Dank abgeschaffter Mehrwertsteuer auf Bücher: Tschechischer Literaturmarkt verzeichnet Wachstum

Buchhandlung auf dem Pernštýnské náměstí in Pardubice

Für die Literaturwelt hierzulande ist 2026 ein besonderes Jahr. Denn bei der Frankfurter Buchmesse ist Tschechien im Herbst offizielles Gastland. Aber wie ist es derzeit um den tschechischen Buchmarkt bestellt? Wie wirkt sich die 2024 abgeschaffte Mehrwertsteuer auf gedruckte Bücher aus? Und wieviel kommt am Ende bei den Autoren und Übersetzern an?

Die neuen Romane von Miroslav Hlaučo und Alena Mornštajnová sowie die tschechische Übersetzung des Thrillers „The Secret of Secrets“ von Dan Brown, der in Prag spielt – das waren die Bücher, die vergangenes Jahr am häufigsten in Tschechien über die Ladentheke gingen. Über die Entwicklung auf dem hiesigen Literaturmarkt informierte im Dezember auch der Verband der tschechischen Buchhändler und Verleger (SČKN). In seiner Studie blickt er vor allem auf die Lage im Jahr 2024. Seit Anfang jenes Jahres gibt es in Tschechien nämlich keine Mehrwertsteuer mehr auf gedruckte Bücher. Und gerade dieser Entwicklung sei es zu verdanken, dass der Buchmarkt 2024 um sechs Prozent im Vorjahresvergleich wachsen konnte, meint der Verband.

„Wäre die Mehrwertsteuer nicht gesenkt worden, wäre die Marktentwicklung rückläufig gewesen. Diese Entscheidung war also wirklich wichtig für die Branche“, sagt Martin Vopěnka, der Vorsitzende des Verbandes. Für das Marktwachstum macht er vor allem die steigenden Absatzzahlen bei den elektronischen Titeln und den Hörbüchern verantwortlich:

Martin Vopěnka | Foto: Anna Duchková,  Tschechischer Rundfunk

„E-Books haben ihre Stellung auf dem Markt gefunden und machen heute rund fünf bis sechs Prozent des Gesamtumsatzes der Branche aus. Bei den Hörbüchern ist seit Langem ein Aufwärtstrend festzustellen. Die Menschen wollen heutzutage mehrere Dinge auf einmal machen. Im Hintergrund ein Audiobuch zu hören, gehört zum aktuellen Lebensstil einfach dazu.“

Sorge bereite dem Buchhändlerverband hingegen der steigende Absatz von gebrauchten Titeln, sagte Vopěnka in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:

Illustrationsfoto: Eva Turečková,  Radio Prague International

„Auf der einen Seite sehen wir das Ganze ökologisch und freuen uns natürlich, wenn ein Buch zweimal verwendet wird. Wenn ein Titel aber zwei Monate nach dem Erscheinungstermin gleich nach dem Durchlesen weitergegeben wird, kann das die Herausgabe neuer Bücher in Gefahr bringen. Denn die Auflagen sinken, und dadurch müssen die Buchpreise steigen.“

Durch die Senkung der Mehrwertsteuer auf gedruckte Bücher, die zuvor bei zehn Prozent gelegen hatte, hätten zahlreiche Verlage die Honorare für die Urheber erhöhen können, sagt Vopěnka, der selbst Gründer und Inhaber des Verlages Práh ist:

„Bei uns haben wir die Honorare der Übersetzer um rund zehn Prozent angehoben. Es profitieren auch Autoren, die einen bestimmten Prozentsatz von den Einnahmen bekommen. Nun wird ihr Anteil anhand des vollen Buchpreises berechnet, und es wird nicht mehr die Mehrwertsteuer abgezogen. Auch die Schriftsteller erhalten also zehn Prozent mehr.“

Anna Štičková sieht das anders. Sie ist selbst Schriftstellerin und zudem Mitglied des Verbandes kleiner Verlage und Buchhändler (Amanak).

Anna Štičková | Foto: Jan Jaskmanický,  Tschechischer Rundfunk

„Leider kann man nicht sagen, dass durch die Steuersenkung die Bedingungen für professionelle Literaturschaffende grundlegend verbessert wurden. Das lässt sich etwa an den Daten der Übersetzerverbände zeigen. Die Honorare steigen zwar. Sie können aber nicht mit der Inflation mithalten und gehen deshalb unterm Strich eher zurück. Und die Autorinnen und Autoren erhalten von den Verlagen Verträge, in denen die Honorare genauso hoch sind wie noch vor mehreren Jahren.“

Die zehn Prozent, die bei der Mehrwertsteuer eingespart würden, gingen vielmehr in den Vertrieb und würden von den Buchhandlungen eingestrichen, sagt Štičková. Und zudem würden die Preise der Bücher gesenkt. Auch deshalb bekommen die Autoren im Land laut der Schriftstellerin also nur wenig von der positiven Marktentwicklung mit.

Insgesamt wurden 2024 gemäß den Daten des Verbandes der tschechischen Buchhändler und Verleger 12.100 Buchtitel heimischer und ausländischer Autoren in Tschechien publiziert. Damit setzt sich der Negativtrend der letzten Jahre fort, in denen hierzulande immer weniger neue Titel auf den Markt kamen.

Autoren: Ferdinand Hauser , Martin Hrnčíř | Quelle: Český rozhlas
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