„Ich war 10 Jahre alt, als ich Ihren Sender 1959 erstmals hörte…“
Unter anderem um eine mutige Pfadfinderin, die Preisentwicklung in europäischen Großstädten, aber auch um ein paar Themen aus der tschechischen Geschichte. Darum geht es im heutigen Hörerforum.
Lutz Winkler aus Schmitten interessierte sich diesmal besonders für ein aktuelles Thema:
Respekt vor mutigem Mädchen
„In den letzten Wochen ging ja das berühmte Bild von Lucie Myslíková durch die Medien. Sie hatte sich einem aufgebrachten Skinhead mutig entgegenstellt. Ich danke Ihnen, dass Sie dieses Thema aufgegriffen haben. Der Mut des Mädchens ist beachtlich. Es ist aber immer wieder erstaunlich, dass solche Menschen gleich wieder in die linksradikale Ecke gestellt werden. Man mag das Mädchen für naiv halten – aber ich habe Respekt vor jedem, der sich den Ewiggestrigen entgegenstellt. Ich mag mittlerweile gar nicht mehr diskutieren – auch in den sozialen Netzwerken. Da gibt es ganz harmlose Artikel – und irgendwann finde ich in den Kommentaren fast immer ausländerfeindliche und rassistische Statements. Ausgerechnet in einem Land, welches von der Führerkultur – sowohl nationalsozialistisch, als auch sozialistisch – genug haben sollte.“
Soweit Lutz Winkler. In Tschechien ist Wohnfläche europaweit fast am teuersten. Zu unserem Bericht über die Preise für ein Eigenheim in unterschiedlichen Ländern und Städten Europas hat Monika Kuhn aus Hamburg ihren Kommentar in Punkten zusammengefasst:„Die Immobilienpreise in den Metropolen Europas sind im Vergleich zu den Durchschnittseinkommen in den letzten Jahren stark angestiegen. Die Schuld daran sehe ich in folgenden Punkten.
1. Da die Landflucht der vergangenen Jahre rückläufig verläuft.
2. Die Angst vor dem Verfall des Euros.
3. Die Null-Zins Politik der Zentralbank.
4. Die Gier immer höhere Renditen zu erzielen.
In den großen Städten Europas schreitet die Gentrifizierung voran. Ehemals bezahlbarer Wohnraum in der Altstadt oder in der Nähe von Sehenswürdigkeiten wird in Ferienwohnungen umgewandelt. Junge Familien und Rentner sind so kaum noch in der Lage, Eigentum beziehungsweise Mieten in Europas Großstädten zu bezahlen. So ist es auch in Deutschland.“
„Sie werden sicherlich erstaunt sein, von mir eine Mail zu bekommen. Der Grund ist, dass ich in einem Focus-Artikel einen Bericht über Blanka Milfaitová gelesen habe mit einem Rezept für Orangenmarmelade. Da ich ein begeisterter Hobbykoch bin, habe ich das Rezept ausprobiert, und das Ergebnis ist sensationell. Das soll heißen, die Marmelade ist göttlich! Leider finde ich in Deutschland weder im Internet noch bei Buchhandlungen das Buch von Blanka Milfaitová. Daher habe ich bereits zweimal an den Focus geschrieben. Leider ohne Reaktion. Aus diesem Grund hat meine Tochter im Internet gesucht und bei Radio Prag einen Artikel und Ihre Mailadresse gefunden. Ich hoffe, Sie können mir schreiben, ob es das Buch wirklich nur auf Tschechisch gibt oder ob und wo es übersetzt wurde. Ich würde nämlich gern die Geschichte von Blanka Milfaitová lesen und auch – wenn möglich – einige weitere Marmeladenrezepte nachkochen.“
Das erste Buch von Blanka Milfaitová ist 2014 erschienen. Seitdem hat sie bereits ein weiteres herausgegeben. Ins Deutsche wurden die Bücher aber leider noch nicht übersetzt, Herr Stadermann.
Doch auch die Geschichte war in den Kommentaren und Anmerkungen unserer Hörerinnen und Hörer ein heißes Thema. Martina Pohl aus Überlingen hat uns geschrieben:„Mit großem Interesse habe ich mir auf Ihrer Homepage den Beitrag zum 300. Geburtstag von Maria Theresia durchgelesen. Ich bin schon auf die nächsten beiden Folgen gespannt. Gestern habe ich mir zufällig im hiesigen Radioprogramm ein Interview angehört über diese Herrscherin, vielfache Mutter und Ehefrau.“
Am vergangenen Samstag haben wir der Kaiserin sogar eine ganze Sendung gewidmet. Auch diese Beiträge finden Sie auf unserer Homepage. Die letzte Folge unserer Serie zu Maria Theresia können Sie dann am kommenden Samstag im Kapitel aus der tschechischen Geschichte hören.
