„Schicksal der Flüchtlinge findet wenig Beachtung…“
Flüchtlingsdebatte in Tschechien, Machtkampf in Supermärkten, Musik der Band Refjúdží: Um diese und weitere Themen geht es in der Hörerpost und auch im folgenden Hörerforum.
Fritz Andorf aus Meckenheim erwähnt in seinem Brief gleich mehrere Beiträge und Sendungen aus unserem Programm:
„Das Musikprogramm am Sonntag war ja ein richtiges Highlight. Der flotte Rhythmus der Band vermittelte eine tolle Stimmung, und ich kann mir vorstellen, dass Konzerte mit ihr stark gefragt sind. Bewundernswert ist natürlich das gute Zusammenspiel der Musiker, die aus aller Welt stammen. Und dabei haben sie noch eine wichtige Botschaft zu der aktuellen Flüchtlingsdebatte zu verkünden. Ich hoffe doch, dass sie den Betroffenen in ihrer misslichen Lage damit viel Freude bereiten, aber auch Nichtbetroffene zum Nachdenken über das wachsende Flüchtlingsproblem anregen können.“
Fritz Andorf richtet dieses Lob an die Allstar Refjúdží Band. Sie besteht aus 16 Musikern als aller Welt, die seit acht Jahren in Prag gemeinsam Musik machen. Und weiter schreibt unser Hörer:„Auch in Tschechien begehen die sexuellen Minderheiten seit einigen Jahren ein Festival. Dass sie dabei in kirchlichen Kreisen anecken (die Veranstaltung mit einer Ordensschwester in einer Kirche wurde untersagt), dafür habe ich Verständnis. Ist eigentlich inzwischen auch in Tschechien – wie in mehreren europäischen Ländern – die sogenannte Homo-Ehe erlaubt?“
Nein, eine richtige Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern gibt es nicht. Aber seit 2006 ist die registrierte Partnerschaft erlaubt. Und Herr Andorf zum dritten Mal:„Interessant war der Sportreport mit der Würdigung der noch lebenden Eishockey-Legende Bukač, der Spieler, Trainer und Dozent gewesen ist und auch als Nationaltrainer in Deutschland Geschichte geschrieben hat. In diesem Zusammenhang fand ich besonders interessant, was Bukač über die Unterschiede in der Mentalität der österreichischen und der deutschen Eishockeyspieler gesagt hat.“
Hans-Joachim Pellin aus Lübz reagiert auf zwei Berichte aus unseren Sendungen. Der erste betraf das tragische Zugunglück in Studénka in Mähren Ende Juli. In dem anderen Beitrag ging es um die Taximafia, die den Ruf der Prager Taxifahrer ruiniert:
„Zuerst möchte ich den Angehörigen der Opfer des Bahnunglückes meine aufrichtige Anteilnahme aussprechen. Ich hoffe, dass die Umstände des Unglückes aufgeklärt werden und die Schuldigen zur Rechenschaft gezogen werden. Zu einem anderen Thema: Ich habe bei meinen Besuchen in Prag zumeist die Straßenbahn benutzt, oft aus reiner Vorsicht: Es ist ja allgemein bekannt, dass ein Tourist, der sich nicht in den Gepflogenheiten auskennt, oft ein leichtes Opfer für Betrügereien ist. Ich muss aber auch sagen, bei meinen Besuchen, vorrangig in den 80er Jahren, habe ich nie schlechte Erfahrungen gemacht. Dies kurz meine Meinung zum Thema Taxifahrer und Taximafia.“ Auch Dieter Feltes aus Pyrbaum erwähnt in seiner Zuschrift einen seiner Besuche in Prag:„Mein Bericht hat heute etwas länger gedauert, weil ich in der Türkei auf Urlaub war. Dort konnte ich Sie per Internet nicht hören. Vor etwa drei Jahren waren meine Frau und ich im Prager Hauptbahnhof. Sowohl von der Außenfassade wie auch vom Innenraum fand ich den Bahnhof schon ansprechend. Als wir ihn besuchten, war gerade die so genannte Rushhour. Es waren viele Leute zu diesem Zeitpunkt unterwegs, und es war auch noch Winter. Kann es sein, dass es zu Ihrem Sender nicht mehr weit war?“
Das ist so, Herr Feltes. Unser Sender befindet sich am unteren Ende der Vinohradská-Straße, oberhalb des Nationalmuseums. Von dort sind es nur etwa zehn Minuten zu Fuß zum Hauptbahnhof. Man kann auch eine Station mit der U-Bahn fahren, dann ist es noch schneller.
