von Wladimir Gussinski, dem Leiter des größten regierungskritischen Medienkonzerns in Russland, willl der Kreml nach Medienberichten den kritischen Direktor des Fernsehsenders NTW, Jewgeni Kisseljew, durch einen gefügigeren Journalisten ersetzen. Wie der Hörfunksender Moskauer Echo berichtete, ist Moskau die Berichterstattung von Gussinkis Mediengruppe Media-Most weiterhin ein Dorn im Auge. Zur Gruppe gehören neben dem Fernsehsender NTW und der Hörfunkstation Moskauer Echo auch die Tageszeitung "Segodnija". NTW hatte Gussinskis Festnahme eine Sondersendung gewidmet und dem Kreml vorgeworfen, er wolle die russichen Medien einschüchtern. Gussinskis Stellvertreter bei Media-Most, Igor Malaschenko, traf einer Meldung der Nachrichtenagentur Interfax zufolge in der Nacht zu Mittwoch in Spanien ein. Malaschenko wollte demnach versuchen, bei einem Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin über Gussinskis Inhaftierung wegen Machtmissbrauchs und der Unterschlagung von umgerechnet mehr als 20 Millionen Mark zu sprechen. Putin hatte sich zuvor über Gussinskis Festnahme überrascht gezeigt.

Privatisierung der Nachrichtenagentur CTK in den Händen der Abgeordneten

Mitte Juni debattierten die Mitglieder des Kulturausschusses im Parlament erneut über die Privatisierung der tschechischen Nachrichtenagentur CTK. Bei der Frge der Transformation der Agentur in ein privatrechtliches Unternehmen, herrschte unter den Abgeordneten allein Einigkeit darüber, dass die Privatisierung vor allem ein politischer Akt sei, den die Parteien zu bewerten hätten, meldet die Zeitschrift markting+media aus Prag. Bei einer Übereinstimmung der Privatisierungsmodalitäten wäre eine private CTK bereits ab Mai 2003 funktionstüchtig. Die CTK hatte im letzten Jahr einen Umsatz von 12 Mio. Kronen erwirtschaftet.

30 Jahre Kurzwellenhörerclub Saar

Vom 4. Bis 6 August werden in saarländischen Merchweiler in einem Zeltlager die Möglichkeiten des weltweiten Rundfunkempfangs vorgeführt werden. Derzeit strahlen rund 50 Programme Sendungen in deutscher Sprache aus, die oftmals ohne grösseren Aufwand zu empfangen sind. Dafür stehen auf dem Campgelände einfache Radios bis zum moderneren Weltempfänger zur Verfügung. Anlass ist das 30jährige Jumbiläum des SWLCS-Kurzwellenhörerclubs Saar.

An allen drei Tagen wird auch die Sonderstation "RM0" auf Sendung sein.

SWLCS-Kurzwellenhörerclub Saar: PF 1230 D-66585 Merchweiler,

Tel.+Fax: +49-(0)6825-8380, p_hell@ur.pils.de

Soweit die Mediennachrichten. In der kommenden Sendung hören Sie ein Feature über unsere Kollegen in Bratislava, den Auslandsdienst von Radio Slowakei International.