Weltmeister und NHL-Stars: Tschechien mit erfahrenem Team bei Eishockey-WM

Für viele Tschechen ist es jedes Jahr eines der größten Sportereignisse: die Eishockey-Weltmeisterschaft. Ende der Woche beginnt das Turnier, bei dem das tschechische Team als Titelverteidiger antritt. Nationaltrainer Rulík setzt dabei in seinem vorläufigen Aufgebot auf altbewehrte Kräfte und NHL-Power.

Wenn die tschechische Eishockeynationalmannschaft am Dienstag an ihrem WM-Spielort im dänischen Herning ankommt, dann sind auch 13 Weltmeister des vergangenen Jahres dabei. Nationaltrainer Radim Rulík baut für die anstehenden Titelkämpfe darauf, dass sie sofort ins Team finden und keine Eingewöhnungszeit brauchen. Seine Nominierung hatte der Coach am Sonntag in Brno / Brünn bekanntgegeben...

Radim Rulík | Foto: Agáta Nezbedová,  Tschechischer Rundfunk

„Die Jungs, die schon im vergangenen Jahr dabei waren, wissen natürlich, wie der Hase läuft. Sie können das in der Kabine weitergeben, ohne dass wir Trainer sie dazu auffordern müssten. Wir haben also den Kern des Teams beieinander, dies sind die Weltmeister aus Prag“, so Rulík.

Tschechien holte 2024 den WM-Titel im eigenen Land. Und zwar erstmals nach 14 Jahren wieder. Doch dieses Mal sind die Schützlinge von Rulík die Gejagten. Um in diesem Wettstreit bestehen zu können, setzt der Trainer als weitere wichtige Komponente auf Stars aus der nordamerikanischen Profiliga NHL. Dazu merkte er an:

„Wir sind sehr dankbar für das Interesse, das die tschechischen NHL-Spieler daran haben, ihr Land zu repräsentieren. Das gibt uns zusätzliche Energie für die Arbeit. Mittlerweile hat Tschechien nicht mehr so viele Spieler in Übersee wie früher. Aber weiterhin findet sich dort Qualität. So gibt es junge tschechische Spieler, die aktuell mehr Einsatzzeiten in ihren Teams bekommen. Das ist sicher ein Versprechen für die Zukunft.“

Einer von diesen Jüngeren ist der 2,03-Meter-Riese Adam Klapka von den Calgary Flames. Mit ihm zusammen stehen bisher sechs NHL-Spieler im WM-Aufgebot – erneut auch David Pastrňák, der Schütze des goldenen Tores im Finale gegen die Schweiz vom vergangenen Jahr. Anders als 2024, als er erst im Viertelfinale dazustieß, konnte sich der Stürmer von den Boston Bruins diesmal gleich dem Team anschließen.

Allerdings hat Trainer Rulík noch einen Platz im vorläufigen Aufgebot freigelassen – für Martin Nečas von Colorado Avalanche. Der Spieler selbst und sein Verein haben bereits der WM-Teilnahme zugestimmt, im Laufe des Dienstags muss der 26-jährige Angreifer nur noch den obligatorischen Gesundheitscheck überstehen.

Martin Procházka ist tschechischer Eishockeyolympiasieger und viermaliger Weltmeister. Als Experte kommentiert der Ex-Profi in den Sportsendungen des Tschechischen Rundfunks das Geschehen auf dem Eis. Laut Procházka könnte Martin Nečas ein entscheidender Faktor für das Team sein.

„An seinen Qualitäten gibt es nichts zu zweifeln, wie schon bei der vergangenen Weltmeisterschaft gesehen. Ab dem Moment, da er zum Team stieß, gehörte er damals zu den absoluten Leistungsträgern. Und das hat er meiner Meinung nach auch in dieser Saison in der NHL unter Beweis gestellt“, erläuterte Procházka.

Martin Nečas | Foto: Zuzana Jarolímková,  iROZHLAS.cz

Insgesamt 83 Scorerpunkte konnte Nečas in der Saison sammeln. Und für Tschechien besteht die Hoffnung auf noch mehr NHL-Power, denn die beiden Stürmer Tomáš Hertl und David Kämpf könnten später noch zur Mannschaft stoßen. Ihre Vereine Vegas Golden Knights und Toronto Maple Leafs haben zwar die zweite Runde der Playoffs um den Stanley Cup erreicht. Sollten die Klubs aber das Halbfinale verpassen, ließen sich Hertl und Kämpf noch nachnominieren.

Die Hälfte des tschechischen Teams bilden derzeit allerdings Vertreter der einheimischen Extraliga. Zu ihnen gehört auch Ondřej Beránek, der am Montagabend zum besten Spieler der abgelaufenen Saison gewählt wurde. Noch nie war der 29-jährige Stürmer vom Verein aus Karlovy Vary / Karlsbad so produktiv. In 51 Begegnungen der Liga-Vorrunde schoss er 30 Tore und verbuchte 20 Assists. Hinzukamen zwei Tore in den Play-offs. Nach der Wahl gestand Beránek, der im vergangenen Jahr bereits im Kader war, dass ihm der WM-Titelgewinn geholfen habe:

Ondřej Beránek | Foto: René Volfík,  iROZHLAS.cz

„Das hat mir einen großen Schub gegeben, sowohl im Leben, als auch im Eishockey. In jedem Spiel der Saison habe ich mir mehr zugetraut, und ich habe mir auf dem Eis Dinge erlaubt, die ich mich früher nicht getraut habe. Vor allem aber wollte ich den Fans zeigen, dass ich zurecht bei der Heim-WM war. Der Hauptgrund war also, die Menschen nicht zu enttäuschen.“

Im vorläufigen Aufgebot zur anstehenden WM sind zudem noch drei Profis aus der schweizerischen und zwei aus der finnischen Liga sowie Verteidiger David Špaček aus der AHL, also der zweithöchsten US-amerikanischen Spielklasse.

Tschechien bestreitet seine Gruppenspiele bei der WM im dänischen Herning. Gegner sind unter anderem die USA, die Schweiz und Deutschland. Die andere Gruppe ist in Stockholm angesiedelt. Für Rulíks Jungs geht es am Freitagnachmittag los, dann sind die Eidgenossen die Gegner.

Autor: Till Janzer
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