Moderne Sklaverei: Aktueller Bericht über Menschenhandel in Tschechien

Foto: Stuart Miles, FreeDigitalPhotos.net

La Strada ist eine Nichtregierungsorganisation, die vor allem den Menschenhandel bekämpfen will. Am Dienstag hat der tschechische Ableger dieser Bürgerrechtsorganisation seinen Jahresbericht vorgestellt. Demnach werden in Tschechien viele Menschen nicht mehr mit Gewalt zur Arbeit unter unwürdigen Bedingungen gezwungen, sondern durch die herrschende Wirtschaftslage.

Foto: Stuart Miles, FreeDigitalPhotos.net
In den 1990ern entstand La Strada aus einer niederländischen, einer polnischen und einer tschechischen Initiative heraus. Die Organisation bietet Menschen Hilfe an, die ausgebeutet oder zu menschenunwürdigen Bedingungen zur Arbeit gezwungen werden. Daneben beobachtet sie aber auch allgemein die Situation auf dem illegalen Arbeitsmarkt. Die tschechische Direktorin Irena Ferčíková-Konečná erläutert die Beobachtungen aus dem aktuellen Bericht:

„Gegenüber den vergangenen Jahren, zum Beispiel den 1990ern, als die Betroffenen mit körperlicher Gewalt oder durch die Beschränkung ihrer persönlichen Freiheit zur Arbeit gezwungen wurden, nutzen die Täter nun ausgefeilte Methoden. Es wird sehr gezielt versucht, die Sprachbarriere auszunutzen, es werden Papiere einbehalten und Gehälter nicht ausgezahlt, um die Menschen in Abhängigkeit zu bringen.“

Foto: YouTube
Vor allem Bulgaren und Rumänen wurde Arbeit in der tschechischen Landwirtschaft versprochen, bei guter Bezahlung sowie Kost und Logis. Vor Ort hat man ihnen dann die Papiere abgenommen und nur einen Vorschuss bezahlt, mit dem Hinweis, der Rest komme bald. Dadurch geraten die Menschen in eine Spirale der Abhängigkeit. Sie verschulden sich, in Hoffnung auf die ausstehenden Gehälter, können wegen mangelnder finanzieller Mittel aber das Land nicht verlassen und sind gezwungen, weiterhin zu schlechten Bedingungen zu arbeiten.



Irena Konečná (Foto: Archiv des Innenministeriums)
„Die Täter haben besonders in den vergangenen zwei Jahren begonnen, sich auf Bürger der Europäischen Union zu konzentrieren. Bei La Strada stoßen wir seit zwei bis drei Jahren vermehrt auf Personen aus Rumänien und Bulgarien. Aber mit der zunehmenden Wirkung der Wirtschaftskrise auf die Arbeitslosigkeit beobachten wir, dass die Täter auch Menschen in Tschechien ins Visier nehmen. Das sind Menschen aus Ghettos, Obdachlose oder Personen mit hohen Schulden.“

Die Tschechische Republik sei in diesem internationalen Netzwerk des modernen Sklavenhandels ein so genanntes „Drei-in-einem-Land“. Von hier werden Personen verschleppt, und es ist sowohl ein Transit- als auch ein Zielland der Menschenhändler:



„Die Täter sind sehr erfinderisch. Sie wissen genau, wo sie hingehen und wen sie ansprechen müssen – und sie kennen häufig sehr genau die Situation ihrer potentiellen Opfer.“

Und der Druck durch die wirtschaftliche Situation wachse. Den Menschenhändlern würden auch vermehrt Menschen mit guter Ausbildung ins Netz gehen, die sich einfach in Situationen befänden, aus denen sie keinen Ausweg mehr sehen, so die Direktorin.