Mehrheit der Tschechen hat keinen angemessenen Lohn

Foto: Michaela Danelová (Archiv des Tschechischen Rundfunks)

Ein würdiger Mindestlohn beträgt in Tschechien derzeit 32.438 Kronen brutto (1235 Euro). Wegen höherer Lebenshaltungskosten liegt der Wert für Prag bei 37.987 Kronen (1447 Euro).

Diese Werte für 2020 hat das Expertenteam der Plattform für einen würdigen Mindestlohn errechnet. Die Summen gelten für eine Vollzeitstelle und beziehen sich auf die gemeinsamen Bedürfnisse eines Erwachsenen und eines Kindes. Einberechnet werden dabei Kosten für Lebensmittel, Wohnen, Kleidung, Verkehrsmittel, Gesundheit, Bildung, Kommunikation und kleinere Rücklagen. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Summe um 3,1 Prozent erhöht.

Nach den Angaben des Statistikamtes betrug der reale Bruttolohn im ersten Dreivierteljahr 2020 durchschnittlich 34.611 Kronen (1318 Euro). Das Medianeinkommen, bei dem die Anzahl der Personen mit mehr und mit weniger Lohn gleich groß ist, lag im dritten Quartal bei 31.183 Kronen (1188 Euro). Der offizielle Mindestlohn wird ab Januar 15.200 Kronen (579 Euro) betragen.

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„Der errechnete würdige Mindestlohn liegt höher als das Medianeinkommen. Das bedeutet, dass ihn nur eine Minderheit der tschechischen Arbeitnehmer erhält“, erläutert der Wirtschaftswissenschaftler Jan Bittner als Vertreter des Expertenteams. Der Ökonom verweist außerdem auf den Einkommensunterschied zwischen Frauen und Männern. Während die Mehrheit der männlichen Arbeitnehmer bereits einen würdigen Mindestlohn bezieht, müssen ihre Kolleginnen mit weniger auskommen.

An dem Konzept eines würdigen Mindestlohns in Tschechien arbeiten seit 2016 etwa zwei Dutzend Experten aus den Bereichen der Sozialwissenschaften, Wirtschaft, Soziologie und Politologie. Ihre alljährlichen Berechnungen stützen sich auf Daten des Statistikamtes, der Ministerien und weiterer Institutionen. Dabei werden die üblichen Lebenshaltungskosten und Ausgaben berücksichtigt. Mehrkosten aufgrund der Corona-Pandemie wurden für dieses Jahr nicht mit einbezogen, da die Fachleute diese als vorübergehend ansehen.