Nach einem Jahr wieder ohne Fans: Biathlon-Weltcup in Nové Město

Foto: Pavel Hrdlička, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Nové Město na Moravě / Neustadt in Mähren mit seiner Vysočina Arena gilt als das tschechische Biathlon-Mekka. Nach einem Jahr werden dort ab diesem Donnerstag wieder die weltbesten Biathletinnen und Biathleten beim Weltcup zusammentreffen. Voriges Jahr fanden in Nové Město na Moravě die ersten Weltcup-Wettkämpfe ohne Zuschauer statt.

Foto: Patrik Salát,  Archiv des Tschechischen Rundfunks

Diesmal wurden einige der Zuschauertribünen im Stadion gar nicht erst aufgebaut. Denn es war schon im Voraus klar, dass die Fans wegen der Corona-Pandemie zu Hause bleiben müssen. Die tolle Stimmung mit singenden Fans aus vielen Ländern werden die Athleten vermissen. Traurig sind auch die Hotel- und Pensionsbesitzer sowie die Händler. Petr Dostál etwa durfte seinen Fanshop nicht aufmachen. Der Geschäftseigner erinnert sich daher mit Wehmut an die Zeiten, als die Biathlonfans aus der ganzen Welt in der Stadt zusammentrafen:

„Die Fans aus Russland haben immer nach dem kleinen Maulwurf mit Ski und ähnlichen Souvenirs gefragt. Aber am meisten haben wir uns immer auf die Fans aus Norwegen gefreut. Sie haben immer die Wikingerhelme auf und waren so laut, dass man kaum sein eigenes Wort mehr versteht.“

Foto: Pavel Hrdlička,  Wikimedia Commons,  CC BY-SA 3.0

Genauso wie letztes Jahr spielt sich auch der diesjährige Weltcup jedoch ohne Zuschauer ab.

„Wir haben zuvor gehofft, dass Zuschauer kommen dürfen. Wir haben die beliebten Souvenirs vorbereitet. Aber es wird wieder nichts daraus.“

Die Straßen der Stadt sowie der Marktplatz sind menschenleer. Im Infozentrum war es sonst zu dieser Zeit sehr hektisch. Meist gab es kaum noch Möglichkeiten, vor Ort ein Zimmer zu finden. Matěj Petr ist Mitarbeiter des Infozentrums:

„Die ausländischen Touristen, mit denen wir unsere Englischkenntnisse üben konnten, fehlen uns. Nové Město und Umgebung war in der Regel schon Monate im Voraus ausgebucht. Wer dann kurz vor den Beginn des Weltcups eine Unterkunft wollte, musste nach Brünn oder nach Jihlava fahren.“

Michal Šmarda  (Foto: Archiv des Tschechischen Rundfunks)

Laut dem Bürgermeister der Stadt, Michal Šmarda (Sozialdemokraten), ist es für die Menschen vor Ort nicht einfach zu akzeptieren, dass auch der diesjährige Weltcup ohne Zuschauer stattfindet. Nach einem Jahr Corona-Pandemie verstünden sie jedoch die Gründe für die Restriktionen, sagt er.

„Es ist fast symbolisch, dass beim Weltcup vor einem Jahr gerade mit den Corona-Maßnahmen angefangen wurde. Dies hat damals starke Emotionen geweckt. Die Menschen fanden es damals ungerecht, dass ausgerechnet hier keine Zuschauer dabei sein durften. Diesmal ist das anders. Mittlerweile haben wir gesehen, dass der Weltcup 2020 nur eine der vielen Veranstaltungen war, für die bestimmte Beschränkungen galten. Restriktionen begegnet man auf Schritt und Tritt. Das bedeutet aber nicht, dass es für die Menschen leichter wäre.“

Der Weltcup in Nové Město darf nur dank einer Ausnahmeerlaubnis von den tschechischen Behörden ausgetragen werden.

Am Mittwoch herrschten in Nové Město frühlingshafte Temperaturen, das Thermometer kletterte auf über zehn Grad Celsius. Der weiche, tiefe Schnee machte den Biathletinnen Sorge. So auch der Tschechin Lucie Charvátová:

Lucie Charvátová  (Foto: Steffen Prößdorf,  Wikimedia Commons,  CC BY-SA 4.0)

„Es ist doch Anfang März, und es besteht kein Grund dafür, hier im Badeanzug zu laufen. Die Temperaturen sind allerdings nicht normal für den Wintersport. Der Schnee ist matschig, in meinen Schuhen hatte ich fast Pfützen.“

Die Organisatoren bemühen sich darum, die Loipen möglichst gut zu präparieren. Martin Holec ist dafür verantwortlich:

„Mit der Pistenraupe wird die Loipe am Abend drei bis vier Stunden lang gepflegt. Ab den Morgenstunden wird dann wieder praktisch den ganzen Tag daran gearbeitet. Wir kümmern uns darum, dass die Qualität der Loipen möglichst gut ist.“

Der Biathlon-Weltcup wird am Donnerstagnachmittag mit der Damen-Staffel eröffnet.

Autoren: Martina Schneibergová , Patrik Salát , Jan Suchan
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