Mehr Prestige fürs Handwerk – Tschechien führt nach Jahrzehnten wieder Meisterprüfungen ein

Handwerker werden in Tschechien künftig die Möglichkeit haben, eine Meisterprüfung abzulegen. Darüber entschied das Regierungskabinett am Montag.

In 48 Fächern können Handwerker künftig eine Bestätigung darüber bekommen, dass sie ihre Arbeit auf dem höchstmöglichen Niveau ausüben. Die Regierung von Andrej Babiš (Partei Ano) hat nämlich über die Einführung von Meisterprüfungen entschieden. Um eine derartige Prüfung ablegen zu können, müsse man eine entsprechende fachliche Bildung und eine mindestens dreijährige Arbeitspraxis vorweisen können, erklärte der Industrie- und Handelsminister Karel Havlíček (Partei Ano) in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks.

„Die Prüfung wird aus drei Teilen bestehen: aus einem praktischen Teil, einem theoretischen Teil, der sich auf das Fach bezieht, und einem theoretischen Teil im Sinne der ökonomischen Angelegenheiten.“

Die freiwilligen Meisterprüfungen sollen laut dem Kabinett zur Qualität des Handwerks beitragen. Tomáš Hamberger ist Bevollmächtigter für technische Kompetenzen und Bildung im Industrieministerium. Er ist davon überzeugt, dass die Meisterprüfung die Handwerker motivieren werde, sich auch nach der Ausbildung im Fach weiterzuentwickeln.

Tomáš Hamberger | Foto: Tschechisches Ministerium für Industrie und Handel

„Sie können sich in ihren Fertigkeiten verbessern. Zudem können sie in ihrer Zukunft mehr Prestige gewinnen. Ich sehe darin auch ein motivierendes Element, dass sie dazu bewegt, ihr Handwerk nicht aufzugeben.“

Bisher gab es für die Handwerker keine Möglichkeit, sich beglaubigen zu lassen, dass sie ihre Arbeit auf dem höchsten Niveau leisten. Der  Regierungsentwurf für die Meisterprüfungen betrifft 48 Berufsfelder. Es handelt sich beispielsweise um Tischler, Dachdecker, Maurer, aber auch um Polsterer, Schuster oder das Herstellen von Weihnachtsschmuck aus Glas. Meisterprüfungen können künftig auch Konditoren, Friseure und Metzger abschließen.

Die Meisterprüfung soll freiwillig sein und rund 30.000 Kronen (1240 Euro) kosten. Josef Jaroš ist Vorsitzender des Verbands der kleinen und mittelgroßen Unternehmen und Gewerbetreibenden. Er begrüßt die Einführung der Prüfungen.

Foto: Pexels,  Pixabay,  Pixabay License

„Es geht dabei auch um den Schutz von Verbrauchern. Denn wenn jemand sich für einen Handwerksmeister entscheidet, wird ihm eine bestimmte Garantie für die Arbeit gewährt. Außerdem wird das Prestige dieser Arbeit dadurch erhöht. Denn das Handwerk wird im Vergleich zu weiterbildenden Schulen oder Hochschulen immer noch als weniger wichtig wahrgenommen.“

Handwerksmeisterprüfungen habe es in der Tschechoslowakei zuletzt bis 1949 gegeben, berichtet Jaroš:

Josef Jaroš | Foto: AMSP ČR

„Jeder, der ein Gewerbe ausüben wollte, musste eine Meisterprüfung vor einer Kommission des zuständigen Fachs ablegen. Es geht also nicht um etwas völlig Neues, was wir künstlich schaffen würden, sondern um die Rückkehr einer bewährten Praxis.“

In der Tschechoslowakei war es während des Kommunismus verboten, privat unternehmerisch tätig zu sein oder Gewerbe zu treiben. Darum wurden auch die Meisterprüfungen abgeschafft. Nach der Samtenen Revolution wurden sie jedoch nicht wieder eingeführt.

Autoren: Martina Schneibergová , Lucie Špetová | Quelle: Český rozhlas
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