Neuer Zuschauerraum auf Schloss Litomyšl trotzt Dauerregen bei Eröffnungskonzert

Das Musikfestival „Smetanova Litomyšl“ (Smetanas Litomyšl) wird am 14. Juni eröffnet. Schon am vergangenen Samstag fand auf dem Unesco-Schloss in der Geburtsstadt von Bedřich Smetana aber ein Konzert unter dem Titel „Große Probe“ statt. Dabei wurde der einzigartige mobile Konzert- und Opernsaal erstmals getestet, der vor Kurzem in den Schlosshof eingebaut wurde. Mehr darüber erfahren Sie im folgenden Gespräch mit dem Festivaldirektor Michal Medek.

Herr Medek, wie zufrieden sind Sie mit der Großen Probe im sogenannten „SmetaNový sál“?

„Wir sind alle nicht nur zufrieden, sondern sogar begeistert. Denn das Festival ist nun zurück auf dem Schloss, und der neue Saal ist in einer sehr kurzen Zeit entstanden. Das freut uns sehr, und die Lösung von Architekt Josef Pleskot finde ich hervorragend. Dem Festival hilft sie sehr viel.“

Michal Medek | Foto: Ivan Krejza,  Smetanova Litomyšl

Ich habe nach dem Konzert mit mehreren Zuschauern gesprochen. Alle waren erstaunt darüber, dass das Projekt so schnell umgesetzt wurde. Wie sind Sie und Ihr Team auf die Idee dieses Saals mit der Überdachung gekommen?

„Eigentlich waren wir sogar gezwungen, eine Lösung zu finden, denn das alte Dach, das dem Festival lange Jahre gedient hat, war aus Sicherheitsgründen nicht mehr passend. Zudem war es nicht gerade sensibel und rücksichtsvoll im Hinblick auf die Schlossarchitektur. Darum mussten wir nach einer anderen Lösung suchen. Es gab eine Studie von Architekt Josef Pleskot aus dem Jahr 2008 – aus der Zeit, als er das Schlossgelände in Litomyšl revitalisierte. Schon damals hatte er ein Konzept vorgeschlagen, und es war von daher klar, dass wir nun auch mit Architekt Josef Pleskot arbeiten wollen.“

Josef Pleskot | Foto: Ivan Krejza,  Smetanova Litomyšl

Wie war die Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutzinstitut? Denn das Schloss steht schließlich auf der Liste des Unesco-Kulturerbes…

„Die Zusammenarbeit ist gut. Selbstverständlich haben Leute, die für den Denkmalschutz verantwortlich sind, andere Interessen als wir. Wir mussten uns also einigen und einen Konsensus finden. Die Kollegen waren sich jedoch des Rufs des Festivals bewusst und haben uns wirklich geholfen.“

Foto: Ivan Krejza,  Smetanova Litomyšl

Wie hat sich überhaupt der Raum im Vergleich mit früheren Jahren verändert, was die Bühne sowie den Zuschauerraum anbelangt? Wegen der Instandsetzung des Schlosses konnte dort das Festival zwei Jahre lang nicht veranstaltet werden…

„Die Bühne hat sich deutlich verändert, denn es gibt nun zwei Ebenen. Das Orchester kann während einer Opernaufführung unten spielen. Dies hilft dem Gesang sehr viel, weil die Sänger nun nicht mehr in einer starken akustischen Konkurrenz mit dem Orchester sind. Dies ist also ein großer Unterschied. Und das Dach ist deutlich höher als vorher, es hat nun eine Höhe von 20 Metern. Das macht sich wirklich bemerkbar, wenn man in den Saal kommt. Man bekommt den Eindruck, dass man in einer Kathedrale ist. Und der Zuschauerraum ist nun zugänglicher, vielleicht auch freundlicher.“

Es war eine ganz harte „Große Probe“, denn gerade am Samstagabend hat es stark geregnet... Wie fanden Sie diesen Test der Überdachung?

„Ja, es regnete in Strömen. Das haben wir jedoch begrüßt, da wir wirklich einen Test des Saals brauchten.“

Jana Šrejma-Kačírková | Foto: Ivan Krejza,  Smetanova Litomyšl

Wie hat den Solisten der neu gestaltete Raum gefallen?

„Für die Sopranistin Jana Šrejma-Kačírková war das, wie sie sagte, ein hervorragendes Erlebnis, gerade dadurch, dass das Orchester eine Ebene niedriger spielte und sie auf der Bühne auch Pianos singen konnte und nicht mit  dem Klang des Orchesters kämpfen musste. Der Geiger Jan Mráček musste schon ein bisschen mit dem Orchester kämpfen. Da gibt es noch Potenzial, sich Gedanken über Verbesserungen im Bereich der Akustik zu machen.“

Wird die Überdachung eventuell auch nach dem Ende des Festivals auf dem Schloss bleiben?

„Das ist eine Frage der Zukunft. Wir würden mindestens die Alternative begrüßen, dass das Dach im Sommer über dem Schlosshof bleibt, damit dort auch weitere Kulturveranstaltungen stattfinden könnten.“

Foto: František Renza,  Smetanova Litomyšl

Das Projekt des mobilen Festivalsaals wurde größtenteils aus Privatspenden finanziert…

„Ja, genau. Wir sprechen von einer Summe von fast 100 Millionen Kronen (4 Millionen Euro, Anm. d. Red.), die wir in den Neubau des Festivalsaals investieren mussten. 30 Millionen Kronen stammen aus öffentlichen Finanzierungsquellen: von der Stadt Litomyšl, vom Kreis Pardubice sowie vom Kulturministerium der Tschechischen Republik. Und der Rest, also fast 70 Millionen Kronen, kommen von Firmen und Privatspendern.“

Die Zuschauer konnten auch einen Platz im Zuschauerraum adoptieren. Wie hoch war das Interesse für diese Adoptionen?

„Sehr hoch. Eigentlich haben alle Plätze, die wir angeboten haben, ihre ,Adoptiveltern‘ gefunden. Die Spende bewegte sich zwischen 5000 und 50.000 Kronen für einen Platz.“

Foto: František Renza,  Smetanova Litomyšl

Kommen wir jetzt noch auf das Festivalprogramm zurück. Der Großteil der Veranstaltungen ist bereits ausverkauft, aber es gibt noch ein paar Karten für die Auftritte renommierter Künstler. Können Sie einige Beispiele nennen?

„Ja, Restkarten gibt es zum Beispiel für das Konzert der Philharmonie Brno. Bisher ist der erste Festivalsonntag nicht ausverkauft. Da wird das Oratorium ,König David‘ von Arthur Honegger aufgeführt. Die Oper ,Šárka‘, die vom Prager Nationaltheater gespielt wird, ist bisher auch nicht ausverkauft.“

Was zieht die Künstler an, in Litomyšl aufzutreten?

„Das Festival ist zumindest hierzulande sehr bekannt und beliebt. Die Künstler kommen sehr gerne aus Prestigegründen, aber auch, weil Litomyšl so schön ist. Man fühlt sich hier wirklich wohl. Das kann ich auch persönlich bestätigen. Alle, die einmal kommen, wollen wiederkommen.“

Das komplette Interview hören Sie in der Audioversion des Beitrags.

Das Festival findet vom 14. Juni bis 6. Juli statt. Mehr über das Programm erfahren Sie unter https://smetanovalitomysl.cz/en