Bunter Themenmix in Kommentaren der Hörer: Václav Klaus, Grexit, tschechisch-deutsche Beziehungen

Foto: Stuart Miles, FreeDigitalPhotos.net

Im Hörerforum kommen Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, zu Wort. Wir zitieren aus Ihren Briefen und beantworten Ihre Fragen. Es geht um die tschechisch-deutschen Beziehungen in der Geschichte und heute, über die Krise in Griechenland und weiteres mehr.

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Hallo und herzlich willkommen zum Hörerforum! Zu Beginn: Vielen Dank für Ihre Briefe, Postkarten, Urlaubsgrüße und E-Mails! Bedanken wollen wir uns auch für Ihre Berichte, mit denen Sie den Empfang von Radio Prag bestätigt haben. Schauen wir nun gemeinsam, was Sie uns geschrieben haben.

Ralf Urbanczik aus Eisleben hat interessiert dem Gespräch mit dem Historiker Philipp Ther im ‚Forum Gesellschaft‘ zugehört. In dem Interview hat Ther unter anderem das Wirken des tschechischen Politikers Václav Klaus mit ein wenig Abstand betrachtet. Ralf Urbanczik schreibt dazu:



Václav Klaus  (Foto: Filip Jandourek,  Archiv des Tschechischen Rundfunks)
„Václav Klaus gehörte seit der Samtenen Revolution nicht nur zur ersten Reihe der tschechischen Politik, er machte sich mit seinen kritischen Überlegungen zu Europa auch außerhalb der tschechischen Landesgrenzen schnell einen Namen. Ich teile zwar seine neoliberalen Vorstellungen und seine ausgeprägte Europa-Skepsis ganz und gar nicht, aber man muss ihm lassen: Mit seiner offensiven Art, Probleme aufzuzeigen, hat er nicht nur in Tschechien, sondern in ganz Europa immer wieder zu Diskussionen angeregt, die am Ende häufig selbst die Grenzen seines Neoliberalismus aufgezeigt haben. In genau diesem Sinne fand ich das heutige ‚Forum Gesellschaft‘ interessant, informativ und aufschlussreich.“

Tomáš Kafka  (Foto: YouTube)
Und noch ein Interview aus unserem Programm erwähnt Ralf Urbanczyk:

„Das Interview mit Tomáš Kafka über die Erklärung zum Aufbau eines strategischen Dialogs riss einige interessante Themen an, während ich andere vermisste. Aber schön, dass sich die Politiker beider Länder häufiger zusammensetzen und enger zusammenarbeiten wollen. Wenn jetzt Premierminister Sobotka in jedem seiner beiden Amtsjahre zu Gesprächen in Berlin weilte, ist das für mich ein gutes Zeichen. Hoffentlich bekommt das die deutsche Regierungschefin auch hin, wenigstens einmal pro Jahr zur Abstimmung der gemeinsamen Politik nach Prag zu reisen. Themen sind ja gerade zurzeit genügend vorhanden: Flüchtlingsproblematik, Griechenland-Krise, Bürgerkrieg in der Ukraine und natürlich der Ausbau der Kooperation auf allen Gebieten zwischen beiden Nachbarländern.“

Pavel Bělobrádek  (Foto: Archiv des Regierungsamtes der Tschechischen Republik)
Um die tschechisch-deutschen Beziehungen geht es auch im folgenden Beitrag von Gernot Klein. Er reagiert auf den Besuch von Vizepremier Pavel Bělobrádek im Sudetendeutsch Haus in München, bei dem der tschechische Politiker der deutschen Opfer der Zwangsaussiedlung aus der Tschechoslowakei nach dem Zweiten Weltkrieg gedachte:

„Ich verstehe sehr wohl, warum gerade die Kommunisten reflexartig die großartige Geste von Herrn Bělobrádek ablehnen. Ewiggestrige werden wohl nie in der Lage sein, die Vergangenheit zu reflektieren, da sie ihnen als erstrebenswertes Modell für die Zukunft erscheint. Zu dem Kommentar von Herrn Premierminister Sobotka möchte ich noch anmerken, dass er meiner Meinung nach etwas zu kurz greift. Alles nahm seinen Anfang spätestr/doprava/benzinova_pumpa10ens 1918 nach der Gründung der Tschechoslowakei und der unfairen Behandlung der deutschen Minderheit innerhalb der Grenzen des neuen Staates. Ich will auf keinen Fall jetzt den rechten Horden das Wort reden oder dadurch die deutschen Verbrechen nach 1938 relativieren, denke aber, dass es für unsere beiden Völker, die eine lange friedliche und oftmals auch harmonische gemeinsame Geschichte haben, wichtig ist, auch die Geschichte der letzten 100 Jahre sauber und differenziert aufzuarbeiten – um sicherzustellen, dass es Geschichte bleibt und nie mehr Gegenwart werden kann.“

