Nachrichten Samstag, 01. August, 1998

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Umweltminister in Hochwassergebieten

Der tschechische Umweltminister Milos Kuzvart hat am Samstag die vom diesjährigen Hochwasser betroffenen Regionen in Ostböhmen besucht. Begleitet wurde Kuzwart von dem stellvertretenden Parlamentsvorsitzenden Stanislav Gross sowie von den Bürgermeistern und Gemeindevorstehern in den betreffenden Gebieten. Zweck des Besuches war es, sich einen Überblick über das Ausmass der Hochwasserschäden zu verschaffen. Für Montag rief der Umweltminister eine Sitzung des Hochwasser- Kommittees zusammen, auf der man u.a. über die Verteilung finanzieller Mittel sowie über das weitere Vorgehen bei der Schadensbeseitigung beraten will. Nach vorläufigen Berechnungen belaufen sich die Gesamtschäden des diesjährigen Hochwassers auf knapp eineinhalb Milliarden Kronen - umgerechnet rund 85 Mio. D-Mark. Am Freitag wurden die Bürgermeister der ostböhmischen Katastrophengebiete von der Polizei davon in Kenntnis gesetzt, dass landesweit polizeilich gesuchte Personen und andere kriminelle Elemente sich in diesen Tagen häufig als freiwillige Helfer bei Räumarbeiten melden. Statt mit Hand anzulegen seien diese Personen jedoch - wie es heisst - lediglich auf Raub und Diebstahl aus.

Slowenischer Premier in Prag

Der slowenische Premierminister Janez Drnovsek weilt an diesem Wochenende anlässlich einer Veranstaltung der internationalen Studentenbewegung in Prag. Vor Journalisten bezeichnete Drnovsek die Eingliederung seines Landes in die euroatlantischen Strukturen als voranggiges Ziel der slowenischen Aussenpolitik. Nachdem Slowenien die Nato- Mitglieschaft in der ersten Welle verpasst habe, hoffe man nun auf eine Nominierung in der zweiten Stufe, sagte Drnovsek. Eines der Themen seines Vortrags am Samstagnachmittag im Prager Carolinum bildeten auch die tschechisch-slowenischen Beziehungen. Ein Treffen Drnovseks mit tschechischen Politikern ist nicht geplant.

Spidla erwartet heuer defizitären Staatshaushalt

Der tschechische Arbeitsminister Vladimir Spidla erwartet für den diesjährigen Staatshaushalt ein Defizit von 35 Mrd. Kronen, was ein doppelt so hohes Defizit im Vergleich zum Vorjahr darstellen würde. Dennoch ist der Arbeitsminister zuversichtlich, alle seine Vorhaben im soziaden Bereich realisieren zu können. Als strategische Ziele bezeichnete Spidla gegenüber dem Radiosender Frequence 1 die Anhebung der Reallöhne und Renten sowie die Wiedereinführung des generellen Anrechts auf Kindergeld. Bezahlt werden soll dies u.a. durch eine Erhöhung der Sozialversicherung um zwei Prozent.

Havel - Gesundheitszustand

Bei der postoperativen Behandlung des tschechischen Präsidenten Vaclav Havel haben sich erneut Komplikationen eingestellt. Beim Versuch, die künstliche Beatmung allmählich abzustellen, kam es am Freitag zu einer sogenanten Atelektase im rechten Lungenflügel. Das Ärztekonzilium erwägt nun die Durchführung einer Tracheostomie, einer Öffnung der Luftröhre. Die Heilung der eigentlichen Operationswunden verläuft ohne Komplikationen. Vaclav Havel hatte sich am vergangenen Sonntag einem chirurgischen Eingriff am Dickdarm unterziehen müssen.

UNO - CR -

Nach einem Untersuchungsbericht des UNO-Ausschusses für die Beseitigung von Frauendiskriminierung hat die tschechische Regierung die strukturellen und kulturellen Ursachen der fehlenden Gleichberechtigung der Frauen nicht in aureichendem Masse begriffen. Wie es in dem UNO-Bericht heisst, betone die Tschechische Republik heute nach Beseitigung der Restriktionen durch das totalitäre Regime allzu sehr die mütterliche und familiäre Rolle der Frau, es fehlten jedoch Massnahmen zur Aufwertung der Frauen. U.a. kritisert der UNO-Bericht die sehr unzureichende und zunehmend selten werdende Vertretung von Frauen in leitenden Funktionen der politischen und wirtschaftlichen Sphäre sowie in regierungsunabhängigen Organisationen. Des weiteren wird darauf hingewiesen, dass Frauen meist schlecht bezahlte oder unqualifizierte Arbeitsplätze angeboten werden.

Soweit die Nachrichten von Radio Prag.