Minderheiten nicht nur in den Großstädten

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Rassismus ist in der tschechischen Gesellschaft, ähnlich wie in ganz Europa, eine latente Erscheinung. Obwohl es wegen der stärkeren Präsenz von Vertretern verschiedener Minderheiten eher ein Thema der Großstädte ist, wollen es auch die kleineren Städte nicht außer acht lassen. Die ostböhmische Stadt Policka, die eigentlich mit Rassismus so gut wie keine Probleme hat, veranstaltet in diesen Tagen erstmals ein multikulturelles Treffen. Warum, das verrät Ihnen jetzt Dagmar Keberlova.

Ja, warum, habe ich mir auch gedacht, als ich hörte, dass in Policka nur eine kleine Minderheit von sehr gut integrierten Roma lebt. Und allmählich beginnen dort auch Chinesen Fuß zu fassen. Die Antwort auf diese Frage weiß der Organisator dieses multiethnischen Festivals, Dusan Sviba von der Bürgerinitiative Miret:

"Der erste Grund ist sehr simpel: Jeder macht Dinge dort, wo er wohnt. Der Hauptgrund ist aber der, dass ich die Notwendigkeit spüre, etwas gegen die aktuelle Situation in Tschechien zu unternehmen. Hiermit meine ich die Frage der Minderheiten und Flüchtlinge und die damit verbundenen Stimmungen in der Gesellschaft. Rassismus ist ein latentes Problem der tschechischen Gesellschaft."

Herrn Sviba zufolge wurde hierzulande die Erziehung zu einem multikulturellen Verständnis missachtet und daher seien die Menschen nicht auf Begegnungen mit anderen Kulturen vorbereitet. In Policka und anderen Regionen sind die Ausländer weniger präsent, aber dann kämen junge Menschen von hier in die Großstädte und wüssten nicht, damit etwas anzufangen. Deshalb, so meint Dusan Sviba, mache es Sinn, überall solche Veranstaltungen zu organisieren, denn überall wurde dies vernachlässigt und die Notwendigkeit bestehe, die Menschen auf ein multiethnisches Zusammenleben vorzubereiten. Vorträge, Filmvorführungen und Konzerte haben einen gemeinsamen Nenner - die Minderheiten in Tschechien und die in Minderheiten lebenden Tschechen im Ausland. Das Programm geht noch bis Samstag. Der Erfolg war bisher eher gering, gibt Veranstalter Sviba zu:

"Obwohl wir eine sehr gute Besetzung bei den Vorträgen hatten, war das Interesse niedrig, was aber auch nichts Überraschendes bei einer solchen Art von Veranstaltung ist. Wir haben beim ersten Mal nicht viele Menschen erwartet und so war es auch."

Gleichzeitig hofft Herr Sviba aber, dass die Filme und Konzerte, die bis Samstag an die Reihe kommen, mehr Leute anziehen werden.