Star-Architekt Jan Kaplický ist tot – ein Nachruf
Er war ein Architekt mit tschechischer Herkunft und internationalem Renommee. Vor allem in Großbritannien hat er mit einigen seiner Bauten Furore gemacht. Zuletzt stand er mit seinem ungewöhnlichen Entwurf für eine neue Nationalbibliothek in Prag im Rampenlicht: Jan Kaplický – am Mittwoch verstarb der Architekt unerwartet.
Soweit das Traurige. Das Tragische: Ebenso am Mittwoch gebar Kaplickýs 41 Jahre jüngere Frau Eliška Kaplický Fuchsová ihm eine Tochter. Nur wenige Stunden später war Jan Kaplický tot. Sein Todestag ist zugleich der Geburtstag seines zweiten Kindes. Aus erster Ehe ging der Sohn Josef hervor. Seine frühere Lebensgefährtin, die tschechische - ebenso in Großbritannien tätige – Architektin Eva Jiřičná würdigte Kaplický gegenüber dem Tschechischen Fernsehen: „Er war der talentierteste Mensch, den ich in meinem Leben bisher getroffen habe.“
Jan Kaplický gehörte zu den Architekten von Weltruf. Seine Bauten zieren Städte auf drei Kontinenten: Europa, Asien und Amerika. Die britische Zeitung The Independent zählte unlängst zwei seiner Gebäude zur bedeutendsten modernen Architektur der Welt. Das Selfridges Building in Birmingham und die Pressetribüne im Londoner Cricket-Stadion Lord´s. Für die Tribüne erhielt Kaplický 1999 den prestigereichen britischen Architekturpreis Sterling.1968 war Kaplický nach der Invasion der Warschauer-Pakt-Staaten in der Tschechoslowakei nach England ausgewandert und arbeitete mit bedeutenden Architekten wie Norman Foster zusammen. Ende der 70er Jahre gründete er das Architekturbüro „Future systems“. Future, die Zukunft, war sein Programm. Kaplický arbeitete mit modernsten Materialien unter anderem aus der Weltraumtechnik. Die fließenden Formen seiner Gebäude erschienen natürlich und wie aus einem Guss. Ökologische Energiekonzepte und natürlicher Lichteinfall waren ihm wichtig.
Vor zwei Jahren gewann Jan Kaplický die internationale Ausschreibung für eine neue Nationalbibliothek in Prag. Der Star-Architekt war glücklich. Für ihn schloss sich ein Lebenskreis. Nach anfänglicher Unterstützung auch vom Prager Oberbürgermeister Pavel Bém, lief vor allem dessen Demokratische Bürgerpartei in der Folgezeit Sturm gegen den so genannten Blob, der mit seiner griftgrünen Farbe an eine Babapapa-Figur erinnerte. Auch Staatspräsident Václav Klaus bezog vehement Stellung gegen das Vorhaben, das auf der Letná-Ebene unweit der Prager Burg realisiert werden sollte. Am Ende wurde die gesamte Ausschreibung angezweifelt und der Direktor der Nationalbibliothek, Vlastimil Ježek, vom Kulturminister gefeuert.„Es tut mir leid, dass die typischen tschechischen Zwerge, die hier gar nichts hinterlassen werden, Jan Kaplický in den letzten zwei Jahren das Leben schwer gemacht haben. Ich glaube, dass sein Entwurf für die Nationalbibliothek – ganz gleich, ob er realisiert wird oder nicht – in die Architekturgeschichte eingeht,“ so Ježek.
Kaplickýs Familie ließ nun verlautbaren, der Architekt sei am glücklichsten Tag seines Lebens gestorben.







