Neues Buch von Dan Brown: Prager Fans stehen Schlange für allererste Exemplare

Am Dienstag ist das neue Buch von Dan Brown erschienen. Es heißt „Zwischen Leben und Tod – Das letzte Geheimnis der Menschheit“ und spielt in Prag. Deswegen gab es einen besonderen Verkaufsstart auf dem Altstädter Ring.

Anti-Atom-Abdeckung Folimanka | Foto: Michaela Danelová,  iROZHLAS.cz

Nusle. Der Stadtteil, den die Prager in früheren Jahren verächtlich „Hnusle“ nannten – abgeleitet von „hnus“ (Ekel) –, wird demnächst in aller Welt bekannt sein. Denn im dortigen Park Folimanka befindet sich in einem Bunker das geheime Labor der Neurologin Brigitte Gessner. Sie ist der Bösewicht in Dan Browns neuem Roman „Zwischen Leben und Tod – Das letzte Geheimnis der Menschheit“.

Foto: Daniela Honigmann,  Radio Prague International

Das Buch wurde am Dienstag weltweit veröffentlicht – in den USA um Mitternacht, in Europa zeitgleich am frühen Morgen. Um sieben Uhr, als in Prag mit einer Sonderveranstaltung im Altstädter Rathaus der offizielle Verkauf begann, hatte sich schon eine lange Menschenschlange rund um das historische Gebäude gebildet. Sie und ihr Freund würden seit 4:20 Uhr anstehen, lacht die 29-jährige Natália, denn sie seien eben Fans von Dan Brown. Und was erwartet sie von dem neuen Buch?

„Ich freue mich vor allem darauf, wie Dan Brown Prag sieht. Und dann auf all die Orte und die Geschichte, wie er sie wahrnimmt.“

Diese Vorfreude auf den neuen Roman, an dem Brown sechs Jahre lang geschrieben hat, schürten auch die anwesenden Vertreter des Verlags Argo. Die Fans wurden mit einem frischen „Guten Morgen“ empfangen sowie der frohen Botschaft, dass das Warten nun ein Ende habe.

Der Verkauf begann mit einer limitierten Auflage von 100 Büchern,  die vom Autor selbst signiert wurden | Foto: Ondřej Deml,  ČTK

Nachdem das Band zum extra eingerichteten Verkaufsstand feierlich durchgeschnitten wurde, sollte es zwei Stunden dauern, bis alle Wartenden ihr Exemplar entgegengenommen hatten.Die ersten 100 Kunden bekamen sogar eine Ausgabe, die die Unterschrift des Autors enthielt. Geduldig ließen sie sich vor einem Banner mit der Buchgrafik fotografieren, und dazu spielten einige Musiker des Prager Sinfonieorchesters FOK dramatisch auf.

Foto: Ondřej Deml,  ČTK

Stolz ist man also in Prag, dass Symbolfoscher Robert Langdon für seinen neuen Fall durch die Stadt an der Moldau jagt. Erst am Dienstagmorgen wurde aber verraten, an welchen Orten genau sich die wichtigsten Szenen abspielen. Auf den Folimanka-Park in Nusle hätten dabei wohl die Wenigsten getippt. Kaum überraschend sind dagegen der Verweis auf die Golem-Legende und Beschreibungen des jüdischen Viertels mit seinem alten Friedhof. Zudem joggt Langdon allmorgendlich über die Karlsbrücke, muss den Aussichtsturm auf dem Petřín hochhetzen, und auch ein unfreiwilliger Sprung in die Moldau wird ihm nicht erspart.

Michala Marková | Foto: Tomáš Vodňanský,  Tschechischer Rundfunk

All das ist bis zum Veröffentlichungsdatum aber streng geheim gehalten worden. Übersetzerin Michala Marková berichtete im Interview für Radio Prag International, sie habe noch nie so strenge Auflagen erlebt. Zwei Monate lang hätten sie und ihr Co-Übersetzer David Petrů nicht einmal ihren Familien verraten dürfen, wo genau sie an der tschechischen Version des Romans arbeiten:

Foto: Daniela Honigmann,  Radio Prague International

„Jeden Tag haben wir morgens den Text, den wir nur auf Papier ausgedruckt hatten, aus dem Tresor genommen. Gearbeitet haben wir an Computern, die keine Internetverbindung hatten. Wir durften zwar auch googeln, aber nur in sehr eingeschränktem Maße. Abends haben wir die Texte dann wieder in den Tresor eingeschlossen. Telefone durften wir auch nicht dabei haben. Es war also so etwas wie ein Entzug vom Digitalen.“

Marková kennt sich bestens mit Dan Brown aus und hat schon vier seiner vorhergehenden Bücher ins Tschechische übersetzt. Er sei in seiner Sprache sehr konsistent, sagt Marková. Diese sei zwar actionreich, aber gut zu übersetzen. Es gebe jedoch auch eine Menge schwieriger fachlicher Begriffe:

Dan Brown | Foto: Verlag Argo

„Sobald man auf knifflige Wörter trifft, ist eine Menge Recherchearbeit nötig. Denn Brown nimmt es technisch sehr genau und macht viele Anspielungen auf unterschiedliche Bücher. Er beschreibt in dem Roman häufig Technologien. In dieser Hinsicht war unsere Arbeit also ziemlich anspruchsvoll.“

Wie man hört, spielen in dem neuen Brown-Buch wissenschaftliche Konzepte wie ein außerkörperliches Bewusstsein oder die Wahrnehmungen von sterbenden Menschen eine Rolle. Die Fans vertrauen aber wohl darauf, dass Robert Langdon ihnen auch „Das letzte Geheimnis der Menschheit“ unterhaltsam erklärt.

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