Mutenice: Mit Rad im Weinberg, zu Fuß in "Budy"

Die ´Budy´ in Mutenice (Foto: Autorin)

Im südöstlichen Teil des Weinbauuntergebiets Slovacko / Mährische Slowakei befindet sich Mutenice, das durch einen einzigartigen Komplex von Weinkellern bekannt geworden ist. Fünf Weinrieden gibt es auf dem Gebiet der Gemeinde, eine davon ist Vysicko.

"Wenn Sie von hier aus auf Mutenice schauen, dann sehen Sie, wie die Landschaft vor uns Wellen bildet. Der Herbst verleiht den Weinbergen auch eine andere Farbe. Hier an diesem Ort möchten wir einen Aussichtsturm errichten, um den Besuchern von Mutenice diesen schönsten Blick auf die Stadt und die Weinberge zu vermitteln."

Rathaus in Mutenice  (Foto: Autorin)
Der Bürgermeister von Mutenice, Dusan Horak, wollte auch mir zuerst diesen beim sonnigen Wetter besonders reizenden Blick auf seine Gemeinde zeigen. Wir standen inmitten der Weinberge hoch über Mutenice und in allen Richtungen erstreckten sich die mit Weinreben bepflanzten Hänge. Von der Gemeinde dort unten war gut die Kirche zu sehen, etwas versteckter waren bei diesem Anblick aber die unzähligen kleinen Häuschen, die dicht nebeneinander den Hügel säumen - "Budy" wie der Bürgermeister sie nennt. Wir unwissende Prager würden sie einfach "sklipky" - also "Weinkeller" nennen. Deren Zahl ist im Vergleich mit der Einwohnerzahl recht beachtenswert.

"Mutenice hat 3700 Einwohner. Es ist eine typische Winzergemeinde - eine der größten Winzergemeinden in Südmähren überhaupt. In Mutenice sind mehr als 1000 Winzer registriert. Wir haben da ein Gelände, das wir ´Budy´ nennen, wo es mehr als 500 Weinkeller gibt. Wenn Sie jeden Tag einen Weinkeller besuchen, kommen Sie nach anderthalb Jahren nach Hause zurück. Außerdem gehört noch Dubnanska hora zu unserer Gemeinde, wo es etwa 300 Weinkeller gibt. Die Weinberge von Mutenice erstrecken sich auf einer Fläche von 250 Hektar. Wenn hier die Weinpräsentation ´Kost vina´ stattfindet, werden dabei etwa 1000 Weine vorgestellt."

Weinberge von Mutenice  (Foto: Autorin)
Mit Bürgermeister Horak habe ich eine kleine Rundfahrt durch die Weinberge unternommen. In der Region von Mutenice werden beispielsweise Weißer Burgunder, Chardonnay, Rheinischer Riesling und Traminer gezüchtet, auf kleineren Flächen werden auch einige Rotweinsorten angebaut.

"Diese Weinberge gibt es hier seit eh und je. Es wird sogar erzählt, dass junge Weinreben von hier nach Frankreich gebracht wurde, als einst die Weinreben in Burgund von einer Krankheit befallen wurden. In Frankreich oder auch in anderen Ländern heißt dieser Wein Burgunder, bei uns wird er als ´Rulandske´ bezeichnet. Wenn Besucher aus Frankreich zu uns kommen, sind sie durch die Qualität der hiesigen Weine überrascht."

Bürgermeister Dusan Horak  (Foto: Autorin)
Die Weinberge von Mutenice sind auch mit einem kleineren Verkehrsmittel gut zu erreichen. Schmale Straßen führen bis auf die Hügel hinauf und schlängeln sich zwischen den einzelnen Weinbergen.

"Die Feldwege, auf denen wir jetzt fahren, wurden nicht nur für die Winzer errichtet, sondern auch beispielsweise für Radfahrer. Auch jetzt im Herbst, wenn die Weinblätter ihre Farbe ändern, ist eine Fahrt durch diese Landschaft schön."

Beim Blick in die Landschaft der Weinberge glaubt man sofort, dass hier der Wein schon vor Jahrhunderten angebaut wurde. Die erste historische Erwähnung über Mutenice stammt aus dem Jahr 1353. Die Gemeinde gehörte in der Vergangenheit dem Johanniterorden. Unweit von Mutenice liegt übrigens die bekannte Tempelherrenfestung Cejkovice, in der es auch berühmte Weinkeller gibt, die nach Tempelherren benannt wurden.

Ähnlich wie in anderen Weinregionen Südmährens gibt es auch in Mutenice und Umgebung einen Radweg, der zu den Mährischen Weinstraßen gehört. Der ganze Radweg misst 65 Kilometer. Bürgermeister Horak empfiehlt diesen Radweg:

Die ´Budy´ in Mutenice  (Foto: Autorin)
"Dieser Radweg führt auch durch weitere Weinbaugemeinden. Die Umgebung von Mutenice kann man mit dem Rad binnen eines halben Tags erkunden. In unmittelbarer Nähe von Mutenice gibt es an die zwanzig Teiche. Ich muss sagen, dass ich sehr froh bin, dass jemand auf den Gedanken kam, die Radwege in den Weinregionen zu errichten. Als 1998 die Kampagne zum Bau der Radwege in Südmähren gestartet wurde, gab es in Mutenice noch keine einzige Pension. Innerhalb von neun Jahren sind hier vier Familienpensionen sowie weitere Unterkünfte entstanden. Viele Winzer bieten außerdem Unterkunft bei ihrem Weinkeller an. Das Anwachsen der Unterkunftskapazitäten sowie der Besucherzahlen ist enorm hoch."

Dusan Horak zufolge kommen auch viele ausländische Besucher nach Mutenice. Unter den Besuchern der Weinkeller von Mutenice sind Weinliebhaber aus Übersee, aber auch viele Chinesen, erzählt der Bürgermeister. In den malerischen Weinkellern, den "Budy", treffen oft auch Teilnehmer der Brünner Messen zu ihren Handelsgesprächen zusammen. Denn die Messestadt Brünn liegt nicht weit entfernt.

Die ´Budy´ in Mutenice  (Foto: Autorin)
Die Führung durch die Region von Mutenice und vor allem durch das dortige Wein- und Branntweinmuseum werden wir in der nächsten Ausgabe des Reiselands fortsetzen.

Mutenice ist ähnlich wie die Stadt Hustopece, die wir Ihnen in unserer Weinserie bereits vorgestellt haben, mit dem ersten tschechoslowakischen Staatspräsident Tomas G. Masaryk verbunden. Masaryk hatte in seiner Jugend in Mutenice gelebt und als er zum Staatsoberhaupt wurde, ließ er angeblich Wein aus Mutenice auf die Prager Burg liefern.

Kirche in Mutenice  (Foto: palickap,  CC BY 3.0 Unported)
Vor kurzem wurde in Tschechien Masaryks Todestags gedacht, falls Sie wissen, wann Masaryk gestorben ist, können Sie es uns schreiben. Ihre Zuschriften richten Sie bitte an Radio Prag, Vinohradska 12, 120 99 Prag 2, Tschechien.

Vor vier Wochen haben wir Ihnen die Stadt mit dem Weinhefemonument - Hustopece - vorgestellt und nach dessen deutschem Namen gefragt. Hustopece heißt auf Deutsch Auspitz. Eine CD mit mährischen Liedern geht diesmal an Veit Pelinski aus Erkrath.