Tschechien will bei der Expo 2025 die Herzen zum Klopfen bringen
Am Samstag findet im japanischen Osaka die Eröffnungszeremonie der Expo 2025 statt. Auch Tschechien ist bei der Weltausstellung wieder mit einem eigenen Pavillon dabei.
An dem hell erleuchteten, spiralförmigen Bauwerk kommt kein Besucher der Expo 2025 vorbei. Tschechien habe seinen Pavillon an einem idealen Ort des Geländes der diesjährigen Weltausstellung errichten dürfen, schwärmte der zuständige Generalskommissar, Ondřej Soška, schon bei einer vorläufigen Präsentation Ende vergangenen Jahres:
„Wir freuen uns sehr, dass die japanischen Organisatoren uns ein strategisch wichtiges und interessantes Grundstück an der Wasserpromenade gegeben haben. Dies liegt auch daran, dass die Tschechoslowakei schon 1970 in Osaka sehr erfolgreich teilgenommen hatte. Jetzt wird unser Pavillon wirklich an dem bestmöglichen Platz stehen.“
Bei der diesjährigen Expo, die nach 55 Jahren erneut in Osaka stattfindet, präsentieren sich fast 160 Länder der Erde. Aber nur etwa ein Viertel von ihnen hat einen selbst entworfenen Pavillon – so wie Tschechien, das als eigenständiges Land zum sechsten Mal bei einer Weltausstellung dabei ist. Außenminister Jan Lipavský (parteilos) persönlich wird das Gebäude am Sonntag eröffnen. Die spiralförmige Konstruktion kommt ohne Stahlverstärkung aus. Ihr Gerüst besteht aus Fichtenholz und die Fassade aus Glas – beides wichtige Exportmaterialien für Tschechien.
Der drei Stockwerke hohe Bau würde den Vorbeigehenden sogar gleich zweimal ins Auge fallen, merkt Soška an:
„Neben unserem Gebäude steht der futuristische Pavillon des japanischen Kreativkünstlers Yoichi Ochiai. Er hat eine Spiegelfassade, in der sich unser Pavillon wunderbar reflektiert. Darum gibt es ihn im Prinzip zweimal.“
Vervielfältigt haben sich anscheinend aber auch die Kosten für das Prachtstück. Wie Recherchen des Tschechischen Rundfunks ergaben, kamen zum ursprünglichen Etat von 193 Millionen Kronen (7,7 Millionen Euro) im letzten Moment noch 92,6 Millionen Kronen (3,7 Millionen Euro) hinzu. Diese Zahl wird in einem Artikel auf dem Onlineportal iRozhlas.cz vom Montag mit einem Zitat aus unveröffentlichten Dokumenten des tschechischen Außenministeriums belegt.
Weiter heißt es in dem Beitrag, es habe noch im Februar so ausgesehen, dass der Pavillon nicht rechtzeitig fertiggestellt werden könne. Dies streitet die Sprecherin der tschechischen Expo-Präsentation, Jana Kohoutová, jedoch gegenüber der Presseagentur ČTK ab. Nicht dementiert werden allerdings die entstandenen Mehrkosten, die mit höheren Brandschutzanforderungen der japanischen Ämter oder auch mit zusätzlichen Maßnahmen zum Schutz vor Erdbeben begründet werden.
Vergangene Woche ist das Gebäude aber tatsächlich für die öffentliche Nutzung freigegeben worden. Für die Teilnahme Tschechiens an der Expo 2025 hat die Regierung insgesamt 290,2 Millionen Kronen (11,5 Millionen Euro) genehmigt. Weitere rund 150 Millionen Kronen (6 Millionen Euro) sollen durch Vermietungen aufgebracht werden, etwa des Restaurants im Pavillon. Und laut iRozhlas wird außerdem damit gerechnet, das Gebäude nach der Expo zu verkaufen und dadurch 42 Millionen Kronen (1,7 Millionen Euro) wieder einzunehmen.
Bis dahin sollen nun aber ein halbes Jahr lang die Besucher der Weltausstellung den verglasten Spiralgang entlanglaufen, der sich rund um den tschechischen Pavillon windet. Auf den etwa 250 Metern wurde auch das Innere des Gangs künstlerisch gestaltet. Dabei habe man sich von den Bildern von Alfons Mucha und deren ewige Themen Liebe, Verstand und Weisheit inspirieren lassen, sagt der zuständige Koordinator Jan Herget:
„Auf moderne Weise, das heißt mit Street Art und Comics, stellen wir diese Hauptgedanken dar und führen den Besucher durch den Gang. Das Ziel ist nicht nur, Exponate zu zeigen, sondern Emotionen zu wecken und das Herz zum Klopfen zu bringen.“
30 Millionen klopfende Herzen könnten es sein – denn so viele Besucher werden bei der Expo 2025 erwartet.







