Neue Regeln für E-Roller: Im Prager Zentrum werden offizielle Parkplätze eingeführt

Für die einen sind sie ein praktisches Verkehrsmittel, um schnell kurze Strecken zurückzulegen, für die anderen hingegen ein echter Aufreger: E-Roller haben in den vergangenen Jahre auch die Städte Tschechiens erobert. Oftmals blockieren die achtlos abgestellten Leihfahrzeuge aber die Gehwege. Darum gibt es im Prager Zentrum ab September strengere Parkregeln.

E-Roller und Leihfahrräder gehören in Prag mittlerweile zum gewohnten Stadtbild. Vor allem im Zentrum werden sie von jungen Touristen, aber auch von Einheimischen genutzt. Ist das Zeitlimit abgelaufen oder der Zielort erreicht, lassen die Nutzer sie allerdings häufig achtlos an Ort und Stelle stehen. Dieses Problem beschäftigt Vojtěch Ryvola (Partei Ano), der im ersten Prager Stadtbezirk für Verkehr zuständig ist. Er blickt auf einen der größten Abstellplätze für E-Roller im historischen Zentrum:

Foto: Michaela Danelová,  iROZHLAS.cz

„Es stört genau das, was wir hier sehen: dass die E-Roller den Gehweg blockieren. Ein Rollstuhlfahrer oder eine Mutter mit Kinderwagen kommt hier nicht mehr durch.“

Nur einen Block von der Karlsbrücke entfernt stehen an einer Kreuzung etwa 30 grüne Elektroroller. Ab September dürfen es nur noch maximal zehn sein. Die politische Führung von Prag 1 hat sich nämlich mit den Leihfirmen auf strengere Parkregeln verständigt. Diese sehen nur noch bestimmte Orte zum Abstellen einer bestimmten Zahl der Roller und Fahrräder vor. 140 solcher offiziellen Parkplätze sind vorgesehen – auf den 5,5 Quadratkilometern des Stadtbezirks eine recht dichtes Netz. Ryvola erläutert:

Parkplatz für E-Roller | Illustrationsfoto: Honza Ptáček,  Tschechischer Rundfunk

„Dies sind zum einen Parkplätze, die mit senkrechten und waagerechten Schildern gekennzeichnet sind. Davon gibt es bisher 40, an weiteren wird gearbeitet. Zudem wird es nicht gekennzeichnete Parkplätze geben, über die wir uns mit den Leihfirmen verständigen.“

Diese virtuellen Abstellorte können auf einer Online-Karte in den Nutzer-Apps der Betreiber eingesehen werden. Sie werden etwa die Hälfte aller Roller-Parkplätze in Prag 1 ausmachen.

Sollte eines der Gefährte ab September doch noch an einer anderen Stelle stehengelassen werden, wird dem Nutzer mehr Geld von der Karte abgezogen, als die Fahrt an sich gekostet hat. Dieses System findet bereits im zweiten und dritten Stadtbezirk Anwendung. Die Strafgebühr bei Nichteinhaltung beträgt dort 500 Kronen (knapp 21 Euro). Ondřej Rut, Verkehrsstadtrat in Prag 3, berichtet von den bisherigen Erfahrungen:

Ondřej Rut | Foto: Zelení

„Es kommt immer noch zu Exzessen, und die Leute lassen den Roller ohne Rücksicht mitten auf dem Gehweg stehen. Darum gibt es Telefonhotlines zu den einzelnen Betreiberfirmen. Über diese kann man falsch geparkte E-Roller oder Fahrräder melden.“

Solche Telefonnummern bestehen auch schon in Pardubice / Pardubitz. In der ostböhmischen Kreisstadt wurde Ende Juli eine ähnliche Übereinkunft mit den Leihfirmen getroffen. Diese hatten ihren Nutzern schon länger virtuelle Parkplätze angeboten, die aber oft nicht mit der Verkehrsverwaltung abgesprochen und damit nicht legal waren. Inzwischen kennzeichnet die Stadt offizielle Abstellplätze mit einem Piktogramm auf den Boden.

Ein weiteres Problem sei aber die Geschwindigkeit, mit der die elektrischen Zweiräder fahren, sagt der Verkehrsstadtrat von Pardubice, Jan Hrabal (Partei Ano):

Foto: Zuzana Jarolímková,  iROZHLAS.cz

„Die E-Roller fahren mit 25, manchmal auch 30 Stundenkilometern. Mit den Betreibern haben wir nun verabredet, dass sie die Höchstgeschwindigkeit auf 20 Kilometer in der Stunde senken. Zudem gibt es im Zentrum Zonen mit einer Geschwindigkeitsbeschränkung. An diesen Orten, an denen sich nämlich mehr Fußgänger bewegen, beträgt das Maximum 15 Stundenkilometer.“

Um ein harmonischeres Miteinander auch im Zentrum von Prag zu erreichen, hat sich das Rathaus des ersten Bezirks mit den Leihfirmen außerdem auf eine Reduzierung der E-Roller geeinigt. Laut Vojtěch Ryvola stehen dort aktuell etwa 2500 Fahrzeuge zur Verfügung. In Zukunft sollen es nur noch etwa 1500 sein.

Autoren: Daniela Honigmann , Tereza Cedidlová , Drahomíra Bačkorová | Quelle: Český rozhlas
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