Annette Dasch in Prag: Ich würde mal gerne Jenufa singen

Annette Dasch (Foto: Hana Smejkalová, Národní divadlo)

Noch bevor sie am Wochenende in Prag sang, haben auch diejenigen von ihr Notiz genommen, die sich gar nicht für Oper oder klassische Musik interessieren. An vielen Orten im Prager Stadtzentrum schaute die hübsche Dame in den letzten Wochen von den Plakaten zum Mozart-Abend. Am Sonntagabend stellte sich die bekannte deutsche Sopranistin Annette Dasch im Prager Ständetheater vor.

Es war ein Mozartabend in dem Opernhaus, wo der Meister einst höchstpersönlich am Dirigentenpult stand. Anlässlich Mozarts 252. Geburtstags lud das Prager Nationaltheater die junge Sopranistin Annette Dasch zu einem Konzert ins Ständetheater ein.

„Man hat natürlich gleich ganz viel Ehrfurcht und ein heiliges Gefühl, wenn man den Saal betritt. Die Erwartungen werden dann auch eingelöst, es ist hier wirklich sehr schön,“ sagte die Sopranistin.

Auf dem Programm standen Mozarts Arien sowie Mozarts Symfonie C-Dur. Das Orchester des Nationaltheaters spielte unter der Leitung des jungen tschechischen Dirigentenstars Tomáš Netopil. Drei der Arien, die Annette Dasch im Ständetheater sang, trug sie zum ersten Mal vor, darunter auch die schwierige Arie „Bella mia fiamma, addio“. Dies sei, so die Opernsängerin, sehr aufregend gewesen. Annette Dasch weiß das Publikum mit ihrer natürlichen Vortragsweise mitzureißen. Was hält die Sängerin neben der Begabung und der notwendigen Schulung für wichtig, um die Arien mit Leichtigkeit vorzutragen?

„Vielleicht dass man die Musik in den Mittelpunkt stellt und nicht sich selbst. Hier wird es einem leicht gemacht, dass man natürlich an Wolfgang Amadeus denkt und nicht so sehr daran, dass man jetzt da die Sängerin oder die Diva ist, sondern dass es um die Musik geht. Und wenn man die ins Zentrum rückt, dann bleibt man selber ganz natürlich, weil man dann den Leuten nichts vorspielt.“

Ihr Repertoire ist sehr breit und verschiedenartig, sodass ein Laie denken könnte, ob Sie nicht Angst um Ihre Stimme haben.

„Ich singe gar nicht Verdi oder Puccini, ich singe eigentlich kaum italienische Opern. Ich habe immer das Gefühl: Für mich funktioniert alles, was ich seelisch will. Wenn ich ein Stück empfinde, dann kann ich das auch singen. Das spürt man ziemlich deutlich vorher. Ich spüre beispielsweise keine Mimi in mir. Das hat keine vokalen Gründe, sondern seelischen Gründe. Ich denke, wenn die Seele etwas will, dann kann die Stimme nicht kaputt gehen.“

Gibt es bestimmte Traumrollen, die Sie gern singen würden und die Sie bislang egal aus welchem Grund nicht singen konnten?

„Ich würde unglaublich gern Vitellia aus La clemenza di Tito singen. Das fehlt mir, dazu habe ich viel Lust. Und ich würde gerne Tatiana in Eugen Onegin singen. Dies wären im Moment so die größten Wünsche. Natürlich auf lange Sicht hin – irgendwann viel später – möchte ich dann man versuchen, ob ich Jenufa oder Elsa singen kann.“

Bisher hatten Sie keine Gelegenheit, in einer tschechischen Oper zu singen. Jenufa wäre also Ihre Wunschrolle aus dem tschechischen Repertoire?

„Für mich ist Janáček einer der vollkommensten Opernkomponisten überhaupt. Für mich steht er ganz oben auf der Liste. Ich finde seine Stücke unglaublich faszinierend und würde mich sehr freuen, das zu singen. Ich würde dafür auch Tschechisch lernen, denn ich finde, dass man das muss.“

Vielleicht werden wir – jedoch viel viel später, wie Annette Dasch sagte - die Sopranistin als Janacek-Interpretin erleben oder sie vielleicht wieder einmal bei einem Mozart-Fest hören können.