Neue Prager Dauerausstellung: antike und orientalische Kunst
Im Prager Palais Kinski ist seit dem Wochenende eine Dauerausstellung zu sehen, die alte Kunst fast aus der ganzen Welt zeigt. Insgesamt 7000 Jahre in der Entwicklung der Kunst werden dort anhand von mehr als 1000 Exponaten dargestellt. Die Ausstellung zeigt Kunst des alten Ägypten, des antiken Griechenland und Rom, des alten China und Japan sowie islamische Kunst.
Besonders bedeutend ist eine Sammlung chinesischer Grabkunst und Tierplastiken. Vom Anfang des 8. Jahrhundert stammen beispielsweise zwei außerordentlich gut erhaltene und große chinesische Pferdeplastiken. Zu den interessantesten Exponaten gehören buddhistische Artefakte, erzählt Helena Honcoopová:
„Im Palais Kinski stehen fünf Säle vollständig im Zeichen des Buddhismus, denn in unseren Sammlungen gibt es sehr viele buddhistische Kunstgegenstände. Wir dokumentieren hier alle drei Strömungen der Entwicklung der buddhistischen Kunst, eine davon ist die tibetische Kunst, die wir im Hauptsaal vorstellen. Manchmal wird der tibetische Buddhismus als Himalaya-Buddhismus bezeichnet, um die chinesischen Behörden nicht zu provozieren. Diese haben übrigens auch schon reagiert. Ein richtiges Juwel unter den buddhistischen Exponaten, das ich unsere ´Mona Lisa´ nenne, ist eine Plastik aus dem 3. bis 4. Jahrhundert, die aus Kandahar stammt. Es ist ein Buddha-Kopf, der aussieht wie ein apollonischer Jüngling in der antiken griechischen Bildhauerei.“ Auch die antike griechische Kunst ist im Palais Kinski vertreten. Die klassische Kunst des europäischen Mittelmeerraums wird in vier Sälen gezeigt. Die insgesamt 500 Exponate, unter denen Funde aus dem alten Zypern, hellenistische Kunst sowie Kunstgegenstände der Etrusker und Römer sind, stammen aus den Sammlungen des Prager Nationalmuseums. Museumsmitarbeiterin Marie Dufková:„Es herrscht immer noch die Meinung vor, dass sich in den Sammlungen in den böhmischen Ländern keine Plastiken aus antiker Zeit befinden. Wir haben uns darum bemüht, dies zu widerlegen. Hier stellen wir Beispiele hervorragender künstlerischer Arbeiten aus, die jedoch Jahre lang im Magazin eingeschlossen waren.“
Sowohl die antike, als auch die orientalische Kunst stellen eine wichtige Inspirationsquelle für europäische Künstler seit der Renaissance bis in die Gegenwart dar. Während die Antike vor allem die Renaissance beeinflusst hat, hat sich der Orient erst seit dem 16. Jahrhundert auf die europäische Kunstentwicklung in stärkerem Maße ausgewirkt. Zu der Zeit ermöglichten die zahlreichen Entdeckungsreisen einen steigenden Import orientalischer Luxuswaren nach Europa. So wurden beispielsweise chinesisches und japanisches Porzellan, indisches Holz, persische Teppiche oder türkische Keramik massenweise in europäische Adeligenresidenzen geschafft. Die Kunstgegenstände aus dem Orient sind seit dem manieristischen Stil zu wichtigen Vorbildern für europäische Künstler geworden. Das Thema der neuen Dauerausstellung könnte darum den Experten zufolge lauten: Die Antike und der Orient - zwei Inspirationsquellen der europäischen Kunst. Eine solche Ausstellung habe in Prag bislang gefehlt, meint Helena Honcoopová.„In vielen europäischen Metropolen entstanden ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts große Museen der Antike und des Orients. Lange haben wir hier in Prag auf eine Dauerausstellung asiatischer Kunst gewartet. Diese wurde 1998 eröffnet. Und noch länger hat das Nationalmuseum auf eine Möglichkeit gewartet, seine antike Kunst zu präsentieren. Das alte Museumsgebäude wird wegen der bevorstehenden gründlichen Instandsetzung bald geschlossen, und die Mehrheit der antiken Kunstwerke wäre dann nicht mehr zugänglich. Darum haben wir zwei staatlichen Institutionen uns auf den Aufbau einer gemeinsamen Ausstellung geeinigt, die die alten Kulturen der Menschheit zeigt.“Die Ausstellung mit dem Titel „Kunst der alten Welt“ ist im Palais Kinski auf dem Altstädter Ring in Prag täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr geöffnet.







