EU-Biersteuer: Tschechische Brauereien sehen Nationalgetränk bedroht

Nach Ansicht der Europäischen Union sollten Tschechien und sechs weitere Länder die Verbrauchssteuer auf Bier ab dem Jahr 2008 um etwa 20 Prozent erhöhen. Der Grund: die gegenwärtigen Steuersätze stammen aus dem Jahr 1992 und berücksichtigen nicht die Inflation seit dieser Zeit. Tschechien zählt in Europa zu den Ländern mit der niedrigsten Biersteuer, und das soll nach Ansicht der hiesigen Brauereibetriebe auch so bleiben.

In Zahlen bedeutet der Vorschlag der EU-Kommission von Ende vergangener Woche, dass ab dem Jahr 2008 der halbe Liter Bier in Tschechien 30 Heller teurer wäre als bislang, das ist umgerechnet ein Eurocent. Tschechische Bierbrauer sehen in der geplanten Erhöhung aber weitaus mehr - eine Attacke auf das tschechische Nationalgetränk und einen der wichtigsten Exportartikel des Landes, erklärt Jiri Fusek, Vorsitzender des Verbandes kleiner unabhängiger Brauereien:

"Sicherlich ist eine Erhöhung um 30 Heller nichts, was das Brauereiwesen oder das Interesse am Bier bedrohen könnte, weder bei uns noch in Europa. Solange es wirklich nur um diese 30 Heller geht. Ich bin aber überzeugt, dass die Erhöhungen kein Ende haben werden und dass wir permanent immer ein bisschen weiter in die Ecke gedrängt werden."

Die Franzosen, so Fusek weiter, würden sich etwas Ähnliches mit ihrem Wein nicht bieten lassen. Bislang ist die Erhöhung der Biersteuer nur ein Vorschlag der EU-Kommission. Bevor er tatsächlich in Kraft tritt, muss er von allen 25 EU-Staaten gebilligt werden. Tschechische Brauereibetriebe hoffen daher, dass Finanzminister Vlastimil Tlusty bei der entscheidenden Abstimmung sein Veto einlegen wird. Der tschechische EU-Kommissar Vladimir Spidla ist hingegen optimistisch, dass die Regel ohne Probleme verabschiedet wird.

Sollte sie letztlich doch am tschechischen Protest scheitern, wäre das schon ziemlich kurios: In einem Land, wo Bier zum Teil weniger kostet als Mineralwasser, könne von einer ernsthaften Bedrohung wohl schwerlich die Rede sein, bemerkte unlängst Martin Zverina, Kommentator der Zeitung "Lidove noviny". Zumal es den tschechischen Brauereien gut gehe - ganz im Gegensatz zum Staatshaushalt.