Der „einheitspreis 2010“ geht an „pro-tisk“ und den Verein Porta Bohemica

Einheitspreis

Besondere Verdienste um die Annäherung von Ost und West und zwar in Deutschland und Europa. Das zu würdigen ist Ziel des so genannten „einheitspreises“, den die deutsche Bundeszentrale für politische Bildung nun zum neunten Mal verleiht. In diesem Jahr steht Tschechien direkt und indirekt gleich mit zwei Preisträgern im Rampenlicht. Der frühere Botschafter und Mitbegründer des Prager Literaturhauses František Černý gehört zu den geehrten Persönlichkeiten. Den Preis in der Kategorie Kultur bekam die non-profit Agentur pro-tisk zusammen mit dem Verein Porta Bohemica e. V. Christian Rühmkorf sprach mit Libuše Černá von pro-tisk.

František Černý  (links). Foto: ČTK
Frau Černá, in der Begründung für die Verleihung des Einheitspreises 2010 heißt es, ihre non-profit Agentur pro-tisk und der Verein Porta Bohemica fördern den deutsch-tschechischen Kulturaustausch nachhaltig und zukunftsorientiert und machen die Menschen neugierig auf das mitteleuropäische Land Tschechien. Wie machen Sie neugierig?

„Wir machen Menschen neugierig, indem wir in verschiedenen kulturellen Sparten sehr breit gefächerte Angebote machen. Das fängt mit einer Lesung an, es geht über ein Konzert eines Jugendchors bis hin zu einer Kunstausstellung. Also wir machen sehr viele Sachen im Bereich der bildenden Kunst aber auch in anderen Bereichen.“

Sie haben auch tschechische Kulturtage in Bremen organisiert und zwar im vergangenen Jahr. Das gehörte auch sicherlich zu dem großen Erfolg, oder?

„Das war wirklich ein Erfolg, das war auch eine riesige Anstrengung weil diese tschechischen Tage drei Wochen gedauert haben. Und da haben wir wirklich auch Theatervorstellungen angeboten, mehrere Ausstellungen, Lesungen und so weiter. Es hat sich aber gezeigt, dass das ganz notwendig war, denn Deutschland hat mit der Tschechischen Republik die längste Nachbarschaftsgrenze – das muss man immer wieder sagen. Dennoch ist es so, dass vor allem im norddeutschen Raum die tschechische Kultur oder auch das tschechische Leben kaum bekannt sind. Man kennt hier Karel Gott, man kennt den Knödel und das Bier. Und damit erschöpft sich das. Das ist ungefähr das Niveau, das sie hier haben. Und deswegen bemühen wir uns, das etwas zu vertiefen und den Leuten hier wirklich die tschechische Kultur näher zu bringen, und da gibt es immer wieder neue Möglichkeiten.“

Frau Černá, Sie und Ihr Mann Tilman Rothermel engagieren sich mit pro-tisk schon seit 23 Jahren für die deutsche-tschechischen Beziehungen. Ist alles auf einem guten Weg, wenn Sie so zurückschauen?

„Ich würde sagen ja. Es ist alles auf einem guten Weg. Wir haben Kontakte, die wir tatsächlich seit über 20 Jahren pflegen, oder Kontakte, die wir mal geknüpft haben in den 80er Jahren und die wir jetzt wieder finden und die Jahre lang geruht haben. Und wir haben aber immer wieder neue Ideen, was wir machen können. Und es ist für uns auch wichtig, dass wir nicht nur die tschechische Kultur hier bekannt machen, sondern dass wir auch mit den deutschen Kulturschaffenden in die Tschechische Republik fahren und sie da bekannter machen. Und vor allem: Was uns besonders wichtig ist, das sind die konkreten menschlichen Beziehungen. Das ist vielleicht alles mühsam, aber es ist der einzige gangbare Weg, finde ich. Man muss sich begegnen, man muss miteinander sprechen, und so kann man Vorurteile abbauen.“