Neues Denkmal nennt Namen und Geburtsdaten der Opfer des Amoklaufs an der Prager Karlsuniversität

Der Amoklauf an der Philosophischen Fakultät der Prager Karlsuniversität jährt sich im Dezember dieses Jahres zum zweiten Mal. Nun wurde ein neues Denkmal vor dem Fakultätsgebäude eingeweiht. Auf dem Stein sind die Namen und die Geburtsdaten der 14 Opfer aufgeführt.

Das neue Denkmal für die Opfer des Amoklaufs an der Karlsuniversität wurde am Sonntag eingeweiht. Vor Ort hielt unter anderem Lukáš Křístek eine Rede. Er ist der Vater eines der 14 Opfer, zudem ist er der Vorsitzende des Opfervereins Spojeni nadějí (Verbunden durch Hoffnung):

„Uns Hinterbliebene hat der Mord und der Tod am meisten getroffen. Wir sind erkrankt, aber wir wollen wieder gesund werden. Pessimismus hat noch nie jemanden geheilt. Deshalb haben wir uns zusammengetan, damit wir genesen.“

Adéla Linhartová ist ebenfalls Mitglied in dem Verein. Sie hob im Interview mit den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks die Bedeutung des Erfahrungsaustausches hervor:

„Menschen zu treffen, die etwas Ähnliches durchgemacht haben, was sonst niemand ganz verstehen kann, ist sehr heilend. Das Gleiche gilt für die Begegnungen mit Menschen, die gewillt sind, uns zuzuhören und zu helfen.“

Foto: Michaela Říhová,  ČTK

Von den Hinterbliebenen kam laut dem Sprecher der Karlsuniversität, Jan Bumba, auch die Idee für das neue Denkmal. Es steht neben einem massiven Sandsteinblock, der bereits seit Juni vergangenen Jahres auf dem Jan-Palach-Platz an den Amoklauf erinnert.

„Bereits damals wurde darüber diskutiert, die Namen der Opfer auf dem Denkmal zu ergänzen. Der Impuls kam von den Familien. Die Karlsuniversität hatte deshalb die Gründung einer Arbeitsgruppe initiiert, die sich mit der Gestaltung des Denkmals befasst hat.“

Anders als bisher sind auf dem neuen Stein nun die Namen und die Geburtsdaten der Opfer aufgeführt, die Höhe des Denkmals ist mit rund drei Metern aber nahezu identisch. Die gewaltigen Ausmaße hätten durchaus Komplikationen mit sich gebracht, sagt der Bildhauer Vojtěch Adamec:

„Die Platte wiegt anderthalb Tonnen. Sie hat eine kleine Grundfläche, ist sehr hoch, und dann sind da noch die Sicherheitsvorschriften und der Untergrund. Das alles musste abgewogen werden. Aber am Ende hat es geklappt, worüber ich sehr froh bin. Denn meine Frau unterrichtet hier, unsere ganze Familie war also betroffen. All das konnte ich nun gewissermaßen kompensieren.“

Foto: Michaela Říhová,  ČTK

Das neue Denkmal stellt aber ebenso wie der Sandsteinblock nur eine Zwischenlösung dar. Pläne für eine dauerhafte Gedenkstätte gibt es zwar bereits, dafür soll jedoch erst der Jan-Palach-Platz komplett umgestaltet werden. Und wann das passieren könnte, ist derzeit noch unklar.

Der Amoklauf im Hauptgebäude der Philosophischen Fakultät ereignete sich am 21. Dezember 2023. Ein Student tötete damals 14 Menschen und sich selbst. Zuvor erschoss er seinen Vater. Laut Polizeiangaben soll er auch für den Tod eines zwei Monate alten Kindes und dessen Vater verantwortlich gewesen sein.

Autoren: Ferdinand Hauser , Kateřina Svobodová | Quelle: Český rozhlas
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