Nikolaus, Engel und Teufel: zu Hause, auf dem Flughafen, in der Straßenbahn

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Der Nikolaus-Tag am 6. Dezember hat in Tschechien wie in Deutschland große Tradition. Hierzulande besuchen am Vorabend der Nikolaus, ein Engel und ein Teufel die Kinder zu Hause, um sie zu bescheren und zu bestrafen.

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Am Mittwochabend bereits wurde an vielen mehr oder weniger traditionellen Orten der Nikolaus gefeiert. So gab es am Prager Flughafen eine Nikolaus-Besichtigung, Nikolaus-Straßenbahnen fuhren durch Litvínov und Brünn, andere Städte öffneten ihre Keller und unterirdischen Räume für die Figur des Teufels. Die Tradition der Nikolaus-Bescherung ist bis heute sehr lebendig in Tschechien. Etwa jede fünfte Familie lädt hierzulande eine Nikolaus-Gruppe aus Nikolaus, Engel und Teufel zu sich nach Hause ein. Meistens sind es ältere Schüler oder Studenten, die sich verkleiden und dann die Kinder besuchen. Die Kostüm-Verleihe nehmen immer schon ab September Bestellungen an, bestätigt der Besitzer eines Verleihs in Prag:

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„Das Interesse an Nikolaus-Kostümen ist generell ziemlich groß. Und einige Tage vor Nikolaus wird es dann enorm.“

Für einen Besuch erhält die Nikolaus-Gruppe in Prag rund 400 Kronen (16 Euro), in kleineren Städten etwas weniger. Kurz vor Nikolaus kleben an schwarzen Brettern, Straßenlaternen oder anderswo im öffentlichen Raum jede Menge Annoncen, die einen Nikolaus-Besuch anbieten. Immer häufiger werden Nikolaus-Gruppen auch per Internet bestellt. Unter anderen bietet Jiří Jodl dort seine Dienste an:

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„Wir bemühen uns, wirklich glaubwürdige Masken zu haben und kommen in einer Gruppe von sechs bis acht Beteiligten. Es ist zwar etwas teurer, zeigen aber während des Besuchs ein halbstündiges Programm.“

Für die Kinder bedeutet der Besuch sowohl Freude als auch Angst. Manche Eltern drohen ihnen, in die Hölle gebracht zu werden, wenn sie unartig sind. Der Kinderpsychologe Jaroslav Šturma empfiehlt aber, stärker das positive Erlebnis zu unterstreichen:

„Der Besuch des Nikolaus kann ein guter Bestandteil der Kindererziehung sein. Er hilft bei der Unterscheidung zwischen Gut und Böse und ermöglicht einen Rückblick auf das eigene Verhalten. Für die Eltern ist er ein Instrument, die Bemühungen der Kinder zu bewerten und zu loben. Das Ereignis sollte vor allem eine positive Bedeutung haben. Das Kind soll erleben, dass das Gute, repräsentiert durch den heiligen Nikolaus, größer und stärker ist und das Böse letztlich besiegt.“

Jaroslav Šturma (Foto: Jan Šrajer, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Die Kinder sollten nicht geängstigt werden, die Figur des Teufels sollte eher am Rande stehen, empfiehlt der Psychologe. Traditionell werden die Kinder mit Obst und Süßigkeiten beschert. Die Unartigen erhalten hingegen Kohle und Kartoffeln. Die Nachfrage nach Süßigkeiten in tschechischen Geschäften erhöht sich in diesen Tagen um bis zu 1000 Prozent. Kinderpsychologe Šturma misst der Bescherung große Bedeutung bei.

„Sie ist sehr wichtig. Wenn das Kind die Freude darüber erlebt, dass es etwas bekommt, ist dies eine Voraussetzung dafür, auch etwas zu geben.“

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Nikolaus-Besuche und Nikolaus-Bescherung sind eine der lebendigsten Volkstraditionen hierzulande, wie Šturma bestätigt:

„Die Gliederung des Jahres nach Jahreszeiten, aber auch nach liturgischen Festen wie Weihnachten und Ostern, ist von großer Bedeutung. Sie hilft dem Menschen, sich in der Zeit zu orientieren und dadurch auch mit den Wurzeln der Kultur verbunden zu bleiben. Sie ist ein wichtiger Bestandteil der so genannten Inkulturation, des Hineinwachsens in die Menschengemeinschaft, in ihre Kultur und ihre Sprache.“