Lohnzuwächse in Tschechien fallen immer geringer aus

Die weltweite Finanzmarktkrise – diese derzeit ständig hör- und lesbare Wortgruppe wird mit großer Wahrscheinlichkeit das „Wort des Jahres“ werden. Oder vielmehr, für viele nahe liegend, das „Unwort des Jahres“. Denn auch in Tschechien schlägt sie sich in immer mehr Bereichen nieder. Zum Beispiel in der Lohnentwicklung. Nach Meinung von Finanzexperten wird die Krise den Lohnanstieg im nächsten Jahr sogar noch stärker bremsen als in diesem Jahr.

Im dritten Quartal dieses Jahres sind die Monatslöhne in Tschechien im Schnitt um 7,9 Prozent auf 23.144 Kronen gestiegen. Dem gegenwärtigen Wechselkurs zufolge entspricht das einem monatlichen Durchschnittslohn von 900 Euro und einem Lohnanstieg von 75 Euro gegenüber dem gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Von den 75 Euro hat der tschechische Otto Normalverbraucher jedoch kaum etwas gespürt. Die hohe Inflation im Land, deren Rate im dritten Quartal satte 6,6 Prozent betrug, hat vielmehr dazu geführt, dass der reale Lohnanstieg nur mit 1,2 Prozent beziffert werden konnte. Und das ist der geringste Zuwachs seit dem Jahr 1998.

Die Finanzmarktkrise, die Rezession in mehreren westeuropäischen Ökonomien und die starke Tschechische Krone, das sind jene Faktoren, die den tschechischen Unternehmen gegenwärtig am meisten zu schaffen machen. Deshalb werden nicht wenige von ihnen im nächsten Jahr eine sehr restriktive Lohnpolitik betreiben. Sogar von Nullrunden ist die Rede. Petr Dufek, der Analytiker der Tschechoslowakischen Handelsbank, ist daher überzeugt:

Foto: Štěpánka Budková,  Radio Prague International
„Im nächsten Jahr werden die Löhne noch geringer steigen als in diesem Jahr. Ihr Zuwachs sollte bei rund fünf Prozent liegen. Aufgrund der niedrigen Inflation dürfte der reale Lohnanstieg allerdings um die drei Prozent betragen.“

Etwas differenzierter sieht Pavel Sobíšek, der Analytiker der UniCredit Bank, die aktuelle Situation:

„Ich würde die Situation nicht so schwarz malen. Auch bei einem sehr langsamen Wirtschaftswachstum wird es Unternehmen geben, die in der Lage sind, ihren Arbeitnehmern höhere Löhne anzubieten. Doch Unternehmen, die wegen der Finanzmarktkrise in Probleme geraten, werden wohl kaum eine Lohnerhöhung vornehmen. Von daher wird der Lohnanstieg im nächsten Jahr mit großer Wahrscheinlichkeit einer der geringsten der letzten zehn Jahre sein.“

Auch die Tschechen müssen sich also wohl oder übel darauf einstellen, dass die fetten Jahre ihres Wirtschaftsbooms und der damit verknüpften Lohnsprünge nun vorbei sind. Mit gewisser Spannung wird man daher jetzt verfolgen, ob sie bei ihren Weihnachtseinkäufen noch einmal richtig zuschlagen oder wegen der weniger rosigen Zukunft bereits sparen werden.