Mit dem Fitnessarmband gegen Übergewicht bei Kindern
Laut dem Gesundheitsministerium gibt es in Tschechien immer mehr Kinder, die übergewichtig sind oder an Fettleibigkeit leiden. Ändern soll dies ein neues Aufklärungsprojekt, bei dem der Nachwuchs ein Fitnessarmband bekommt und über eine App spielerisch zu mehr Bewegung animiert wird.
Es sei wohl die schlaueste Uhr, die er bisher gehabt habe, sagt der zehnjährige Michal über das Armband, das er tagein tagaus trägt. Er ist eines der Kinder, die sich bereits am Projekt „Buď fit 24“ (Sei fit 24) beteiligen. Es ist für junge Menschen mit Übergewicht oder Fettleibigkeit bestimmt. Michals Vater Oldřich ist von dem Konzept begeistert. In den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks sagt er:
„Ich finde die Idee super. Die Kinder haben Spaß und werden motiviert. In der ersten Woche ist unser Sohn im Regen um den Block gelaufen, um die fehlenden Kilojoule zu sammeln. Er ist wirklich begeistert.“
Das Armband an Michals Handgelenk misst, wieviel er sich bewegt, und überträgt die Daten an eine App im Smartphone. Dort muss während einer Woche im Monat zudem eingegeben werden, was das Kind an Nahrung zu sich nimmt.
„Die Eltern sollen dies immer abends eintragen“, sagt Oldřich. Dass gerade die Eltern gemeinsam mit dem Kind die Nahrungsaufnahme dokumentieren sollen, kommt nicht von ungefähr. Denn laut Jan Hlúbik von der Tschechischen Technischen Universität (ČVUT) können die Erziehungsberechtigen den Nachwuchs zu einem gesunden Lebensstil motivieren. „Außerdem lernen so auch die Eltern, wie man sich gesund ernährt oder ausreichend bewegt“, meint der Informatiker.
Vor allem richtet sich das Programm „Buď fit 24“, das federführend vom Gesundheitsministerium erdacht wurde, an Kinder im Alter von sechs bis elf Jahren. Die Funktionsweise der App beruht auf dem Prinzip von Gamification. Das heißt, die Teilnehmer sollen spielerisch zu mehr Bewegung und einer gesunderen Lebensweise animiert werden. Die aktuelle Nahrungsaufnahme und der Energieverbrauch werden in einer bunten Ampel dargestellt, und wenn der Teilnehmer die Balance hält, kann er verschiedene Superhelden-Avatare freischalten.
Während des einjährigen Projektzeitraums müssen die Kinder zudem zu mehreren Besuchen bei beteiligten Arztpraxen erscheinen. Dort werden nicht nur Gewicht und Körpergröße gemessen, sondern auch der Blutdruck. Generelles Ziel ist es, den Body-Mass-Index innerhalb der zwölf Monate um fünf Prozent zu senken. Nach dieser Zeit wertet der behandelnde Mediziner den Fortschritt mit dem Kind und den Eltern aus. Zudem ist geplant, die gesammelten Daten aller Heranwachsenden von Experten analysieren zu lassen.
„Wenn alles klappt, wird es sich um einen einzigartigen Datensatz handeln. Denn wir werden nachvollziehen können, wie sich über ein Jahr hinweg die Gewohnheiten der Kinder verändert haben“, sagt Jan Hlúbik.
Wie groß ist aber überhaupt das Interesse an dem Programm? Veronika Šípová ist als Kinderärztin in Prag niedergelassen und sagte im öffentlich-rechtlichen Tschechischen Fernsehen:
„Ich habe rund 15 Familien angesprochen, und etwa die Hälfte hatte Interesse mitzumachen. Bei den anderen haben wohl die Befürchtungen überwogen, dass die Kinder und ihre Eltern zu viele Dinge leisten müssen.“
Insgesamt nehmen derzeit mehrere Hundert Kinder am Programm „Buď fit 24“ teil. Die Zielsetzung ist dabei, dass die beteiligten Arztpraxen 1000 kostenlose Fitnessarmbänder ausgeben. Sollte die Pilotphase Erfolg zeigen, könnte man das Konzept künftig noch ausweiten, so das Gesundheitsministerium. Interessierte Eltern können das smarte Accessoire zudem bereits jetzt auf eigene Faust für ihre Kinder anschaffen und mit der App koppeln.
Michal hilft das Armband bereits, sich mehr zu bewegen. Und das nicht nur im Alltag. Seit neuestem geht er auch zweimal die Woche zum Sport – er hat sich nämlich in einem Turnverein angemeldet.
„Wir trainieren an Geräten und klettern die Stange rauf. Und am Ende kommt immer noch ein Spiel“, so der Zehnjährige.