Tschechische Widerstandkämpfer im Zweiten Weltkrieg
Fritz Andorf hat diesmal ein anderes Geschichtskapitel hervorgehoben:
„Hochinteressant wie immer war das Geschichtskapitel, in dem über das Attentat auf den SS-Mann in Brünn im Februar 1945 berichtet wurde. Leider hatte man dabei den Falschen erwischt. Wenn man bedenkt, dass der Ermordete ‚nur‘ als Buchhalter fungierte und eine Frau und vier Kinder hinterließ, so können einem seine Angehörigen fast noch leidtun. Und das obwohl er natürlich ein Teil der Unterdrückungsmaschinerie war. Aber den ‚Richtigen‘ hat man ja nach dem Krieg auch noch hingerichtet, vielleicht eine späte Genugtuung für die verratenen und hingerichteten Attentäter.“Und zu dem Attentat auch ein Kommentar von Achim Kissel aus Duisburg. Von der Vergangenheit hat er einen Bogen zur aktuellen Lage in Europa gespannt:
„Das Geschichtskapitel erinnerte an tschechische Widerstandkämpfer, die ein Attentat auf einen SS-Offizier in Brünn verübten. Bedeutsamer und folgenreicher war das Attentat in Prag auf Reinhard Heydrich. Aber wichtig ist zu wissen, dass es den Widerstand gegen die Nazi-Besatzer in der Tschechoslowakei gegeben hat. Nicht vergessen sollte man auch, dass die Tschechoslowakei nach der Machtergreifung der Nazis in Deutschland verfolgten Antifaschisten Asyl bot. Heute zählt Tschechien nicht zu den Ländern, die während der jüngsten Flüchtlingskrise viele Asylanten aufgenommen haben. In der Frage der gerechten Verteilung von Flüchtlingen haben die europäischen Institutionen leider nicht viel erreicht. Ob es deshalb in vielen Ländern so eine Art EU-Frust gibt?“
Město (Stadt), okurka (Gurke), ulice (Straße)
Auch Joachim Teumer blickt in seiner Zuschrift in die Geschichte zurück. Allerdings in die Geschichte seiner eigenen Beziehung zu unserem Sender:„Gestern habe ich via Podcast ein interessantes Interview von Ihnen mit einer 20jährigen Studentin der Medienwissenschaften gehört. Ich wurde an meine Kindheit erinnert. Auch ich war 10 Jahre alt, als ich Ihren Sender im Frühjahr 1959 erstmals hörte. Ich habe mich immer für ausländische Radiostationen interessiert. Im Herbst 1959 sendeten Sie einen Tschechisch-Sprachkurs. Ich habe versucht, da mitzumachen, doch das war damals recht abenteuerlich. Ich bin blind und habe versucht, die Vokabeln mit einer Blindenschreibtafel mitzuschreiben. Das ist technisch sehr aufwendig, und natürlich bin ich dabei nicht mitgekommen. Trotzdem erinnere ich mich immer noch gern daran. Drei Wörter habe ich behalten: město (Stadt), okurka (Gurke), ulice (Straße). Ungefähr zehn Jahre später war ich in Wien und habe nochmals den Versuch gemacht. Auch damals hatten Sie einen Tschechisch-Sprachkurs. Das klappte schon besser, da ich auf Kassette aufnehmen konnte. Viel ist nicht hängen geblieben, aber es hat doch Spaß gemacht.“
Mit den Worten unseres Hörers möchten wir uns für heute verabschieden. Vielen Dank, Herr Teumer, für Ihre E-Mail. Ganz zum Schluss noch unsere Quiz-Frage für den Monat Mai:Welche Herrscherin, die vor 300 Jahren geboren wurde, hat in den böhmischen Ländern die Schulpflicht eingeführt?
Schreiben Sie uns Ihre Lösung an [email protected]. Im April haben wir gefragt, welcher tschechische Volksbrauch im Jahr 2011 zum Unseco-Weltkulturerbe erklärt worden ist. Einen Preis für die richtige Antwort bekommt unter anderem Andreas Vehe aus Deutschland. Sie lautete: der Ritt der Könige.
Und das war es für heute im Hörerforum. Wenn Sie Fragen, Beschwerden, Wünsche oder Anregungen haben, dann schreiben Sie uns doch an folgende Adresse: Radio Prag, Vinohradská 12, 120 99 Prag 2, Tschechische Republik. Sie können uns natürlich auch eine E-Mail schreiben an: [email protected].







