Nach Untersuchungen: Gebeine der Olmützer Přemysliden-Fürsten kehren an letzte Ruhestätte zurück

Zinnkiste mit den sterblichen Überresten der ältesten Olmützer Fürsten in der Stephanskirche

Eine geheimnisvolle Truhe, menschliche Knochen und Legenden um mögliche Premysliden-Gräber: Wissenschaftler des Archäologischen Instituts in Prag haben nach langjährigen Analysen nun die eintausend Jahre alten Gebeine von Mitgliedern des Fürstengeschlechts nach Olomouc / Olmütz zurückgebracht.

Gleich zu Beginn der Totenmesse erklang der Name der Přemysliden. Sie wurde am 15. Mai vom Olmützer Erzbischof Josef Nuzík persönlich im dortigen Kloster Hradisko gehalten. Anlass war die Rückkehr der sterblichen Überreste gleich mehrerer Mitglieder des Fürstengeschlechts, das im 11. und 12. Jahrhundert über die mährische Stadt regierte. Über die Bedeutung der Přemysliden in der Region sagte Nuzík gegenüber den Reportern des Tschechischen Rundfunks:

„Ich bin zwar kein Historiker. Aber ich weiß etwa, dass Otto der Schöne bedeutenden Einfluss hatte auf die gesamte Entwicklung von Olmütz als Sitz des mährischen Familienzweigs.“

Die Messe wurde vom Erzbischof von Olmütz Josef Nuzík zelebriert. | Foto: Blanka Mazalová,  Tschechischer Rundfunk

Dieser Fürst mit dem Beinamen der Schöne war Otto I., der von 1045 bis 1087 lebte und im deutschen Sprachraum auch als Otto von Olmütz bekannt ist. Er gilt als Gründer des Klosters Hradisko. Seine sterblichen Überreste sowie weitere Gebeine, die einst in der Sakristei der dortigen Stephanskirche gefunden worden waren, wurden gerade sieben Jahre lang in Prag aufbewahrt. Jan Frolík vom Archäologischen Institut der Akademie der Wissenschaften hat die Knochen eingehend untersucht und analysiert:

„Ich würde dies als eine Geschichte mit einem guten Ausgang bezeichnen. Am Anfang hatten wir eine Menge Knochen, von denen man annahm, dass sie von den Olmützer Přemysliden stammen. Am Ende konnten wir fünf der sieben Personen mit größter Wahrscheinlichkeit bestimmen. Wir wissen nun, dass es tatsächlich Familienmitglieder sind. Also gibt es den feierlichen Abschluss mit der Rückführung in die Stephanskirche. Ich kann noch ergänzen, dass dies die einzigen Přemysliden sind, deren Überreste wir zur Verfügung haben.“

Diese sind wertvoll, weil es gerade dieses Adelsgeschlecht war, das die erste Fürsten- und später auch Königdynastie in Böhmen gründete. Darum hätten die Ergebnisse der jahrelangen Forschung am Olmützer Zweig der Přemysliden nun auch eine hohe Bedeutung, lobt die Kuratorin des Erzdiözesanmuseums der Stadt, Simona Jemelková:

„Es ist toll, dass nach all den Jahrhunderten nicht nur die Prämonstratenser in Mähren, sondern auch die Menschen in Olmütz die Bedeutung dieser Fürsten für den tschechischen Staat erkennen. Dadurch wurden die Gebeine gerettet und sind bis heute erhalten geblieben. Das Wichtigste und Interessanteste daran ist für mich, dass diese Entdeckungen in der heutigen schwierigen Zeit gemacht werden, in der wir uns alle unserer Wurzeln und Geschichte bewusst werden sollten.“

Die sterblichen Überreste der Olmützer Přemysliden lagen Jahrhunderte lang in einer Truhe, die zunächst in der Kirchensakristei eingemauert war. Geschützt durch den Sarg aus Zinn hätten die Gebeine auch sehr unruhige Zeiten überstanden, berichtet Jemelková:

„Zu Zeiten der Hussitenkriege wurden sie in die Olmützer Kathedrale gebracht, wo sie fast 200 Jahre lang blieben. Danach kam die Truhe zurück ins Kloster. Wie die Quellen berichten, wurde dieses Mausoleum aber schon nach kurzer Zeit, nämlich während der schwedischen Besetzung, geplündert und zerstört. Die Knochen wurden auf den Klosterhof geworfen. Der hiesige Abt sammelte sie nach dem Abzug der Schweden dann wieder ein und legte ein neues Mausoleum an.“

Diese Ereignisse, die schon fast 400 Jahre zurückliegen, erschwerten den Prager Wissenschaftlern heute die Arbeit. Denn es sei nicht klar gewesen, ob es tatsächlich die Knochen der Přemysliden waren, die der Abt erneut zur Ruhe bettete, so Jemelková. Genauso gut hätte es sich der Kuratorin zufolge etwa um die sterblichen Überreste von Soldaten handeln können, die bei den Kämpfen des Dreißigjährigen Krieges vor Ort gefallen sind. Das habe sich aber zum Glück nicht bestätigt, ist Jemelková zufrieden.

Die Zinntruhe mit den Gebeinen der Přemysliden-Fürsten können die Besucher der Stephanskirche im Olmützer Hradisko-Kloster nun immer am Ende eines Gottesdienstes besichtigen.

Autoren: Daniela Honigmann , Blanka Mazalová | Quelle: Český rozhlas
schlüsselwort:
abspielen

Verbunden