Staat oder privat? Altersversorgung in der Slowakei

Foto: Europäische Kommission

Lange Wartelisten, die gibt es auch für Seniorenheime in der Slowakei. Vom Staat wird zwar die Betreuung in Familien gefördert, der Betreuer erhält 6.000 slowakische Kronen monatlich. Den Familienmitgliedern scheint dieser Einkommensausgleich aber meist zu niedrig - das Mindestgehalt in der Slowakei beträgt nur um 900 Kronen mehr. Fazit: Die bestehenden Heime der Sozialfürsorge sind voll. Marika Adamovska aus Bratislava:

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"Es ist schwer zu glauben, dass die Heime ohne eine Wartefrist funktionieren könnten. Denn man hat eine bestimmte Kapazität und versucht sie auszunutzen. Man darf aus ökonomischen Gründen keine freien Plätze haben. Die Klienten können denselben Aufnahmeantrag aber in mehreren Heime stellen. Die Zahl der Wartenden spiegelt also die Situation bestimmt nicht genau wider", sagt Marta Hokinova, die Leiterin des Altersheimes mit Sozialpflege in der Altstadt von Bratislava, über die Warteliste mit 35 Menschen.

Diese bewerben sich um ein Bett im Altersheim für 70 Senioren, das von dem Stadtteil eingerichtet wurde. Bei den Rentnern auf der Warteliste wird außer der Reihenfolge auch berücksichtigt, ob sie ohne fremde Hilfe in Kontakt mit der Umgebung treten können. Trotzdem verfüge die Slowakei laut Marta Hokinova über eine ausreichende Struktur an Heimen der Sozialfürsorge:

"Es gibt von Kirchen gegründete Heime, private, nicht gewinnbringende Organisationen, und es gibt Heime, die von der Gemeinde, der Hauptstadt oder einer höheren Gebietseinheit eingerichtet wurden. Ich glaube, dass die Auswahl reich ist. Es kommt darauf an, wie viel Geld der Kunde zur Verfügung hat. Die Höhe der Gebühren für den Aufenthalt in unserer Einrichtung geht aus der allgemeinverbindlichen Verordnung der Gemeinde hervor. Es werden dabei auch Zimmertyp, Verpflegung und Art der Pflege in

Betracht gezogen. Nur 23 Prozent der Gesamtkosten werden von den Kunden gedeckt. Diese Summe beträgt ungefähr 200 - 210 slowakische Kronen pro Tag und Person. Es wird dabei immer die Rente der Kunden berücksichtigt. Laut Gesetz müssen den Rentnern 20 Prozent gemessen an der Höhe des Existenzminimums zur Verfügung stehen. Das sind 946 slowakische Kronen - etwa 25 Euro."

Im privaten Heim Privilegium in Bratislava werden keine Wartelisten geführt. Die Interessenten werden danach beurteilt, wie dringend sie untergebracht werden müssen. Die Managerin des Heimes, Barbara Bartovicova, füllt mit den Anträgen bereits den dritten Aktenordner. Die privaten Heime seien Barbara Bartovicova zufolge etwas teurer als die öffentlichen. Neben dem Essen, der Unterkunft und dem 24-stündigen Pflegedienst bezahlen die Kunden auch die psychologische Beratung. Das wird den Senioren auch im öffentlichen Heim angeboten. Die private Einrichtung habe jedoch einen Vorteil - sie ist so eingerichtet, dass sich der Kunde dort wie zu Hause fühlen könne, meint Barbara Bartovicova. Laut ihr ist es erforderlich, weitere Heime der Sozialfürsorge zu errichten. Im Moment wird eines für 180 Menschen eingerichtet. Der Staat dagegen plant keine neuen Anstalten zu gründen, obwohl das Ministerium für Arbeit, Soziales und Familie Einrichtungen für den Tagesaufenthalt oder so genannte Kindergärten für ältere Menschen vermisst.

Laut Marta Hokinova vom Altersheim in der Altstadt können sich viele Familien nicht leisten, ihre Verwandten zu betreuen. Wo sollen sie aber gepflegt werden? Zieht man nur die schwer gesundheitlich behinderten Familienmitglieder ab 65 Jahren in Betracht, so sollten ihnen 25.000 Betten in Heimen der Sozialfürsorge zur Verfügung stehen. Um diesen Bedarf zu decken, müsste die private Gesellschaft Privilegium nicht eines, sondern etwa 138 Heime für 180 Personen bauen lassen.