Nicholas Winton: Retter jüdischer Kinder wird 105 – und erhält tschechischen Orden

Nicholas Winton (Foto: ČTK)

Ohne Übertreibung kann man sagen, dass er ein Held ist: Sir Nicholas Winton rettete kurz vor dem Zweiten Weltkrieg knapp 700 jüdische Kinder aus der Tschechoslowakei vor dem drohenden Tod. Am Montag ist Winton 105 Jahre alt geworden – und auch in Tschechien wird an ihn gedacht.

Nicholas Winton (Foto: ČTK)
Die Rettungsaktion begann eigentlich bereits im Herbst 1938. Deutschland hatte sich die Sudetengebiete einverleibt, und auch die restliche Tschechoslowakei war in ihrer Existenz bedroht. Viele Menschen flüchteten, Hilfsorganisationen versuchten sich um sie zu kümmern. Nach der sogenannten Reichskristallnacht konzentrierte das britische Komitee für Flüchtlinge aus der Tschechoslowakei seine Tätigkeit auf jüdische Familien. Nicholas Winton wurde von einem Freund, der beim Komitee beschäftigt war, um Mithilfe gebeten. Gegenüber dem Tschechischen Fernsehen sagt der heute 105-Jährige auf seine bescheidene Art:

Ausstellung über Nicholas Winton (Foto: ČTK)
„Sie wollten helfen, wussten aber nicht wie. Was man machen musste, war eigentlich ziemlich einfach. Man musste nur fragen – aber die richtigen Leute auf die entsprechende Art.“

Der damalige Börsenmakler nutzte ein britisches Gesetz zum Schutz von Kindern unter 17 Jahren. Winton organisierte Adoptiveltern und Visa sowie die Finanzierung von Kautionen und Reisekosten. Ab März 1939 wurden insgesamt 669 meist jüdische Kinder mit Sonderzügen aus dem Protektorat nach London gebracht. Der letzte Zug verließ Prag kurz nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, am 2. September.

Der Regisseur und Fotograf Jaroslav Brabec hat eine Ausstellung über Nicholas Winton zusammengestellt, diese wurde schon in London gezeigt und ist derzeit auf der Prager Kampa zu sehen. Über Winton sagt er:

Nicholas Winton (Foto: ČT24)
„Er war Ende 1938 eigentlich in den Alpen und wollte Ski laufen, stattdessen fuhr er in die Tschechoslowakei und beobachtete die Lage. Innerhalb von neun Monaten gründete Winton zusammen mit ein paar Freunden sowie seiner Mutter eine eigene Hilfsorganisation, die alles arrangierte: von Adoptiveltern, über Plätze in Schulen, bis hin zu Arbeitsstellen.“

Anders als ihre eigentlichen Eltern überlebten die Kinder den Krieg. Viele von ihnen glaubten aber über Jahrzehnte, sie seien unter Mithilfe des Roten Kreuzes nach Großbritannien gekommen. 1988 sendete die BBC eine Dokumentation über Winton, und danach begegneten die Kinder erstmals ihrem wahren Retter. Nicholas Winton hat dies als den intensivsten Moment in seinem Leben beschrieben. Selbst hat er jedoch nie großes Aufheben um seine Tat gemacht.

Orden des Weißen Löwen (Foto: Free Domain)
In den vergangenen 25 Jahren ist Nicholas Winton aber doch noch angemessen geehrt geworden. Die Queen adelte ihn, und 1998 erhielt er vom damaligen tschechischen Präsidenten Václav Havel den Masaryk-Orden. Anlässlich seines 105. Geburtstags war Winton am Montag zu einem Empfang in die tschechische Botschaft in London geladen. Dort traf er erneut mit „seinen Kindern“ zusammen. Zudem will Staatspräsident Miloš Zeman den Jubilar zum tschechischen Staatsgründungstag im Oktober mit dem höchsten Orden des Landes auszeichnen, dem Weißen Löwen. Dazu Präsidentensprecher Jiří Ovčáček:

Nicholas Winton mit den geretteten Juden (Foto: ČTK)
„Präsident Zeman hält die Tat von Sir Nicholas Winton aus mehreren Gründen für außergewöhnlich: Sie ist ein Beispiel für Menschlichkeit, Uneigennützigkeit, persönlichen Mut und Bescheidenheit.“

Nicholas Winton hat sogar einige der Kinder überlebt, die er einst gerettet hat.