Foto: milspa,  Free Images
Die Griechenland-Krise wurde im heutigen Hörerforum bereits erwähnt. Hans-Joachim Pellin aus Lübz macht sich tiefere Gedanken darüber:

„Ich glaube, die Griechenland-Krise und der ‚Grexit‘ ist wohl nun in allen EU-Ländern angekommen. Ich hoffe, dass sich bald eine Lösung findet, die von allen getragen wird. Ich bin der Ansicht, dass das ständige Hin und Her doch mal ein Ende haben muss. Und ob wir es wahrhaben wollen oder nicht, bleibt Griechenland so oder so wohl in Europa, und wir werden helfen müssen.“

Und weiter schreibt Herr Pellin:

„Im Hörerforum bedankte sich ein Hörer für die QSL-Karte und das kleine Geschenk. Hier möchte ich heute auch einmal Dank sagen. Die kleine Beigabe ist eine schöne Sache, ich bin immer wieder gespannt, welche Idee Ihr mit der kleinen Beigabe wieder hattet. Ich hoffe, Ihr behaltet dies noch lange bei, es ist immer noch eine Extra-Freude, wenn der Brief von Euch kommt.“

Foto: Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio Prag
Tilo Wiesbach hat mit einer kurzen Anmerkung auf die letzte Ausgabe des Tschechisch-Kurses reagiert:

„... nur zu Ergänzung ... paměť – Gedächtnis oder Erinnerung ... in der Computer-Technik auch Speicher (memory)“

Vielen Dank, Herr Wiesbach. Sie haben uns auf die gute Idee gebracht, in einer der künftigen Lektionen das Thema Computer aufzunehmen. Speicher, Ordner, Datei… Es wird sicher genug Material geben.

Anfang der Sommersaison hat Michael Lindner aus Halle uns eine Frage zu den Benzinpreisen in Tschechien geschickt. Er schreibt:

Foto: Barbora Kmentová
„Mir ist aufgefallen, dass die Tankstellenkette ONO in ganz Tschechien einheitliche Preise hat. Kostet der Liter in Cheb 31,50 Kronen, dann kostet er in Ostrau, in Brünn oder Prag ebenfalls 31,50 Kronen. Bei uns in Deutschland haben die Tankstellenketten, z. B. Esso, keine Einheitspreise. Wer legt das bei Ihnen eigentlich fest? Ich persönlich finde Einheitspreise innerhalb einer großen Tankstellenkette für gut. So muss man nicht ständig Ausschau halten, wo man am günstigsten tanken kann. Bei uns variieren die Benzinpreise oftmals bis über 10 Cent pro Liter, was ich unmöglich finde. Auch ist hier festzustellen, dass gerade vor den Feiertagen oder vor den Schulferien der Benzinpreis willkürlich in die Höhe schießt. Ist das in Tschechien auch so? Ich würde mich sehr freuen, darüber einige Informationen zu erhalten.“

Foto: Tschechisches Fernsehen
Vereinfacht lässt sich sagen, dass es in Tschechien ähnlich ist wie in Deutschland. In Prag liegen die Benzinpreise allgemein höher als auf dem Land, Unterschiede gibt es auch zwischen dem westlichen und östlichen Rand der Hauptstadt. Die Tankstellenketten legen also je nach aktueller Lage die Preise fest. Die Tankstellenkette ONO, die Sie erwähnt haben, ist eine Ausnahme hierzulande. Es ist eine der billigeren Ketten überhaupt und hat tatsächlich dieselben Preise in ganz Tschechien. Die Kraftstoffpreise werden durch zahlreiche Faktoren beeinflusst. Erstens sind es Preisnotierungen für Rohöl auf den internationalen Ölmärkten. Zweitens ist der Preis von dem sich verändernden Wechselkurs der Krone zum US-Dollar abhängig. Ein entscheidendes Wort hat auch der tschechische Staat. In die Staatskasse fließen einerseits Verbrauchssteuern aus den Kraftstoffen, andererseits die Mehrwertsteuern. Zusammengezählt bezahlt man bei einem Liter Benzin etwa 20 Kronen an den Staat. Nur ein kleiner Teil des Preises wird von dem Verkäufer selbst bestimmt, ungefähr zwei Kronen pro Liter. Übrigens: aktuell liegen die Benzinpreise in Tschechien im Durchschnitt bei 32,92 Kronen.

Foto: digitalart,  FreeDigitalPhotos.net
Und das war’s für heute. Wir bedanken uns für alle Zuschriften, bitte schreiben Sie uns auch weiter. Unsere Adresse lautet: Radio Prag, Vinohradská 12, 120 99 Prag 2, Tschechische Republik. Mails schreiben können Sie uns auch, und zwar an: [email protected]. Alles Gute, schöne Urlaubszeit und auf Wiederhören in zwei Wochen!