Nach fragwürdiger Ku-Klux-Klan-Verkleidung an Halloween: Polizei ermittelt gegen zwei 17-Jährige

Diplom für den ersten Platz beim Wettbewerb um die beste Halloween-Maske an der GASOŠ Rokycany 2025

Zwei Schüler eines tschechischen Gymnasiums sind vergangenes Jahr bei einer Halloween-Party in Ku-Klux-Klan-Verkleidung erschienen. Nun hat der Direktor der Schule Anzeige erstattet – und die Polizei hat die Ermittlungen eingeleitet.

Die Aktion war wohl als Scherz gedacht, doch nun könnte sie ernste Konsequenzen haben.

„Obwohl es sich nur um eine Halloween-Veranstaltung gehandelt hat, kam es meiner Ansicht nach zur Propagierung des Ku-Klux-Klans – und das obwohl die Schüler komplett im Bilde waren. Denn drei Monate zuvor war diese Gruppierung Thema im Unterricht“,

sagt Pavel Vlach, der Direktor des Gymnasiums in Rokycany bei Plzeň / Pilsen, an dem es im November vergangenen Jahres zu dem Vorfall kam, der derzeit in den Medien in Tschechien für Aufsehen sorgt.

Was war passiert? Bei der Halloweenparty in der Turnhalle des Gymnasiums erschienen zwei 17-jährige Schüler als Mitglieder des Ku-Klux-Klans verkleidet. Schulleiter Vlach hat deshalb nun Strafanzeige eingereicht. Diese richtet sich aber nicht nur gegen die beiden Jungen, sondern auch gegen ihn selbst sowie gegen Unbekannt. Denn Vlach und weitere Lehrer waren ebenfalls bei der Feier anwesend.

„Die Veranstaltung dauerte hinreichend lange, dass es zu einem Eingriff des Lehrpersonals hätte kommen müssen. Aber das ist nicht geschehen. Die Anzeige betrifft deshalb neben den Schülern auch mich als rechtlichen Vertreter der Schule. Unsere Einrichtung hat die Tätigkeit von jemandem ermöglicht, der sich zum gegeben Zeitpunkt mit einer Bewegung identifiziert hat, die Minderheitenrechte unterdrücken will.“

Besonders skurril ist der Fall, da die Verkleidung der beiden Schüler bei einer Abstimmung in geheimer Wahl zum besten Outfit der Feier gewählt wurde. Vlach zufolge hätten sich allerdings bereits einige Eltern gemeldet, deren Kinder niedrigere Jahrgänge besuchten und nicht gewusst haben wollen, dass es sich bei den Kostümen um die Symbole einer rassistischen Gruppierung aus den USA handele.

Die tschechische Polizei hat nun ein gerichtliches Gutachten eines Extremismusexperten angefordert und die Ermittlungen in dem Fall übernommen. Sprecherin Eva Červenková sagte in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:

„Die Kriminalpolizei in Rokycany hat die Ermittlungen eingeleitet. Der Verdacht bezieht sich auf den Straftatbestand des Sympathisierens mit Bewegungen, die auf die Einschränkung von Rechten und Freiheiten von Menschen abzielen.“

Die tschechische Schulinspektion wurde von dem Gymnasium nicht gesondert über den Fall informiert. Sprecherin Anna Brzybohatá betont, dass Situationen wie die in Rokycany zunächst an den Bildungseinrichtungen selbst geklärt werden sollten:

„Man muss mit den Schülern arbeiten, ihnen die historischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge erklären. Es können auch Beratungsstellen eingeschaltet werden oder Präventionsmitarbeiter an den Schulen. Eine Strafanzeige ist natürlich auch ein möglicher Weg, allerdings wird er in der Regel erst gewählt, wenn tatsächlich der Verdacht einer Straftat vorliegt.“

Laut den Lehrern der betroffenen Schule sollen die beiden Jungen bisher keine extremistischen Ansichten geäußert haben. Für ihre fragwürdige Verkleidung erhielten sie im Dezember vergangenen Jahres bereits einen Tadel. Darüber hinaus droht ihn nun aber eben auch, strafrechtlich zur Verantwortung gezogen zu werden. Im Falle einer Verurteilung müssten die beiden Jugendlichen laut der Polizei für drei bis 18 Monate ins Gefängnis. Schulleiter Pavel Vlach äußerte gegenüber dem Tschechischen Rundfunk jedoch, er halte es für unwahrscheinlich, dass Anklage erhoben werde.

Autoren: Ferdinand Hauser , Ľubomír Smatana | Quelle: Český rozhlas
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