Lutz Winkler aus Schmitten im Taunus hat einen dicken Brief geschickt. Wir wählen daraus eine Passage, die sich unmittelbar auf die Sendungen von Radio Prag bezieht:„Sie haben in der Wirtschaftssendung über den Machtkampf im Supermarkt berichtet: Händler gegen das Gesetz zur marktbeherrschenden Stellung. Es sollen mehr tschechische Produkte in die Regale der tschechischen Supermärkte gebracht werden. Damit werden natürlich verschiedene Interessen berührt: Die Konzerne wollen dies nicht – so war es auch im Beitrag zu vernehmen. Andererseits finde ich die Auswahl von regionalen Produkten immer wieder interessant. Zumal es auch dem Umweltschutz dient, wenn die Waren nicht durch halb Europa gefahren werden müssen. Ich erlebe dies zum Beispiel in unserem Getränkemarkt. Deutschland ist wahrlich reich an kleinen Brauereien und Mineralwasserproduzenten. Wenn ich aber in den neu eröffneten Supermarkt gehe, dann habe ich tatsächlich nur die Auswahl zwischen Produkten von zwei bis drei Herstellern, die immense Verkaufsflächen belegen und somit auch den Preis diktieren. Also habe ich als Kunde kaum eine Auswahl.“
Ein anderes Thema, über das wir in unseren Sendungen immer wieder berichten und das auch von Herrn Winkler zitiert wird, ist der Fachkräftemangel. Auf dieses Problem werden wir in einer der nächsten Ausgaben des Hörerforums näher eingehen.
Und abschließend noch die Zuschrift von Horst Cersovsky aus Sangerhausen:„Liebe deutsche Redaktion, zurück aus dem Urlaub in Nordirland höre ich an meinen verbleibenden freien Tagen gern auch regelmäßig die täglichen deutschen Sendungen aus Prag. Ich war beim Hören des heutigen Programms im negativen Sinne beeindruckt von der ablehnenden und offenbar zunehmend fremdenfeindlichen Haltung gegenüber den Flüchtlingen in Tschechien. Man kennt entsprechende Haltungen aus anderen europäischen Staaten insbesondere auch aus Deutschland. Wenn sich aber jetzt Präsident Zeman als Staatsoberhaupt Ihres Landes so populistisch und dezidiert ablehnend äußert, bin ich doch enttäuscht und sehr nachdenklich bezüglich dieser Entwicklung. Humanitäre Katastrophen und das Schicksal der flüchtenden Menschen in den meisten Herkunftsländern finden offenbar wenig Beachtung. Europa und insbesondere die EU steht hier zweifellos vor einer großen Herausforderung. Ich hoffe doch sehr, es werden jetzt gemeinsam Lösungen gefunden, die vor allem auch die Ursachen der Flüchtlingsströme in den Fokus stellen. Ihren kritischen Beitrag ‚Niemand hat euch eingeladen‘ – Hässliche Töne in der tschechischen Flüchtlingsdebatte fand ich sowohl informativ als auch sehr sachlich. Ich schätze diese Art der Berichterstattung in den deutschen Sendungen aus Prag.“
Und das war’s für heute. Wir bedanken uns für alle Zuschriften, bitte schreiben Sie uns weiterhin. Unsere Adresse lautet: Radio Prag, Vinohradská 12, 120 99 Prag 2, Tschechische Republik. Mails schicken können Sie uns auch, und zwar an: [email protected]. Alles Gute, schöne Urlaubszeit und auf Wiederhören in zwei Wochen!







