Fernsehratsmitglied: Medienauftritte des Direktors haben Ruf des Tschechischen Fernsehens beschädigt

Tschechisches Fernsehen

Am Dienstag wurde der Generaldirektor des öffentlich-rechtlichen Tschechischen Fernsehens (ČT), Jan Souček, vom Fernsehrat abgewählt. Bára Procházková ist Mitglied des Fernsehrats. Martina Schneibergová hat mit ihr über die Gründe für die Entscheidung gesprochen.

Frau Procházková, der Generaldirektor des Tschechischen Fernsehens ist am Dienstag abgewählt worden. Jan Souček stand jedoch schon eine gewisse Zeit lang in der Kritik. Vor etwa einem Jahr weckte beispielsweise der Rücktritt aller fünf Mitglieder der Ethikkommission, also eines Beratergremiums des Direktors, große Aufmerksamkeit. Was hat nun zu Součeks Absetzung geführt?

Bára Procházková | Foto: Tschechisches Fernsehen

„Es gab mehrere Gründe, die der Fernsehrat genannt hat. Und zwar war das einmal das das mediale Auftreten des Generaldirektors Souček in der Öffentlichkeit. Der Fernsehrat war wiederholt der Meinung, dass das jeweilige Auftreten dem guten Namen des Tschechischen Fernsehens geschadet hat. Der zweite Grund war eine fehlende langfristige Planung. Es gab kurzfristige Entscheidungen, die aber rasch auch wieder geändert wurden. Ein Beispiel war das Streichen mehrerer publizistischer Formate, die einige Tage später wieder neu angesetzt wurden. Im Sommer letzten Jahres war ein Thema, das vom Fernsehrat besprochen wurde, dass Generaldirektor Souček eine wichtige publizistische Sendung aus dem Programm genommen hat. Diese Sendung hieß ,168 Stunden‘. Es war eine satirische Zusammenfassung der ganzen Woche. Das sind natürlich Formate, die unter der Lupe der Politik und auch der Öffentlichkeit stehen. Da fehlte eine langfristige Planung. Und wenn ein derartiges Format aus der Sendung genommen wird, sollte dies erläutert werden. Damals erfolgte aber keine Erklärung. Und zu Änderungen in der Publizistik ist es im April dieses Jahres dann wieder gekommen. Da hatte der Fernsehrat ein wenig Befürchtungen, dass das Fernsehen dem Gesetz im Bereich Publizistik widerspricht. Es bestanden aber auch noch weitere Gründe – beispielsweise dass ehemalige Mitarbeiter des Fernsehens oder Mitarbeiter, denen gekündigt wurden, eine allzu hohe Abfindung bekamen. So gab es mehrere Manager, die Herr Souček im vergangenen Jahr ernannt hatte, die jedoch beispielsweise nur sechs Monate im Fernsehen gearbeitet haben, aber viel Geld als Abfindung bekamen. Der Fernsehrat hat den Umgang mit Geld kritisiert. Und der letzte Punkt, der vom Fernsehrat angemahnt wurde, war die Veröffentlichung von Verträgen. Denn die Verträge von öffentlichen Institutionen müssen veröffentlicht werden. Da wurde jedoch in den Papieren sehr viel geschwärzt.“

Es war kein Geheimnis, dass ein Teil der Öffentlichkeit mit der Arbeit des Generaldirektors unzufrieden war. Hat sich die tschechische Öffentlichkeit auch mit Beschwerden an den Fernsehrat gewandt?

Jan Souček | Foto: Zuzana Jarolímková,  iROZHLAS.cz

„Ja, schon. Über die Persönlichkeit von Jan Souček wurde viel diskutiert. Es entstand sogar eine öffentliche Petition, die von bekannten Persönlichkeiten Tschechiens unterzeichnet wurde. Diese forderte den Fernsehrat auf, etwas zu unternehmen.“

Wie sieht das weitere Vorgehen bei der Wahl eines Nachfolgers von Souček aus?

„Laut dem Gesetz hat der Fernsehrat nur drei Monate Zeit, um einen neuen Generaldirektor zu wählen. Wir tun alles, um das zu schaffen. Wir haben am Dienstag die Ausschreibung veröffentlicht. Bis 28. Mai sollen sich die Bewerber melden und ihre Unterlagen abgeben. Der Plan ist, am 18. Juni die erste Runde der Wahl durchzuführen.“