Tschechien und Bayern: Zusammenarbeit im Kulturbereich wird intensiviert

Foto: Martina Schneibergová

Den kulturellen Austausch zu intensivieren, das ist eines der Ziele eines tschechisch-bayerischen Memorandums, das am Montag in Prag unterzeichnet wurde. Radio Prag hat mit Bayerns Minister für Bildung, Kultus, Wissenschaft und Kunst, Ludwig Spaenle und dem tschechischen Kulturminister Daniel Herman gesprochen.

Ludwig Spaenle und Daniel Herman  (Foto: Martina Schneibergová)
Herr Minister Spaenle, worauf konzentriert sich das soeben unterzeichnete Memorandum über die Zusammenarbeit?

„Wir schaffen heute einen staatlichen Rahmen, der die ganze Fülle dessen, was in Kunst und Kultur möglich ist – von der Denkmalpflege bis zum Kino, von der Wissenschaft bis zur Erinnerungsarbeit – unterstützen wird. Deshalb kann ein solches Rahmenabkommen die langfristig angelegte Zusammenarbeit und damit das Zusammenwachsen der beiden Nachbarvölker im Herzen Europas langfristig unterstützen.“

Es gab in den letzten Jahren viele Beispiele für eine solche Zusammenarbeit. Was kann die Unterzeichnung dieses Abkommens an der Kooperation konkret verändern?

Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Flossenbürg  (Foto: A. Köppl,  Wikimedia CC BY-SA 3.0)
„Wir haben zum Beispiel eine langfristig angelegte Zusammenarbeit der staatlichen Archive. Wir haben eine starke Aktivität von Seiten der KZ-Gedenkstätte in Flossenbürg, die sich mit den dunklen Seiten der Geschichte beschäftigt. Ich habe selbst solche Projekte mitbegleitet. Das schafft die Möglichkeit, intensiv und offiziell mit allen entsprechenden Stellen auf beiden Seiten in Kontakt zu treten und es kann vor allem die Langfristigkeit unterstützen.“

Ein großes Projekt wird nächstes Jahr die tschechisch-bayerische Landesausstellung über Karl IV sein. Welche Institutionen beteiligen sich daran?

Karl IV  (Foto: Kristýna Maková,  Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio Prag)
„Die Landesausstellung mit der historischen Persönlichkeit Karls IV. wird einen entscheidenden Akzent setzen, weil dieses gemeinsame historische Erbe dann ins breite Bewusstsein gelangen wird. Es arbeiten hier die Prager Nationalgalerie und das Germanische Nationalmuseum mit dem Haus der Bayerischen Geschichte zusammen. Ich bin guter Dinge, dass auch entlang des Wege, der Via Carolina, auf beiden Seiten wichtige Akzente gesetzt werden, die auch auf längerfristige Zusammenarbeit angelegt sein können.“

Sie haben anlässlich der Unterzeichnung des Memorandums die Sudetendeutschen als diejenige Gruppe genannt, die seit Jahren zur tschechisch-bayerischen Zusammenarbeit beiträgt. Davon kann man sich beispielsweise im Grenzgebiet bei der Denkmalpflege oder beim Kulturaustausch zwischen Städten und Bürgerinitiativen überzeugen. Wie sehen Sie deren weitere Rolle?

Bernd Posselt  (Foto: Tschechisches Fernsehen)
„Ich sehe seit Anfang der 1990er Jahre die Präsenz vieler Sudetendeutschen, vieler Ortsgruppen, vieler Vertreter gerade im kulturellen Bereich, in der Denkmalpflege. Ohne die Sudetendeutsche Landsmannschaft und deren Sprecher Bernd Posselt wäre auch die staatliche Form des Zusammenwirkens zwischen Bayern und Böhmen nicht so weit, wie sie heute ist. Ich glaube, dass dieses dynamische Moment auch in Zukunft anhalten wird, weil niemand die ehemalige Heimat und damit die Landschaft, die Kultur, die Identität so gut kennt wie die Sudetendeutschen, die damit die Botschafter dieses Landes in Bayern sind.“

Kulturminister Herman über Prioritäten

Herr Minister Herman, wie kann sich das soeben unterzeichnete Memorandum auf die weitere tschechisch-bayerische Zusammenarbeit auswirken?

„Dieses Memorandum ist ein wichtiges Zeichen der Zusammenarbeit. Es gibt eine ganze Menge von Möglichkeiten und Aktivitäten im Bereich der Kultur: zwischen den Museen, Galerien, Literaturinstitutionen und anderen Institutionen. Mit der Unterzeichnung des Memorandums haben wir klar gesagt, dass diese Zusammenarbeit der Außenpolitik Tschechiens und Deutschlands entspricht.“

Foto: David Rožníček,  Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio Prag
Sie haben Ihre Erfahrungen mit der bilateralen Zusammenarbeit unter anderem bei der Denkmalpflege im Böhmerwald erwähnt. Kann das Memorandum dazu beitragen, dass auch derartige kleinere Projekte in den Regionen finanziell stärker unterstützt werden?

„Das Memorandum sagt, dass die Zusammenarbeit, die sowieso schon seit Jahren läuft, eine der Prioritäten der Außenpolitik ist. Die Projekte für die Instandsetzung von Kirchen, Kapellen, Friedhöfen sind sehr wichtig. Jetzt haben auch beide Länder erklärt, dass es auch ihre Priorität ist und dass sie dabei behilflich sein werden.“